VG-Wort Pixel

"stern TV"-Diskussion Die wirren Thesen von Dragoslav Stepanovic zum Fall Djokovic

Hält zu seinem serbischen Landsmann: der ehemalige Bundesligacoach Dragoslav Stepanovic
Hält zu seinem serbischen Landsmann: der ehemalige Bundesligacoach Dragoslav Stepanovic
© RTL / stern
Die ganze Welt ist gegen Novak Djokovic. Die ganze Welt? Nein, da gibt es ja noch den ehemaligen Fußballtrainer Dragoslav Stepanovic. In der Diskussion bei sternTV schwang sich Djokovics serbischer Landsmann zu einer wilden Verteidigungsrede der Nummer eins der Tenniswelt auf. Verschwörungstheorien inklusive.

Zu seiner aktiven Zeit als Fußballtrainer galt Dragoslav Stepanovic bei den Fans lange Zeit als Kult. Leutselig, nahbar, immer einen Spruch auf den Lippen. Unvergessen sein Slogan "Lebbe geht weida", als sein Klub Eintracht Frankfurt in der Saison 1991/92 in einem dramatischen Finale die Meisterschaft verpasst hatte. Und auf die Frage, wie sein neuer Vertrag aussehe, antwortete er einmal verschmitzt: "Ich glaube, er ist Din A 4."

Zuletzt war es ruhig geworden um den Kult-Coach, Wikipedia weist als letzte Trainerstationen die Vereine von Novi Sad und Nis in seiner serbischen Heimat aus. Doch am Sonntagabend tauchte "Stepi", wie er zumeist kumpelig genannt wurde, plötzlich wieder auf – zugeschaltet in einer sternTV-Diskussionsrunde, die sich mit dem Fall Novak Djokovic befasste. Und machte dort seinem Ruf, immer für einen lockeren Spruch gut zu sein, alle Ehre.

Stepis wilde Verschwörungstheorien zum Fall Djokovic

Allerdings warf Stepanovic dabei nicht nur mit harmlosen Bonmots um sich, sondern stellte fragwürdige Behauptungen über die Hintergründe von Djokovics Ausweisung auf. "Zu 100 Prozent ist Djokovic das Opfer politischer Machenschaften", sagt Stepanovic auf die entsprechende Frage von Moderator Nikolaus Blome. "Wenn es eine Ausnahmegenehmigung gibt, und er bringt alle Dokumente, dann muss er rein dürfen." Erst mal in Fahrt gekommen verstieg sich Stepanovic dann zu einer wilden These: "Er hat neun Mal die Australian Open gewonnen. Wenn er sie zum zehnten Mal gewinnt, dann müssten sie eine Büste vor das Stadion stellen und die Arena auf seinen Namen umbenennen. Das kostet ein paar Euro und ist nicht so nett für die Menschen, die in Australien leben."

Die Studio-Runde war sichtlich irritiert von Stepanovics wirren Einwänden, die zudem mitunter auch nur schwer zu verstehen waren. So behauptete er unter anderem, dass es fünf weitere Spieler gebe, die mit einer Ausnahmegenehmigung, ausgestellt von Turnierdirektor Craig Tiley, beim ersten Grand-Slam-Turnier der Saison an den Start gehen dürften. Außerdem habe Djokovic einen Diplomatenpass, mit dem er jederzeit überall hin reisen dürfe. "Er kann rein und raus, wann immer er will", so Stepanovic. "Er hat ihn nur nicht vorgezeigt, weil er so fair war."

Und dann war da noch die Sache mit Tennis Bad-Guy Nick Kyrgios, der offenbar eine Intimfeindschaft zu Djokovic unterhält und dem Stepanovic auf irgendeine Art und Weise eine Mitschuld an der Ausweisung unterstellte. Allerdings war der Gedankengang inhaltlich und sprachlich nun wirklich kaum mehr verständlich. Es ging um ein T-Shirt mit der Aufschrift "Djokovic go home", irgendwelche Djokovic-Masken, die jemand tragen wollte. Doch was Stepanovic letztlich damit ausdrücken wollte, blieb ein Rätsel.

Unverständnis bei Mit-Diskutanten

Bei seinen Mit-Diskutanten erntete Stepanovic lediglich Unverständnis. "Let's Dance"-Juror Joachim Llambi wies darauf hin, dass die Menschen in Australien rund 200 Tage im Corona-Lockdown hätten verbringen müssen. "Ich verstehe nicht, wie sich Menschen wie Djokovic über das Gesetz stellen wollen. Ich finde das respektlos allen Australiern gegenüber." Schauspielerin Elena Uhlig: "Eine solche Extrawurst ist unmöglich." Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel sieht immerhin in der Affäre ein "Versagen von ganz vielen". Auch der australischen Regierung, die, so Llambi, "ein ganz schlechtes Bild" abgegeben habe.

"Er ist ein Arschloch": Moderatoren beleidigen Djokovic in geleaktem Video

Das findet natürlich auch Stepanovic. "Die haben ganz viele Behauptungen aufgestellt, die nicht stimmen". Etwa, dass in Serbien nur 50 Prozent der Menschen geimpft seien. Dabei seien es 62 Prozent. Und überhaupt: Die Regierung sei undankbar. "Der Novak Djokovic hat überall geholfen. Hat der australischen Regierung Geld gegeben, als Feuer war."

Am Ende blieb "Stepi" nur das resignierende Fazit: "Sie reden an der Sache vorbei." Das mag wohl sein – galt aber in aller erste Linie für ihn selbst.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker