EM-Qualifikation Bundestrainer zieht die Zügel stramm

Nach enttäuschenden Leistungen in der EM-Qualifikation will Bundestrainer Joachim Löw von seiner Mannschaft im Spiel gegen Zypern (20.30 Uhr) wieder "offensiven, leidenschaftlichen Fußball" sehen. Doch bei der Aufstellung muss er improvisieren.

Nach der Verletzungs-Flut grübelt Joachim Löw noch über die ideale Mittelfeld-Besetzung, doch an den Zielen zum Jahresabschluss der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gibt es keine Abstriche. Die zwei letzten sieg- und torlosen Pflichtspiele will die DFB-Elf in Hannover mit dem 50. Sieg in der EM-Qualifikation vergessen machen. "Wir müssen ein Stück weiter improvisieren. Aber wir wollen eine klasse Qualifikation nochmals mit zwei positiven Ergebnissen abschließen", erklärte der Bundestrainer vor der Partie am Samstag (20.15 Uhr/ZDF) und versprach den 45.000 Fans in der ausverkauften WM-Arena die Rückkehr zum "offensiven, leidenschaftlichen Fußball" und Toren.

Dass es für den längst für die EM-Endrunde 2008 qualifizierten dreimaligen Europameister gegen Zypern und vier Tage später in Frankfurt gegen Wales eigentlich um nichts mehr geht, wiesen Löw und seine Spieler deutlich zurück. "Wir haben überhaupt nicht geschludert. So können wir nicht mehr auftreten, wir wollen das ein Stück weit wieder gutmachen", sagte Per Mertesacker und erinnerte an das jüngste 0:3 gegen Tschechien, dass vom Münchner Publikum mit gellenden Pfiffen quittiert worden war. Der Bundestrainer hat in den Trainingseinheiten registriert, dass der Spannungsabfall nach der feststehenden Qualifikation behoben ist: "Tempo und Intensität waren hoch." Mertesacker bestätigte, dass Löw die Zügel noch einmal angezogen hat: "Wir haben das deutlich zu spüren bekommen."

Offensive mit drei Spitzen

Tempo, Offensive und ein schnelles Spiel in die Spitze sind auch gegen die Zyprer, die in der EM-Gruppe D immerhin schon 14 Punkte geholt haben und der DFB-Elf beim Hinspiel in Nikosia ein 1:1 abgetrotzt hatten, "der Schlüssel zum Erfolg", betonte Abwehrrecke Mertesacker. Dafür ließ Löw im Training intensiv die Variante mit dem Angriffs-Duo Miroslav Klose und Mario Gomez sowie Lukas Podolski als dritter, hängender Spitze proben. Der Bänderriss von Jansen, der am Freitag in München operiert wurde und bis zum Ende der Hinrunde ausfällt, brachte Löw und seine Assistenten allerdings noch einmal ins Grübeln: "Zwei Positionen sind vakant. Wir müssen sehen, was ideal ist", erklärte Co-Trainer Hansi Flick. Eine Position ist wohl für Piotr Trochowski vorgesehen. Für die andere "gibt es zwei Varianten: Simon Rolfes oder Lukas Podolski", sagte Löw.

Im 50. Länderspiel von Jens Lehmann geht es auch um die Einordnung des deutschen Teams bei der EM-Auslosung am 2. Dezember in Luzern. Entsprechend einer Koeffizienten-Regel, die alle Ergebnisse aus der letzten WM- und EM-Qualifikation erfasst, wäre die Löw-Auswahl (2,3) nach gegenwärtigem Stand mit den Niederlanden (2,5), Schweden (2,35) und Rumänien (2,318) in Topf zwei. Bei weiteren Punktverlusten droht allerdings noch der Rutsch in Topf drei, was schwerere Gegner bei der EM-Endrunde in der Schweiz und Österreich bedeuten könnte.

Löw will keine Rechenspiele

"Damit beschäftige ich mich gar nicht. Ich habe mich ganz bewusst aus Rechenspielen herausgehalten", bemerkte dazu Löw. Auch Mertesacker wiegelte ab: "Es gab eher keine Gedankenspiele, was besser oder schlechter für uns wäre." Doch Verantwortliche des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) haben längst alle Möglichkeiten durchgerechnet, wie die schwersten Brocken schon als Vorrunden-Gegner vermieden werden könnten.

Der Bundestrainer verordnete seinem Personal vor dem 24. Spiel in Hannover (nur drei Niederlagen) "höchste Konzentration" auf den nächsten sportlichen Gegner und ordnete den Zyprern die Tugenden "aufsässig, hartnäckig und giftig" zu. "Die geben nie auf, gehen noch in der 90. Minute richtig drauf", beschrieb Löw seine Video- Beobachtung des Spiels in Tschechien, das Zypern nur knapp mit 0:1 verloren hatte. Auch die Spieler bekamen dieses Video vorgespielt.

Lehmann will in London bleiben

Derweil nutzte Jubilar Lehmann die Pressekonferenz vor seinem 50. DFB-Einsatz dazu, Bedenken an fehlender Spielpraxis bis zur EM trotz seiner Reservistenrolle beim FC Arsenal zu zerstreuen. Auch wenn er inzwischen erste Anrufe anderer Vereine erhalten habe, tendiert der 38-Jährige auch mit Rücksicht auf seine Familie zum Verbleib in London. "Es kann auch sein, dass ich, selbst wenn ich nicht spiele, die ganze Zeit bei Arsenal bleibe", sagte Lehmann.

Zugleich machte die deutsche Nummer 1 eine Rechnung auf, wie er auch als Reservetorhüter bei Arsenal auf rund 20 Saisonspiele und damit aus seiner Sicht auf genügend Spielpraxis vor der EM kommen könnte. "Die Sache bei mir ist vergleichbar mit Frings oder Ballack." Löw will das angekündigte Gespräch mit Lehmann erst nach dem Zypern-Spiel suchen. Bundestorwarttrainer Andreas Köpke aber sich schon jetzt um Entspannung: "Die Diskussion wird in der Öffentlichkeit hysterischer geführt, wir tun das nicht so hitzig."

Jens Mende und Klaus Bergmann/DPA DPA

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