HOME

Doping-Affäre: Teilerfolg für Pechstein

Im Kampf um die Aufhebung ihrer Dopingsperre kann Claudia Pechstein einen Teilerfolg verbuchen. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) entschied, dass die 37-Jährige wieder trainieren darf und nährt damit Hoffnungen.

Teilerfolg für Claudia Pechstein: Die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin darf wieder in vollem Umfang trainieren. Der Internationale Sportgerichtshof CAS entsprach am Freitag teilweise dem Eilantrag der 37-jährigen Berlinerin. Danach darf Pechstein ab sofort wieder an an allen Trainingsmaßnahmen der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) teilnehmen. Damit wird durch die CAS-Entscheidung der Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA zum Teil ausgehebelt.

"Wichtiger Zwischenschritt"

Von Wettkämpfen aber bleibt Pechstein, die wegen auffälliger Retikulozyten-Werte vom Weltverband ISU für zwei Jahre gesperrt ist, weiterhin bis zur Entscheidung im Berufungsverfahren ausgeschlossen. "Mit Blickrichtung Olympische Spiele wird jetzt natürlich einiges leichter", reagierte Pechstein in einer ersten Stellungnahme.

Sie hat mit dem CAS-Spruch genau erreicht, was sie bezweckte, denn als Kriterien für einen Urteil im Eilsache-Verfahren gelten neben der Dringlichkeit des Falles auch die Chancen des Sportlers in der Hauptverhandlung. Mit seinem Urteil hat der CAS nun zumindest eingeräumt, dass Pechstein auch im Hauptverfahren nicht ganz aussichtslos sein könnte.

Als "Einzelgängerin" wäre es für Pechstein "fast unmöglich" gewesen, sich für die olympische Saison, die am 30. Oktober mit den deutschen Meisterschaften in Berlin beginnt, in Topform zu bringen. Den teilweise stattgegebenen Eilantrag sieht Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin daher als "wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zu meinem Freispruch".

Begrüßt wurde die Entscheidung von Repräsentanten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der Deutschen Eisschnelllauf- Gemeinschaft (DESG). "Das ist eine abgewogene Entscheidung. Jetzt kann Claudia Pechstein ihre Vorbereitung mit Blick auf Olympia in Vancouver in Angriff nehmen. Aber es bleibt natürlich ein vorläufiges Urteil. Bis zur Entscheidung in der Hauptsache wird Claudia Pechstein somit auch vom CAS als unschuldig angesehen", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper.

"Das ist ein guter Schritt in die richtige Richtung", urteilte DESG-Sportdirektor Günter Schumacher. "Aber die endgültige Klarheit wird natürlich erst die Entscheidung des CAS in der Hauptverhandlung bringen. Im Sinne der Vorbereitung von Claudia Pechstein auf die Saison war es eine ganz wichtige Weichenstellung", fügte er hinzu.

In der Presse-Erklärung teilten die drei CAS-Richter Massimo Coccia aus Italien sowie Stephan Netzle und Michele Bernasconi (beide Schweiz), die auch für das Hauptverfahren verantwortlich sein werden, am Freitag zudem mit, dass sie Anfang Oktober nochmals zu einer Anhörung zusammenkommen, um vor dem Weltcup-Start Anfang November über Pechsteins Wettkampf-Teilnahme zu entscheiden. Offen blieb jedoch, ob es sich dabei bereits um das Hauptverfahren selbst handeln könnte. Pechsteins Anwalt Simon Bergmann setzte sich am Freitag zur Klärung dieser Angelegenheit noch einmal mit dem CAS in Verbindung. "Es wäre nur zu begrüßen, wenn der CAS sein Urteil so schnell wie möglich fällt, damit wir Klarheit haben", sagte Michael Vesper.

Claudia Pechstein könnte durch eine vorgezogene Hauptverhandlung sogar unter Zeitdruck geraten, denn sie möchte zunächst mit dem von ihr angebotenen Langzeittest ihre Unschuld und weitere Argumente zum Beweis ihrer Unschuld sammeln. "Zwar bin nicht ich, sondern der Verband in der Beweispflicht. Doch es geht nicht nur um meinen Freispruch, sondern auch darum, meinen guten Ruf wieder herzustellen", sagte Pechstein. Die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA wird Pechstein demnächst empfangen, um sich die Argumente der Sportlerin zum Konzept der sechswöchigen Studie anzuhören.

Frank Thomas/DPA / DPA

Wissenscommunity