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Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks: Meister auf Abwegen

Nach langer Wartezeit ist die NBA mit Volldampf in die verkürzte Saison gestartet. Die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki kassierten gegen die Timberwolves bereits die vierte Niederlage und präsentierten sich bisher desolat. Wir ziehen eine Bilanz der ersten Woche.

Weihnachten ist gefeiert, der Rutsch ins neue Jahr vollzogen - es ist Zeit, sich den Herren zu widmen, die weder Weihnachten noch Silvester eine Pause einlegten - den Basketballern der NBA.

Die erste Woche der neuen Saison ist vorüber, und natürlich kann man noch keine Schlüsse über den Verlauf der gesamten Runde ziehen. Trotzdem wollen wir einen Blick auf die ersten Überraschungen, sowohl positiver als auch negativer Natur, werfen.

Natürlich ist da zu aller erst Titelverteidiger Dallas Mavericks zu nennen, die Mannschaft von Finals-MVP Dirk Nowitzki. Sicher hatte man in Dallas ob der vielen Wechsel und der kurzen Vorbereitung mit einem holprigen Start gerechnet, aber die ersten fünf Spiele ließen die Euphorie über den gegen die Miami Heat gewonnenen Titel schnell vergessen.

Krise in Dallas - der Meister auf Abwegen

Sicher, die Niederlage im ersten Spiel gegen die hochmotiviert angetretenen LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh ließ sich noch verschmerzen, die darauf folgenden Pleiten gegen die Denver Nuggets und die Oklahoma City Thunder hingegen waren in der Art und Weise des Zustandekommens indiskutabel.

Vor allem das Spiel gegen die Nuggets im heimischen American Airlines Center diente dabei als Augenöffner. Schwer zu sagen, ob nun die Defensive oder die Offensive die größere Schwäche bei den Mavericks darstellte – denn beide Mannschaftsteile sahen gelinde gesagt katastrophal aus. Während des zweiten Viertels blieben die Mavericks fast 10 Minuten ohne eigenen Korb, während Denver einen 20:0-Run heraus spielen konnte.

Abgesehen von Nowitzki und Jason Kidd erzielten die übrigen Starter Haywood, Marion und West insgesamt 11 Punkte. Und die Neuverpflichtungen Odom und Carter? Carter, ob seiner krachenden Dunkings während seiner Zeit bei den Toronto Raptors einst als Air Canada tituliert, schleppt einige Pfunde zu viel mit sich herum und sieht aus wie ein Schatten des Spielers, der 1998 als Rookie des Jahres in die Liga einzog.

Und Odom, der ja eigentlich der Königstransfer sein sollte und den Mavericks sowohl offensiv als auch defensiv mehr Stabilität von der Bank geben sollte, scheint sein Händchen in Los Angeles gelassen zu haben. Eine unterirdische Trefferquote von nur vier verwandelten Würfen bei 30 Versuchen aus den ersten vier Spielen, dazu der Feldverweis im Spiel gegen die Heat und in der Defensive ist er oft der erste, der leichte Körbe zulässt – das hatte sich das Management der Mavericks sicher anders vorgestellt.

Junge Timberwolves zerlegen Mavs im letzten Viertel

Auch im Spiel bei den bis dato sieglosen Minnesota Timberwolves in der letzten Nacht wurden sämtliche Schwächen der Mavs schonungslos offen gelegt. Nachdem man sich nach einem zweistelligen Rückstand im dritten Viertel wieder ins Spiel gekämpft hatte, brach das Team im letzten Viertel komplett ein und verlor mit 82:99. Dirk Nowitzki vermochte mit 21 Zählern die Niederlage nicht zu verhindern. 

Zu wenig Defense der Guards, konditionelle Mängel bei fast allen Teammitgliedern und in der Offensive oft nur mit wilden Pässen auf Nowitzki als letztem Ausweg – das Statement des Deutschen, der nach der Partie gegen Denver von einem "zu alten, zu langsamen und sich völlig außer Form" befindlichen Team gesprochen hatte, steht nach wie vor.

Vor allem für die Verteidigung wird sich Coach Rick Carlisle schnell etwas einfallen lassen müssen, denn bei zehn Spielen in den nächsten 14 Tagen, vorrangig gegen die starke Konkurrenz aus der eigenen Western Conference, könnte eine Niederlagenserie bereits große Nachteile im Kampf um die Playoffplätze nach sich ziehen.

Lakers stabilisiert – Geheimfavorit Memphis neben der Spur

Aber die Mavericks sind nicht das einzige hoch gewettete Team mit Startschwierigkeiten. Die Lakers scheinen sich nach einem miserablen Start mit zwei Niederlagen wieder gefangen zu haben, in den letzten drei Partien wurden ausschließlich Siege eingefahren – und diese immerhin gegen Teams wie Utah, Denver und New York. Vor allem die Rückkehr des zuvor gesperrten Andrew Bynum ins Team scheint zu helfen, nach großen Problemen vor allem bei den Defensivrebounds war gegen Denver klar zu erkennen, wie wichtig der junge Center unter dem Korb ist:

Große Probleme hingegen haben die vor der Saison von vielen als Geheimfavorit genannten Memphis Grizzlies. Das in der letzten Saison noch überragend agierende Duo Randolph und Gasol hat unter den Körben noch keinen Rhythmus gefunden, in der Defensive scheint der nach Miami abgewanderte Shane Battier eine nicht zu schließende Lücke hinterlassen zu haben, und in der Offensive funktionieren selbst die einfachsten Spielzüge nicht mehr – wie ganze 28 Punkte zur Halbzeit im Spiel gegen die Chicago Bulls letzte Nacht eindrucksvoll bestätigten.

Vor allem die Guards Tony Allen, Jeremy Pargo und O.J. Mayo fallen durchgehend durch eine sehr schwache Schussauswahl auf – in der letzten Saison noch eine der Stärken der Grizzlies, die eins der besten Teams darin waren, zu einfachen Körben zu kommen.

Auch in New York bei den Knicks sowie in Boston bei den Celtics hängt der Haussegen aufgrund hoher Erwartungen an die Saison schief. Die Knicks mussten mit Tyson Chandler allerdings auch die vor allem für die Verteidigung immens wichtige Center-Position neu besetzen, so dass leichte Schwierigkeiten beim Einspielen des Spielsystems zu erwarten gewesen waren.

Und Boston musste in den ersten Spielen auf Top-Scorer Paul Pierce verzichten, was sich in drei Niederlagen niederschlug – nach der Rückkehr des All-Stars konnten die nächsten beiden Spiele zwar gewonnen werden, doch besonders Bostons Unterlegenheit im Reboundspiel (Platz 30 unter allen 30 Teams der Liga) dürfte den Celtics noch so einige schwere Spiele bescheren.

Miami, Oklahoma City und Chicago als Klassenbeste

Aber natürlich gibt es auch Teams, denen weder der verspätete Saisonstart noch die kurze Vorbereitungszeit Probleme zu bereiten scheint. Die Miami Heat scheinen die Niederlage in den letztjährigen Finals gut verdaut und den Frust in frische Motivation umgemünzt zu haben, wie der Saisonstart mit fünf Siegen und bisher keiner einzigen Niederlage vermuten lässt.

Vor allem der zum Ende der letzten Saison viel gescholtene Lebron James macht mit seinen Gegenspielern bisher, was er will. 33 Punkte, 7 Assists und fast 8 Rebounds im Schnitt sind Werte, die selbst für den vielleicht besten Basketballer der Welt keine Alltäglichkeit darstellen.

Auch die Oklahoma City Thunder, vor wenigen Tagen ja noch per Buzzer Beater gegen die Dallas Mavericks erfolgreich, haben einen exzellenten Start in die Saison aufs Parkett gelegt. Dank der hervorragenden Form von Top-Scorer Kevin Durant, der selbst von der Dreierlinie momentan 50 Prozent seiner Würfe verwandelt, sowie der guten Unterstützung von Russell Westbrook sowie James Harden scheinen die Thunder die hohen Erwartungen der Medien sowie der eigenen Fans bisher voll erfüllen zu können.

Ebenfalls in bester Laune befinden sich die Anhänger der Chicago Bulls. Nicht nur, dass Liga-MVP Derrick Rose bisher alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt, auch die Verpflichtung von Richard “Rip“ Hamilton für die Position des Shooting Guards scheint sich auszuzahlen. Und auch die Defensive sieht fast schon so eingespielt aus wie in der letzten Saison, was sich vor allem auf die gute Form von Carlos Boozer zurückführen lässt – ein Satz, den man in der letzten Spielzeit rund um das United Center in Chicago nicht allzu oft hören konnte.

Die Überraschungen: Indiana, San Antonio und Orlando

Und dann gibt es da noch die Mannschaften, die bisher tolle Leistungen abliefern, mit denen im Vorfeld kaum jemand gerechnet hatte. Die Indiana Pacers sind zum Beispiel eines dieser Teams. Sicherlich, das Auftaktprogramm war mit Spielen gegen Detroit, Toronto und Cleveland nicht hochkarätig, aber ein Saisonstart mit drei Siegen bei nur einer Niederlage war trotzdem nicht zwingend zu erwarten.

Ein weiteres Team, das sich bisher weitestgehend unbeachtet in eine gute Frühform spielt, sind die San Antonio Spurs. Tony Parker erlebt auf der Spielmacherposition einen zweiten Frühling, Manu Ginobili punktet zuverlässiger als jemals vorher in seiner Karriere und auch Tim Duncans Auszeiten können aufgrund einer guten Aufgabenteilung von Rookie Kahwi Leonard und Tiago Splitter gut kompensiert werden. Und so sorgte nicht nur der 800. Karrieresieg von Coach Gregg Popovich für fröhliche Gesichter in Texas, sondern vor allem die Tatsache, die starke Southwest Division zunächst mal von der Tabellenspitze betrachten zu dürfen.

Die Orlando Magic, momentan meist weniger wegen ihres Spiels sondern des drohenden Abschieds von Center Dwight Howard in den Medien präsent, scheinen sich um Gerüchte und Geschichten abseits des Feldes nicht sonderlich viele Gedanken zu machen. Nach einer klaren Niederlage im ersten Saisonspiel gegen Oklahoma wurden die folgenden vier Spiele gewonnen, und so warten die Magic momentan als ärgster Verfolger des Dream Teams aus Miami auf – fraglich nur, ob das Howard vom Bleiben überzeugen kann, denn sollte der Center noch während der Saison abgegeben werden, dürfte das jegliche Chancen der Magic auf eine gute Saison beträchtlich schmälern.

Beim nächsten Mal werden wir neben anderem einen Blick auf die größten Transfers der Offseason werfen und schauen, wie gut sich die Stars in ihren neuen Clubs zurecht finden.

Oliver Stein

sportal.de / sportal

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