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Handball: Final Four - Füchse Berlin treffen im Halbfinale auf den THW Kiel

Mit einer weißen Weste sind die Kieler durch die Liga marschiert. Das Leibchen ist gar so weiß, dass man dem Team glatt den Namen Zebra aberkennen müsste. Im Halbfinale der Champions League kommt es nun zum Duell mit den Füchsen Berlin. Die Hauptstädter gelten zwar als Wunschgegner, sehen sich jedoch nicht chancenlos.

Der THW Kiel blickt auf eine perfekte Saison zurück. In der Bundesliga haben die Zebras die Meisterschaft bereits gewonnen, dabei eine beeindruckende Bilanz von 64:0 Punkten auf der Haben-Seite. Auch der DHB-Pokal ist in den Händen der Kieler. Dort besiegte man im Finale die SG Flensburg-Handewitt und machte das Double perfekt.

Nun soll die Saison blütenweiß über die Ziellinie gebracht werden. Die Kieler treffen beim Final Four der Champions League in Köln zunächst auf die Füchse Berlin – das andere Halbfinale bestreiten Atletico Madrid und AG Kopenhagen. Die weiße Weste der Kieler hat nur unter einem kleinen Fleck zu leiden, denn der Saisonstart verlief holprig – zumindest in der Champions League.

Dort unterlagen die Kieler im zweiten Gruppenspiel in eigener Halle gegen Montpellier HB mit 23:24, zwei Wochen später reichte es bei Ademar Leon nur zu einem 28:28. Gerade die Niederlage gegen Montpellier schmerzte, nach zuvor neun Siegen in Folge. Die offensive 5:1-Deckung schmeckte den Gastgebern nicht – es sollte allerdings die einzige Saisonpleite bleiben.

Berlin in dieser Saison noch ohne Sieg gegen Kiel

In der Bundesliga lief es zuvor nach Plan, dort gewann das Team von Trainer Alfred Gislason die ersten drei Spiele gar mit einem Torverhältnis von 107:48. Auch die Füchse, die nach der Qualifikation für die Champions League in der letzten Saison ihr Level halten konnten und momentan auf Platz drei der Bundesliga liegen, konnten die Serie der Kieler nicht stoppen.

Sowohl im Pokal als auch in der Liga gab es Niederlagen. Die Berliner sehen sich auch ohne Chance, das Starensemble dauerhaft in Gefahr bringen zu können. "An einem bestimmten Tag und zu einer bestimmten Zeit haben wir auch die Möglichkeit, den THW zu schlagen. Aber nicht auf die Dauer einer ganzen Saison", sagte Füchse-Manager Bob Hanning im Gespräch mit sportal.de.

Die Meisterschaft erwartet in Berlin wirklich niemand. Alleine die erneute Qualifikation für die Champions League wäre ein Erfolg, das Erreichen des Halbfinals in diesem Jahr schon ein Bonus. Die in Relation gesehen niedrige Erwartungshaltung ist auch gleichzeitig die große Chance der Berliner, die sich darüber bewusst sind, ein Wunschgegner zu sein.

Niederlage gegen Kiel macht Mut

"Uns war klar, dass die anderen drei Teams uns gern als Wunschgegner gehabt hätten", erklärte auch Stefan Güter, Geschäftsstellenleiter der Füchse Berlin, gegenüber handball-world.com. Dennoch ist die Stimmung im Team gut und beim gemeinsamen Grillen am Mittwochnachmittag schwor sich das Team der Berliner schonmal auf den heißen Tanz ein.

"Wir hätten eh nur früh trainiert. Und bei dem Wetter kann man stattdessen auch mal den Grill anmachen", erklärte Keeper Silvio Heinevetter der Bild. "Die Mannschaft ist gut drauf", bestätigte auch Hanning auf sportal.de-Nachfrage. "Sie sind entspannt konzentriert. Ein bisschen wie Rennpferde. Sie merken, dass ein ganz großer Wettkampf ansteht."

Am neunten Spieltag der Liga waren die Berliner knapp dran, die Zebras zu besiegen. In eigener Halle verloren die Füchse mit 32:33. Ein Spiel, das Mut macht für das Halbfinale in der Kölner Lanxess Arena vor 20.000 Fans. Klar ist, der THW ist der Favorit. "Die Mannschaft hat keine Schwachstellen", bestätigt Hanning.

Ein Sieg nur unter der Simulation einer Lebensgefahr

"Du musst überragend spielen, du musst deine autonomen Zonen angreifen, die man sonst nur in Lebensgefahr angreifen kann. Du musst dazu hoffen, dass sie nicht ihre Maximalleistung auf die Platte kriegen. Es ist nach wie vor so, dass der THW Kiel dieses Spiel vom Ergebnis her bestimmen kann."

"Dieses Turnier ist größer als die Olympischen Spiele, es ist der Höhepunkt dieser Saison für uns – und wir wollen den Titel. Dafür haben wir die ganze Saison gearbeitet", sagte Kiels Meistertrainer Alfred Gislason im Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur und nimmt die Favoritenrolle an.

Kiel verfügt über eine eingespielte Mannschaft, die über eine kompakte, aber dennoch sehr bewegliche Abwehr verfügt. Über die schnellen Außen spielen die Zebras einen guten Gegenstoß, haben zudem ungemein wurfstarke Akteure. "Sie haben Werfer, die von jenseits der zehn Meter einfache Tore erzielen können", so Füchse Co-Trainer Alexander Haase auf maerkischeallgemeine.de.

Die Füchse und der Kraftakt gegen Ademar Leon

Dennoch, auch im Viertelfinale waren die Füchse abgeschrieben, verloren das Hinspiel bei Ademar Leon mit 23:34. Die Hypothek von elf Toren wirkte schwer, jedoch nicht zu schwer. Angeführt von Iker Romero drehten die Füchse die Partie und erreichten doch noch das Halbfinale. "Der Mannschaft kommt die Schlüsselrolle zu. Ein Einzelner kriegt das nicht hin", sagt zwar Hanning.

Dennoch wollen die Berliner von ihrem Star profitieren. "Natürlich sind Spieler wie Iker Romero wichtig, da sie wissen, wie man so eine Champions League gewinnt. Und er ist auch der einzige amtierende CL-Sieger in diesem Turnier. Die Erfahrung wollen wir uns zunutze machen." Hoffnung macht zudem der Fakt, dass es nur ein Spiel ist, zudem auf neutralem Platz ausgetragen.

Neben Romero hat auch Füchse-Kapitän Torsten Laen nicht nur Erfahrung in der Champions League sammeln können. 2008 und 2009 gewann er die Trophäe mit Ciudad Real. "Wir sagen nicht, dass wir im Halbfinale gegen Kiel siegen, aber auch nicht, dass wir gar keine Chance haben", so Laen auf bild.de.

Der Gegner kommt per Bauchentscheid

Erfahrung ist vorhanden, zudem besticht das Team der Berliner durch Geschlossenheit sowie Willen. "Die Mannschaft hat den unglaublichen Charakter, niemals aufzugeben und immer an sich zu glauben. Wir sind in der Lage, clever zu spielen und die gegnerischen Mannschaften zu bespielen. Zudem nehmen wir dem Konkurrenten seine Stärken und spielen im Gegenzug unsere aus", ergänzt Haase.

Doch selbst wenn das Kunststück gelingt, die Kieler zu schlagen, wartet im Finale der nächste Brocken. Im zweiten Halbfinale treffen Atletico und Kopenhagen aufeinander. "Das ist ein Spiel auf Augenhöhe", so Hanning. "Ich persönlich tippe auf Kopenhagen, aber nur aus dem Bauch heraus." 

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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