NBA-Finals Duell der Giganten


Nachdem der Ex-Würzburger Dirk Nowitzki die Dallas Mavericks, ins Finale der amerikanischen Basketball-Liga NBA schoss, stehen sich ab Donnerstag zwei Underdog-Teams gegenüber. Sowohl bei Dallas als auch bei den Miami Heat dominieren zwei der Größten - im wahrsten Sinne des Wortes.
Von Helmut Werb, Los Angeles

Amerikanische Basketball-Fans brauchen weder CSI-Krimis noch verzweifelte Hausfrauen, um vorm Fernsehschirmen zu kleben. Die diesjährige NBA-Playoff-Serie ist spannend wie schon lange nicht mehr. Fünf der insgesamt vierzehn Paarungen wurden erst im siebten Spiel entschieden, davon drei der vier Viertelfinalserien, und neun Overtimes waren fürs Weiterkommen nötig. Die TV-Einschaltquoten waren entsprechend hoch, und sämtliche Spiele waren ausverkauft - von Los Angeles (die mit zwei Teams in den Playoffs vertreten waren) bis nach Detroit, deren junges, ehrgeiziges Team, die Pistons, sich ernsthafte Hoffnungen auf die Meisterschaften machte.

Spannend wie in einem Hollywood-Streifen

Ein Drehbuchautor aus Hollywood hätte sich kein besseres Script ausdenken können, denn am vergangenen Samstag kämpfte ein verbissener Deutscher aus Würzburg die favorisierten Phoenix Suns seines besten Freundes nieder und brachte die Dallas Mavericks das erste Mal in ihrer 27jährigen Vereinsgeschichte ins NBA-Finale. Auch die Miami Heat, geführt von einem Trainerveteran, der aussieht, als wäre er einer Modezeitschrift für den eleganten älteren Herren entsprungen, erreichten zum ersten Mal jene sieben Endspiele, die am Donnerstag in Texas beginnen.

Pat Riley will seinen fünften Championship-Ring (vier hat er schon mit den Los Angeles Lakers eingeheimst), und Mark Cuban, der schillernde - und lautstarke - Milliardär und Besitzer der Dallas Mavericks hat schon mal ein Video mit den nach seiner Meinung flagrantesten Fouls gegen seine Mannschaft an die Schiedsrichtervereinigung geschickt, um die These zu beweisen, dass impertinenterweise ständig gegen seine Mavs gepfiffen wurde.

Titel zum Geburtstag

Dirk Nowitzki scheint das egal zu sein. Er will sich endlich, möglichst schon zum Geburtstag am 19. Juni, den Titel holen. "Es war ziemlich hart am Anfang, als ich nach Dallas kam", sagte er in einem Fernsehinterview. "Keiner kannte uns, Dallas war Cowboy-Country [nach dem Football-Team der Dallas Cowboys]. Jetzt wollen wir den nächsten Level erreichen." "Bisher waren die Mavs eher - na sagen wir mal höflich - die Underdogs", relativierte Reggie Miller, Ex-NBA-Star und heute TV-Kommentator, Dirks Kommentar. "Aber Nowitzki hat aus ihnen einen Titelanwärter gemacht."

Seine Fans waren schon mal soweit: "Nowitzness" steht auf den neuesten T-Shirts der Mavericks Fans in Anspielung auf royalistisches Gedankengut, "Dirk Ball" nennt es zähneknirschend Alt-Star Charles Barkley - zugegebenerweise ein Phoenix-Fan - in der Sprecherkabine des amerikanischen Fernsehsenders, und in der American Airlines Arena in Dallas ertönen "MVP"-Sprechchöre (most valuable player), wenn der deutsche Superstar am Ball ist. Verlierer Steve Nash, Nowitzki-Freund und zum zweiten Mal zum MVP gewählt, gibt neidlos zu: "Er ist im Augenblick der Superstar der Liga".

Treffen der zwei Riesen

Dirk Nowitzki spielt tatsächlich in einer anderen Liga. Das fünfte Spiel gegen die schnellen und gefährlichen Phoenix Suns gewann er praktisch im Alleingang und stellte mit unglaublichen 50 Punkten einen persönlichen Playoff-Rekord auf. Im sechsten Spiel in Phoenix sah es zwar am Anfang danach aus, als wenn sich der 2 Meter 14 große Teutone eine zweite Auszeit nehmen würde (nach seiner ersten im verlorenen Spiel Vier gegen die Suns). Aber in der zweiten Hälfte entschied sich "The Dirkster", dass er eine wohlverdiente Pause einem Spiel Sieben wohl vorziehen würde, scorte 16 Punkte und spielte die Suns kurzerhand an die Wand.

In der Endspiel-Serie gegen die Miami Heat trifft Forward Nowitkzi nun auf Center Shaquille O'Neal, mit 2 Meter 17 und gewaltigen 145 Kilo auch kein Kleiner, und das Duell der Giganten wird entscheiden, wer NBA's-"BlingRing" über die geplagten Finger streifen wird. Die Chancen für Nowitzkis Mavericks stehen gut - in der regulären Saison besiegten sie Miami ziemlich deutlich mit jeweils 13 und 36 Punkten. "Das war damals", beruhigte Nowitzki die begeisterten Gemüter der Mavs-Fans. "Die Playoffs sind eine andere Nummer." Big Man Shaq lächelte gelassen. "Lass sie kommen! I'm bigger!"


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