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NFL: NFL-Kolumne - Drei Spieler, die woanders ihr Glück suchen mussten

Seit 1998 spielt Peyton Manning bei den Indianapolis Colts, elfmal hat er sie dabei in die Playoffs geführt, einmal gab es den Super Bowl zu feiern. Und doch droht nach einer Verletzung die Trennung. Manning ist nicht der erste Spieler, dem nach langjährigem Dienst und Erfolgen die Tür gewiesen wird.

Nichts wirklich Neues an der Peyton-Manning-Front! Und schon macht sich in mir Panik breit. Ist das angedachte Thema für die nächsten Wochen auf Eis? Muss ich mir neue Beschäftigungen suchen? Oder ausschließlich über neue Koordinatoren oder ein mögliches neues Stadion in Minnesota berichten?

Okay, also: Hue Jackson, Ex-Coach der Oakland Raiders, geht als Assistent zu den Cincinnati Bengals. Und die Minnesota Vikings haben sich mit der Stadt Minneapolis auf eine Kostenaufteilung für ein neu zu bauendes Stadion geneinigt. Damit dürfte die Kolumne doch erledigt sein. Zu kurz? Bei allem Respekt für Minneapolis, ich denke nicht, dass man über ein Stadion dort ähnlich viel schreiben kann, wie über eine mögliche Arena in Los Angeles.

Doch die Situation um Peyton Manning hat doch noch einiges an Potenzial – auch wenn sich beide Seiten derzeit umkreisen wie defensive Boxer. Man redet schließlich über Vieles, wie Colts-Besitzer Jim Irsay in der letzten Woche espn.com erzählte. Und nicht nur über Football, im Gegenteil. Aber warum nicht über Football, Mister Irsay? Vielleicht doch, weil es eine vierte Operation an Mannings Nacken gegeben hat, wie unter anderem Sports Illustrated berichtete?

Abgeschoben, Karriere aufgehoben?

Mit welcher Wahrscheinlichkeit Manning also auf dem Abstellgleis landet, weiß wohl derzeit nur Irsay - wenn überhaupt. Eigentlich denke ich schon, dass der Teambesitzer genau weiß, wohin die Reise geht. Sonst weiß Las Vegas zumindest auch eine Wahrscheinlichkeit, in der letzten Woche gab das Spielerparadies diese für den Fall des Verbleibs bei 20 Prozent an. 

Ich halte das für fast schon zu viel. Wie auch immer, sollten Manning und die Colts getrennte Wege gehen, wäre dies nicht unbedingt das Ende für die Karriere des Quarterbacks, wie einige Beispiele der Vergangenheit zeigen. Joe Montana, Marcus Allen und Brett Favre hatten mindestens zehn erfolgreiche Jahre bei ihren alten Teams hinter sich, als diese ihnen aus dem einen oder anderen Grund die Papiere in die Hand gaben. 

Joe Montana - Gnadenbrot in Kansas City

Spielmacher-Legende Joe Montana passierte dies bei den San Francisco 49ers - nach 14 Jahren und vier Super Bowl-Titeln. Er hatte 1991 gar nicht und 1992 nur ein Spiel absolvieren können, nachdem er sich eine Ellbogenverletzung zugezogen hatte. In den anderen Partien hatten die 49ers in Steve Young  seinen legitimen Nachfolger gefunden. Montanas Vertrag wurde nicht verlängert und so nahmen sich die Kansas City Chiefs seiner an.

Marcus Allen - Eintrag in Al Davis Klassenbuch

Montana war nicht der einzige prominente Neuzugang 1993. Die Chiefs hatten sich einen zweiten Abgeschobenen geholt: Marcus Allen, Running Back der Los Angeles Raiders, dem Divisionsrivalen der Chiefs. Allen hatte sich Jahre zuvor mit Raiders-Besitzer Al Davis angelegt, weil er nach Davis Meinung zu viel für einen neuen Vertrag gefordert hatte.

Allen konnte sich dies spielend leisten, war er doch einer der besten Running Backs seiner Zeit, der die Raiders 1983 fast alleine zum Super Bowl-Gewinn geführt hatte. Doch in Davis Augen war die Forderung nach mehr Geld ein persönlicher Affront - Allen wurde nach einer Verletzung zunächst zum Ersatz degradiert, am Ende rutschte er in der Kaderliste auf den Rang des vierten Running Back ab.

Noch lange kein altes Eisen

Wie eine Erleichterung dürfte Allen die Einführung der Free Agency und damit der endlich mögliche Abgang von den Raiders und das Engagement bei den Chiefs - gemeinsam mit Montana - gewesen sein. Zumal er bei den Chiefs den Raiders zweimal im Jahr begegnete. Und das mitunter erfolgreich. In der ersten Saison mit dem Montana/Allen-Tandem stieß Kansas City bis ins AFC-Championship Game vor. Im zweiten Jahr buchte man zumindest das Playoff-Ticket. 

Gerade Montana sorgte für denkwürdige Spiele, so unter anderem in einem legendären Duell mit den Denver Broncos und deren Quarterback John Elway. Die beiden Comeback-Könige schenkten sich in der Partie am 17. Oktober 1994 nichts. Das Spiel stand nach dem ersten Viertel 7:7, zur Halbzeit 14:14 und zu Beginn des letzten Viertels 21:21. 1:29 Minuten vor dem Ende schien Elway die Oberhand zu behalten, hatte er doch sein Team zum Touchdown über das Feld geführt. Doch die knappen anderthalb Minuten reichten Montana, der schließlich mit einem Touchdown-Wurf für den 31:28-Sieg und den ersten Erfolg seines Coaches Marty Schottenheimer in Denver sorgte.

Auch Allen durfte bis zu seinem Karrierende 1997 noch einige Höhepunkte mit den Chiefs feiern - erfolgreicher als mit Montana, der nach zwei Jahren bei den Chiefs endgültig aufhörte, lief es nach 1994 jedoch nicht mehr. Am Ende hatte Allen eine Karriere hingelegt, die ihm den Einzug in die Hall of Fame bescherte. Auf der Raiders-Ersatzbank wäre ihm dies sicher nicht gelungen. Und trotzdem hatte Allen die Größe, sich bei seinem Eintritt in die Ruhmeshalle auch bei Al Davis zu bedanken. Ein Wort wechselten die beiden jedoch nie wieder miteinander.

Brett Favre - der ewige Rückkehrer

Die Geschichten um Brett Favre dürften vielen Fans noch in guter Erinnerung sein. Rücktritte von Rücktritten prägten seine letzten Jahre in der NFL und kratzten am Denkmal eines der besten Quarterbacks der Liga. So auch im letzten Jahr bei den Green Bay Packers, die er zu einem Super Bowl-Sieg und in ein weiteres Endspiel geführt hatte.

Nach 15 Jahren in Diensten der Packers verkündete Favre seinen Rücktritt, auch mit der Begründung, das nur ein weiterer Champions-Ring sein Bleiben in Green Bay rechtfertigen würde. Später erklärte er jedoch gegenüber dem TV Sender Fox, die Packers hätten ihn zu seinem "verfrühtem" Rücktritt gezwungen. Also, so erklärte er im Sommer 2008, wolle er wieder Football spielen. Bei den Packers, die mit Aaron Rodgers drei Jahre zuvor den Nachfolger Favres gedraftet hatten, sollte sich diese Chance nicht mehr bieten.

Am Ende doch noch Vikings

Der Geschichte nach einigten sich die Packers und Favre auf eine Trennung und dieser wechselte dank eines Trades zu den New York Jets, nachdem zuvor Divisionsrivale Minnesota Vikings der unerlaubten Verhandlungen mit Favre beschuldigt wurde. In New York spielte Favre zu Beginn der Saison beeindruckend, am Ende brachen er und das Team jedoch ein, so dass er das Jahr mit zwar 22 Touchdowns aber auch 22 Interceptions und einem Riss im rechten Bizeps beendete. 

Nachdem er erneut seinen Rücktritt erklärt hatte, trennten sich die Jets von ihm, was ihm später eine freie Teamauswahl ermöglichte. Denn wieder einmal wollte er sich einfach nicht auf sein Altenteil zurückziehen und landete schließlich doch noch bei den Vikings. Die führte er 2009 mit einer der besten Leistungen seiner langen Karriere bis ins Championship Game der NFC, wo die Vikings gegen die späteren Super Bowl Sieger New Orleans Saints verloren. Favre feierte Playoff-Rekorde und setzte sich in einigen Kategorien sogar vor Montana. 

Doch wieder verpasste er danach den Zeitpunkt des richtigen Abschieds, kehrte 2010 erneut zu den Vikings zurück und musste mit angeschlagener Schulter sogar das Ende seiner Serie von 297 absolvierten Spielen in Folge mitansehen. Im Januar 2011 hängte er die Footballschuhe endgültig an den Nagel.

Und die Moral von der Geschicht?

Wie bereits Brett Favre 2008 erkannte, nur noch ein Final-Erfolg rechtfertigt in den meisten Fällen den Kampf mit den Schmerzen. Aber vielleicht bringen einem ehrgeizigem Sportler, wie es die drei oben genannten Herren waren und Manning sicher ist, aber auch kleinere Dinge eine Genugtuung. So wie sich Montana über jenes Spiel in Denver gefreut haben dürfte. Oder Allen bei jedem Sieg gegen die Raiders. Oder Favre in der Saison 2010. Gebannt gucken wir also weiterhin den Ereignissen in Indianapolis zu. Was macht Peyton Manning? Fortsetzung folgt...

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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