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Kobe Bryant: "Gänsehaut vor dem Fernseher" — ein Abschiedsbrief an das Idol einer ganzen Generation

Mit dem Tod von Kobe Bryant verliert die Welt nicht nur einen der größten Sportler aller Zeiten, sondern ein Vorbild —  vor allem für ganz junge Basketballfans. Ein persönlicher Abschiedsbrief.

Basketball-Legende Kobe Bryant

Mit gerade einmal 41 Jahren ist Basketball-Legende Kobe Bryant bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen 

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Leere, nichts als Leere. Plötzlich war sie da, in dem Moment als ich die Push-Nachricht auf meinem Handy las: "Kobe Bryant ist tot". Ich musste die Meldung fünfmal lesen. In der Hoffnung, dass sie sich als schlechter Scherz entpuppen würde. Schließlich konnte das nicht wahr sein, redete ich mir ein. KOBE TOT? NEIN, NIEMALS! Aber es war Realität: Kobe Bryant ist im Alter von 41 Jahren bei einem Helikopterabsturz gestorben. Dabei verunglückten auch seine 13-jährige Tochter Gianna und sieben weitere Menschen.

Es ist eine Tragödie, die mich so traurig macht, als sei ein Familienmitglied gestorben. Der coole Onkel, zu dem man einen besonderen Draht hatte. Das mögen Menschen nicht verstehen, die kein Basketball-Fan sind. Klar, hier in Deutschland ist der Sport für viele nur mit Dirk Nowitzki verbunden – maximal Michael Jordan. Den kennen die meisten jedoch eher durch seine Schuhe. Doch für einen Millennial wie mich ist Basketball vor allem eines: Kobe Bryant.

Er ist der Grund, warum ich diesen Sport lieben gelernt habe – und inzwischen regelmäßig um drei Uhr in der Nacht aufstehe, weil die Los Angeles Lakers, sein ehemaliges Team, ein Spiel haben. Er ist der Grund, warum ich, wenn ich eine Papierkugel in einen Mülleimer schmeiße, jedes Mal "KOBEEEE" rufe. Kurzum: Kobe Bryant ist für mich das, was Franz Beckenbauer für den deutschen Fußball ist – oder die Beatles für die Musik sind: eine Legende, mein Idol. So jemand darf doch nicht einfach mit 41 Jahren (!!!) bei einem Helikopterabsturz sterben.

Kobe und Shaq – Basketball in Perfektion

Ich war gerade einmal fünf Jahre alt. Es war das Jahr 2000. Ich hatte angefangen, mich für Fußball zu interessieren. Da sah ich plötzlich im Fernsehen diese zwei Typen in gelb-lila Trikots. Der eine war eine laufende Europalette. 2,16 Meter groß und 147 Kilogramm schwer. Der andere war athletisch, trickreich und hatte diesen unglaublichen Willen. Zusammen waren sie ein kongeniales Duo: Shaquille O'Neal und Kobe Bryant, kurz Shaq and Kobe.

Sie ließen Basketball so spielend leicht aussehen. Eine Szene steht dabei für mich exemplarisch: Es war das Spiel sieben der Playoffs gegen die Portland Trail Blazers im Jahr 2000. Es waren noch 50 Sekunden auf der Uhr. Die Lakers führten knapp. Ein Sieg, und sie wären im Finale um die Meisterschaft. Kobe Bryant hatte den Ball. Er wurde von Scottie Pippen, Michael Jordans ehemaligen Team-Kollegen, verteidigt. Er ging an ihn mit einem Crossover vorbei, warf den Spalding auf Höhe der Freiwurflinie in Richtung Korb zu Shaq. Der fing und versenkte den Ball mit einem einhändigen Dunk im Korb zur Vorentscheidung.

Noch immer löst diese Szene bei mir Gänsehaut aus. Es ist Basketball in Perfektion. Das anschließende Finale gewannen die Lakers um Kobe und Shaq in sechs Spielen gegen die Indiana Pacers. Es folgten zwei weitere Titel, 2001 und 2002, ein sogenannter Threepeat. Bryant war damals gerade einmal 23 Jahre alt. Und ich war inzwischen endgültig Basketball-Fan.

Schuld war ganz allein KOBE, der schon, seitdem er 17 Jahre alt war, in der NBA spielte, und von seinen Eltern nach dem Kobe-Steak benannt wurde. Kein Scherz, sie hatten es laut offizieller NBA-Biografie auf einer Speisekarte gesehen. Jedenfalls kam Bryant 1996 in die NBA, ohne zuvor ein College besucht zu haben. Ein ungewöhnlicher Schritt. Trotzdem sicherten sich die Lakers die Rechte an ihm.

Von da an musste er liefern. Und er lieferte: Er holte 2009 und 2010 zwei weitere Meisterschaften nach Los Angeles, wurde zweimal Olympiasieger mit den USA (2008 in Peking und 2012 in London), wurde 2008 zum MVP (Most Valuable Player) der NBA gewählt, erzielte in einem Spiel 81 Punkte – nur Wilt Chamberlain hatte mit 100 Punkten im Jahr 1962 mehr in einem Spiel gemacht. Vor vier Jahren dann, 2016, beendete Bryant seine Karriere. Natürlich lieferte er ein letztes Spiel ab, wie es sich für eine Legende gehört. Er erzielte 60 Punkte gegen die Utah Jazz.

Kobe Bryant: Legenden bleiben für immer

Aber genug von Statistiken und Erfolgen, die jeder bei Wikipedia nachlesen kann: Es sind andere Dinge, die Kobe Bryant zu einem besonderen Sportler machen. Es ist sein unbändiger Wille, sein Ehrgeiz und seine Nervenstärke. Diese Mischung sucht bis heute seinesgleichen. "Mein Gehirn kann Versagen nicht verarbeiten. Es wird Versagen nicht verarbeiten", sagte er einmal über sich selbst. "Wenn man sich selbst sagen müsse, dass man ein Versager ist – ich glaube, das ist fast schlimmer als der Tod."

Wahrscheinlich war das einer der Gründe, warum Bryant nur sich selbst vertraute. Er warf lieber selbst aus unmöglichen Situationen als jemand anderem in seinem Team den Ball zuzupassen. Sein Credo: Du kannst keinem vertrauen außer dir selbst. Von Experten und Medien wurde ihm deshalb Egoismus vorgeworfen. Doch am Ende strafte er sie mit harter Arbeit und Erfolg ab.

Das macht ihn zum Vorbild von tausenden Sportlern. Genau das wollte er immer sein: "Das Wichtigste ist, dass man versucht, andere Menschen zu inspirieren, damit sie, was immer sie auch machen, großartig sein können." Es ist ihm gelungen. Er hat Menschen weltweit inspiriert, immer alles zu geben – auch mich. Und genau aus diesem Grund wird er weiterleben. Denn, wie heißt es so schön: "Helden kommen und gehen, aber Legenden bleiben für immer."

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