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Schwimm-WM: Langstreckler auf Topniveau

Während bei den deutsche Schwimm-Sprintern Unruhe im Team herrscht, schwammen sich die Langstreckler Thomas Lurz und Britta Kamrau aufs Podest. Die Titelverteidigerin aus Rostock hofft nun auf den ganz großen Erfolg.

Deutschlands Langstreckenschwimmer sind bei den Weltmeisterschaften in Montréal wieder eine Medaillen-Bank: Thomas Lurz ließ seinem Weltmeistertitel über fünf Kilometer Silber über die doppelte Distanz folgen, Britta Kamrau stimmte sich mit Bronze über zehn Kilometer auf die erfolgreiche Titelverteidigung zum WM-Abschluss über 25 Kilometer ein.

"Ich bin 99,9 Prozent glücklich", sagte der 25 Jahre alte Würzburger Lurz, "ich hätte natürlich gern gewonnen." Die Rostockerin Britta Kamrau stieg trotz verlorenen Titels lächelnd aus dem Wasser: "Das macht Mut. Ich bin kaputt, aber glücklich, dass ich eine Medaille habe." Dass sie die WM-Krone an die Niederländerin Edith van Dijk abgeben musste, konnte sie verkraften: "Man kann nicht immer gewinnen."

Keine Zeit für Frust

Die Beckenschwimmer wollen nach dem Frust im Trainingslager von Ottawa und der vorzeitigen Anreise nach Montréal ab Sonntag nur noch angreifen. "Es war schon richtig, dass Kritik angebracht wurde. Jetzt ist Schluss damit, es geht nach vorn", sagte Aktivensprecherin Anne Poleska. "Fantastisch" nannte sie die Bedingungen nach dem ersten Training im WM-Becken. Im Wasserspringen schieden die Berlinerinnen Anna Kieß und Nora Subschinski vom Turm schon im Vorkampf aus.

Mit Ärger und Konsequenzen muss wohl der Chemnitzer Stev Theloke rechnen, der in einem Interview der "Sport Bild" harte Kritik an Cheftrainer Ralf Beckmann übte. Dessen Gerede sei "Schall und Rauch", das Vertrauen zu Beckmann "etwas angekratzt". DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff: "Das Mindeste wird ein sehr ernsthaftes Gespräch sein." Im schlimmsten Fall droht die vorzeitige Heimreise.

Lurz bislang erfolgreichster Deutsch

Um 7,1 Sekunden musste sich Titelverteidiger Lurz am Ende dem in 1:46:38,1 Stunden siegreichen Amerikaner Chip Peterson geschlagen geben. "Es war ein sehr hartes Rennen", stellte Lurz im Ziel fest, "auf der letzten Runde habe ich einen taktischen Fehler gemacht." Eine Unaufmerksamkeit, die ihm vielleicht den Sieg gekostet hat. Er stellte aber auch fest: "Der Amerikaner ist acht Jahre jünger, der hat mehr Reserven." Lurz durfte sich trotzdem feiern lassen. Kaum wieder an Land, schenkte ihm Britta Kamrau eine herzliche Umarmung. "Erster und zweiter Platz, das ist schon vom Feinsten", lobte DSV- Langstreckenmanager Christian Bartsch, "davor ziehe ich den Hut."

Britta Kamrau, Doppelweltmeisterin 2004 in Dubai und in Montréal zum Auftrakt Sechste über fünf Kilometer, kämpfte verbissen um ihre WM- Krone über zehn Kilometer. 1500 Meter vor dem Ziel zog sie wie geplant "volle Kanne" an. Bis 400 Meter vor dem Anschlag hielt sie die Spitze, dann musste sie Edith van Dijk und die Italienerin Federica Vitale vorbei lassen. 3,5 Sekunden fehlten am Ende auf die Siegerin, die nach 1:56:00,5 Stunden anschlug. "Ich dachte, jetzt geht gar nichts mehr", meinte Britta Kamrau, "aber dann habe ich mir gesagt: Du gehst hier nicht ohne Medaille raus. Da habe ich noch einmal alles gegeben. Ich habe auf jeden Fall Bronze gewonnen und nicht den Titel verloren." Über 25 Kilometer will sie am Freitag wieder attackieren: "Ich würde schon gern noch Gold mit nach Hause nehmen."

Richard Janssen und Dietmar Fuchs/DPA / DPA

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