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Handball-EM: 34 Tore für den Trainer: Deutsche Handballer lassen Diskussion um Prokop verstummen

Ist Christian Prokop noch der richtige Trainer für die deutschen Handballer? Die Antwort fiel beim Kantersieg gegen Österreich eindeutig aus. Es war nicht das einzige Problem, das das deutsche Team an diesem Abend gelöst hat.

Ein Mann im schwarzen Team-Shirt ballt jubelnd die Fäuste vor dem Gesicht

Handball-Bundestrainer Christian Prokop (l.) jubelt über einen der Treffer gegen Österreich

Zur Belohnung für den Erfolg im Prestigeduell mit Österreich gab es für die deutschen Handballer Pizza. Noch am späten Abend wurden der überragende Torhüter Johannes Bitter und seine Mitspieler von Mannschaftskoch Nils Walbrecht im Wiener Teamhotel damit verwöhnt. Zuvor hatte sich die DHB-Auswahl mit dem 34:22-Erfolg für das Spiel um den fünften Platz der Europameisterschaft am Samstag (16 Uhr) in Stockholm qualifiziert - und damit aufkommende Diskussionen um Bundestrainer Christian Prokop vorerst beendet. Aber es gab noch mehr Baustellen, die geschlossen wurden.

Tor

Stammkeeper Andreas Wolff hatte in den Spielen zuvor gegen Kroatien und Weißrussland überragend gehalten. Gegen die Österreicher agierte der 28-Jährige zu Beginn glücklos. Prokop reagierte und brachte nach 15 Minuten Bitter ins Spiel - und der 37-Jährige lieferte erstmals bei der EM richtig ab. Sensationelle 54 Prozent der Würfe der Gastgeber wehrte Bitter ab.

Matthias Musche jubelt.

"Das war fantastisch. Er hat das ganze Turnier schon eine hervorragende Aura in diese Mannschaft gebracht", lobte Prokop den Weltmeister von 2007. "Mich freut's für ihn persönlich total, dass er nach so langer Abstinenz so eine tolle Leistung auf internationalem Parkett zeigen konnte."

Trainer

Dass vor dem Spiel gegen die Österreicher Kritik an Prokop aufgekommen war, konnte dieser nicht verstehen. "Ich finde das völlig überflüssig. Wir haben gegen Kroatien nach einem riesen Kampf mit einem Tor verloren. Ist das in Deutschland der Maßstab, dass dann der Trainer infrage gestellt wird, wenn man Kroatien nicht schlägt?", fragte Prokop rhetorisch. "Wir haben eine tolle Entwicklung genommen. Wir hatten sehr viele Absagen vor diesem Turnier. Ich habe trotzdem bewusst an den Zielen festgehalten, um diese Mannschaft auch mental nicht zu schwächen, sondern um uns hoch zu hangeln", verteidigte der 41-Jährige seine Arbeit.

Nach der knappen Niederlage gegen Kroatien war kurzzeitig die Trainerdiskussion um Prokop wieder aufgeflammt. Anlass liefertendie durchwachsene Vorrunde und ein oder zwei unglückliche Coaching-Entscheidungen in der Kroatien-Partie.

Die beste Antwort aber hatten seine Akteure zuvor auf dem Spielfeld gegeben. "Die Gemeinschaft zwischen Mannschaft und Trainer steht, egal was passiert. Wir sind wieder perfekt vorbereitet worden", sagte Bitter.

Vor der Partie hatte vor allem der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan für Unruhe gesorgt, als er Prokop in einem Interview des Onlineportals "sportbuzzer.de" als Fehlbesetzung im Amt des Bundestrainers bezeichnet hatte. DHB-Vizepräsident Hanning reagierte am Montagabend mit einem höhnischen Kommentar darauf. "Jeder disqualifiziert sich so gut er selbst kann", sagte der 51-Jährige über Stephan. "Er hat schon öfter bewiesen, dass er da die Goldmedaille verdient hätte."

Ziel

Allerdings hatte Hanning vor der Partie Druck auf Mannschaft und Trainer aufgebaut, indem er das Erreichen des Spiels um den fünften Platz gefordert hatte. "Bob wollte die Mannschaft ein bisschen kitzeln, damit das Spiel nicht zu einer Schlafnummer wird. Die Taktik hat gezündet", sagte Torwart Wolff dazu. 

Hanning selbst rechtfertigte sich: "Ich habe den Trainer nie öffentlich infrage gestellt. Und die Mannschaft konnte immer mit dem Trainer." Er habe nach der verpassten Medaille gefordert, dass Mannschaft und Trainer zusammen ein gutes Turnier spielen und sich entsprechend präsentieren. "Wir wollten die Leidenschaft und den Willen sehen, um Platz fünf zu spielen", so Hanning. Dies habe das gesamte Team umgesetzt.

Nun soll das Turnier mit weiteren Siegen gegen Tschechien und im Platzierungsspiel zu einem versöhnlich Abschluss gebracht werden, damit die Mannschaft eine positive Stimmung zur Olympia-Ausscheidung nach Berlin mitnimmt. "Bei Olympia spielen wir dann hoffentlich wieder um die Medaillen mit", sagte Hanning.

Quellen: DPA, "sportbuzzer.de".

tkr / DPA

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