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Nach Boston-Verzicht: Hamburgs Hoffnung und die Angst vor L.A.

Mit Boston ist der Favorit aus dem Rennen um Olympia 2024 ausgestiegen. Hamburg glaubt nun, dass die eigenen Chancen auf Ausrichtung der Spiele gestiegen sind. Doch im IOC wird laut nach einem US-Ersatzkandidaten gerufen.

Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz vor einer Visualisierung des Olympiaparks in Hamburg

Die Zuversicht steigt - zurecht? Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz vor einer Visualisierung des Olympiaparks

Christoph Holstein ist sich sicher. Seit Montagabend sind Olympische Spiele in Hamburg wahrscheinlicher geworden. "Mit dem Rückzug Bostons ist wohl der härteste Konkurrent aus dem Rennen", sagte Holstein am Dienstag. Das Konzept der US-Ostküsten-Metropole habe neben den Hamburger Plänen am besten zu den Vorgaben des Internationalen Olympischen Komitees gepasst, so der Politiker.

Bostons Bürgermeister Marty Walsh hatte sich geweigert, für die geplante Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2024 Steuergelder aufzuwenden. Diese müsse komplett privat finanziert werden. Ein heikles Thema auch in der Hansestadt. Laut Holstein werde man an der Elbe mit öffentlichen Geldern nur das bezahlen, "was wir ohnehin machen wollen, aber ohne Olympia sicherlich später". Dazu zähle der Bau von Wohnungen, der Ausbau des Nahverkehrs und die Sanierung der Sportstätten. "Und wir würden bei einem Teil der Investitionen erhebliche Hilfen bekommen", so Holstein. Die Geldfrage dürfte auch in Hamburg entscheidend sein. Am 29. November stimmen die Bürger der Hansestadt über die Bewerbung ab.

"Jetzt alle Kräfte bündeln"

Geradezu beschwörend wirkt angesicht dessen die Stellungnahme von Sportbundchef Alfons Hörmann zum Bostoner Verzicht. Man tue gut daran, sich "voll auf die eigene Bewerbung zu konzentrieren und weiter an unserem Konzept zu arbeiten, dass aus Betroffenen aktiv Beteiligte macht". Es zeige sich, "wie wichtig es ist, die Kräfte in der Ausrichterstadt und im ganzen Land zu bündeln", so der DOSB-Funktionär weiter.

Dass Hamburgs Chancen aber tatsächlich gestiegen sind, ist angeischts der Reaktionen aus dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) allerdings durchaus fraglich. Die Nachricht aus den USA sorgte dort nämlich nicht für Begeisterung. "Es ist immer beschämend, wenn ein Nationales Olympisches Komitee eine Stadt auswählt und dann unfähig oder nicht in der Lage ist, die nächste Stufe des Wettbewerbs zu erreichen", schimpfte IOC-Vizepräsident Sir Craig Reedie am Dienstag in der malaysischen Hauptstadt nach der Absage.

Bach hofft auf "starke US-Bewerbung"

IOC-Präsident Thomas Bach reagierte auf Bostons Ausstieg dagegen moderat. "Für das IOC war es nur eine amerikanische Bewerbung vom Nationalen Olympischen Komitee (USOC)", sagte er und hofft, dass die USA Ersatz finden. "Wir sind zuversichtlich, dass das USOC die am meisten geeignete Stadt für eine starke US-Bewerbung auswählt." Die ist also offensichtlich durchaus weiter dringend erwünscht.

Visualisierung eines Olympiastadions in Boston

Daraus wird nun nichts: Visualisierung des Olympiageländes mit dem Olympiastadion mitten in Boston

Bis zum offiziellen Meldeschluss am 15. September hat das USOC nun Zeit, eine Alternative zu finden. Erste Wahl für die zweite Wahl ist Los Angeles, Schauplatz der Sommerspiele 1932 und 1984. Boston hatte L.A., San Francisco und Washington bei der USOC-Wahl ausgestochen.

Los Angeles? Warum nicht?!

"Es ist nicht nur schlecht für die USA, sondern schlecht für alle", bedauerte IOC-Mitglied Juan Antonio Samaranch Jr. den Rückzug Bostons ausdrücklich. Es sei eine außergewöhnliche Stadt, sehr attraktiv für Olympische Spiele, eine Sportstadt. "Ich denke nicht, dass sie es nötig hat, das Gesicht zu wahren."

IOC-Exekutivmitglied Sergej Bubka hätte nun nichts gegen L.A. "Los Angeles hat eine große Geschichte und viel Erfahrung", meinte der frühere Stabhochspringer. "Warum nicht?"

2017 spricht von Boston keiner mehr

So haben sich mit dem Fehlgriff des USOC, das bis Ende August einen neuen Bewerber finden will, die Chancen Hamburgs bestenfalls im Moment erhöht; mehr aber auch nicht. Sollte Los Angeles für Boston einspringen, wäre die kalifornische Metropole ein starker Ersatzkandidat, denn bis zur IOC-Wahl 2017 in Lima ist es noch lange hin und die Panne dann wohl Geschichte. Außerdem wollen auch noch Rom, Paris, Budapest und möglicherweise auch Toronto - allesamt attraktive Bewerber - um die Spiele 2024 buhlen. Ganz zu schweigen davon, dass ein Ja der Hamburger zu Olympia beim Referendum derzeit keineswegs sicher ist.

dho/DPA

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