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Tod von Basketball-Legende: Erinnerung an Kobe Bryants dunkles Kapitel: US-Journalistin wird bedroht und verliert ihren Job

Der Tod von Kobe Bryant bewegt weltweit Millionen Menschen. Schon kurz nach der Todesnachricht erinnerte eine US-Journalistin an den dunklen Fleck im Leben der Basketball-Legende. Das kostete sie den Job.

Über die Toten soll man bekanntlich nur Gutes sagen. Wer gegen diese Gepflogenheit verstößt, der muss vor allem in den sozialen Medien mit heftigem Gegenwind rechnen. Und nicht nur da. Eine politische Journalistin der renommierten "Washington Post" erinnerte binnen einer Stunde, nach dem der tragische Tod von US-Basketball-Legende Kobe Bryant, 41, und seiner Tochter Gianna, 13, bekannt geworden war, an eine dunkle Episode im sonst so strahlenden Leben des erfolgreichen Sport-Idols: Die Vergewaltigungsvorwürfe einer 19-jährigen Hotelangestellten im Jahr 2003 und den knapp ein Jahr später eingestellten Prozess.

"Kobe Bryants verstörender Vergewaltigungsfall: Die DNA-Beweise, die Geschichte des Anklägers und das halbe Geständnis". So lautet die Schlagzeile eines Berichtes aus dem Jahr 2016 über den Bryant-Prozess, den Felicia S. am Sonntagabend mitten hinein in das Entsetzen und die Trauer der Kobe-Fans auf ihrem Twitter-Account veröffentlichte. Zwar wurde auch dieses Posting geteilt und geliket, doch gleichzeitig brach ein wahrer Sturm der Entrüstung über die Journalistin herein - inklusive Vergewaltigungs- und Morddrohungen, wie sie selbst mitteilte.

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Kobe Bryant hält die Larry O'Brien-Meisterschaftstrophäe und den MVP-Finalpokal

Trophäenjäger

15.06.2009. Kobe Bryant hält die Larry O'Brien-Meisterschaftstrophäe und den MVP-Finalpokal. Der ehemalige Basketball-Superstar hat zahlreiche Erfolge gefeiert: Er wurde 18-facher NBA-All-Star-Spieler, gewann fünf Meisterschaften (2000, 2001, 2002, 2009, 2010), wurde MVP (Most Valuable Player) in der Saison 2008/2009, gewann Gold bei den Olympischen Spielen (2008) und einen Oscar für den Animationsfilm "Dear Basketball" (2018). Innerhalb von 20 Jahren hat er 33.643 Punkte erzielt – damit rangiert er auf Platz 4 der ewigen NBA-Bestenliste. Er wird nur von Kareem Abdul-Jabbar, Karl Malone und LeBron James übertroffen.

DPA

Todesdrohungen gegen US-Journalistin

Nur 20 Minuten später verteidigte sich Felicia S. in einem weiteren Tweet. "An die 10.000 Menschen (buchstäblich), die mir in Kommentaren und E-Mails mit Vergewaltigung und Tod gedroht haben, bitte nehmt euch einen Moment und lest die Geschichte - die vor mehr als drei Jahren geschrieben wurde, und das nicht von mir", schrieb sie. An jede öffentliche Person müsse in ihrer Gesamtheit erinnert werden, selbst an die beunruhigenden Dinge bei einer bewunderten Person. Dass sie mit ihrem Posting Wut und Drohungen geerntet habe, "spricht Bände darüber, unter welchem Druck zu schweigen Betroffene in solchen Fällen stehen."

Wenig begeistert von den Tweets ihrer Mitarbeiterin zeigte sich allerdings auch die "Washington Post". Als ein Hashtag, der die Entlassung der Journalistin forderte, in den sozialen Medien trendete, sah sich die Zeitung genötigt, ihrer Mitarbeiterin nicht weiter den Rücken zu stärken und suspendierte Felicia S. - zumindest bis auf Weiteres. "Solche Tweets zeugen von einem schlechten Urteilsvermögen und untergraben die gute Arbeit ihrer Kollegen", begründete eine leitende Redakteurin der "Post" auf Anfrage der britischen "Daily Mail" die Suspendierung.

Kobe Bryant 2003 vor der Anhörung im Gerichtsgebäude von Eagle, Colorado

Kobe Bryant am 9.10.2003 im Foyer des Gerichtsgebäudes von Eagle, Colorado. Eine Hotelangestellte hatte den damals 24-jährigen Basketballstar der Vergewaltigung bezichtigt.

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Kobe Bryant: Was geschah 2003 in Colorado?

Viele zwar empörte, aber doch sachliche Kritiker störten sich vor allem am unglücklichen Zeitpunkt des Postings. An der Geschichte an sich, dem dunklen Fleck auf Kobe Bryants strahlender Weste, ist allerdings nicht zu rütteln. Im Juli 2003 beschuldigte eine 19-jährige Hotelangestellte den damals 24-Jährigen, sie in der Nacht des 30. Juni in einem Hotel in Cordillera im US-Bundesstaat Colorado vergewaltigt zu haben. Obwohl der Sportler unter Tränen eingestand, mit seiner Anklägerin Ehebruch begangen zu haben, bestritt er doch eine Vergewaltigung und betonte, dass er "wirklich glaube, dass diese Begegnung zwischen uns einvernehmlich war", wie es in einer vor Gericht verlesenen Entschuldigung hieß. Er erkenne nun aber, "dass sie diesen Vorfall nicht so gesehen hat und auch nicht so sieht".

Der Prozess, der im Oktober 2003 mit einer vorgerichtlichen Anhörung im Justizgebäude von Eagle, Colorado, begann, wurde am 1. September 2004 eingestellt, da die Klägerin dem Gericht mitgeteilt hatte, dass sie nicht aussagen werde - dies, nachdem sie von Bryants Verteidigern und den US-Medien monatelang durch den Schmutz gezogen worden war, wie Prozessbeobachter konstatierten. Ein Zivilprozess wurde ebenfalls nicht entschieden, sondern endete in einem außergerichtlichen Vergleich. Als legendär gilt Bryants Sorry bei seiner Frau Vanessa: Er schenkte ihr als Entschuldigung einen mit einem achtkarätigen lilafarbenen Diamanten besetzen Ring im Gesamtwert von vier Millionen Dollar. Als Makel bleibt, dass die Frage, ob sich Kobe Bryant in der Nacht des 30. Juni 2003 schuldig gemacht hat oder nicht, nie abschließend beantwortet wurde.

Quellen: "Mail online", "Yahoo Sport", "Der Westen", "Daily Beast", Twitter/Felicia S.

dho

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