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Schwimm-WM: Rupprath räumt ab

Er hat sich einen Traum erfüllt: auf der Kurzbahn wollte Thomas Rupprath alles gewinnen, was es zu gewinnen gibt. Mit einer kompletten Medaillensammlung kehrt er jetzt aus Indianapolis zurück.

Thomas Rupprath hat auf die nacholympische Abmahnung des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) mit sportlichen Glanztaten geantwortet. Der Rekord- und Titeljäger aus Hannover kehrt von den Kurzbahn-Weltmeisterschaften in Indianapolis mit einer kompletten Medaillensammlung zurück. Bronze über 100 m Rücken und Gold über 50 m Rücken ließ der 27-Jährige zum Abschluss am Montagabend Silber über 100 m Lagen folgen. "Leider hat es nicht für das zweite Gold gereicht. Aber ich bin mit meinem Gesamtabschneiden sehr zufrieden", sagte Deutschlands einziger Weltklasseschwimmer die für ihn so erfolgreiche Olympia-Revanche.

Ein strahlender Sieger

Rupprath strahlte, obwohl er beim Finale vor 7422 Zuschauern im 25-m-Becken des Conseco Fieldhouse nach einem schwachen Start ("Da habe ich zwei Zehntel verloren") erst nach 53,35 Sekunden anschlug und fast noch seinen Weltrekord einbüßte. Der Slowene Peter Mankoc verteidigte seinen Titel von Moskau 2002 mit Erfolg und verpasste Ruppraths Weltbestmarke in 52,66 nur um 8/100 Sekunden. "Ich wollte zu viel und war sehr motiviert. Aber Vizeweltmeister ist doch auch nicht schlecht", sagte Rupprath. Sein Traum war es, auf der Kurzbahn alles zu gewinnen, was es zu gewinnen gibt: "Deutscher Meister, Europameister, Weltmeister, Weltcup-Gesamtsieger - und hier habe ich einen meiner Träume erfüllt."

Rupprath wollte nichts von einer Olympia-Revanche wissen ("Das hier war Kurzbahn"), doch für zwei andere Deutsche war Indianapolis eine Genugtuung. Die Heidelbergerin Simone Weiler und Mark Warnecke vom SV Cannstatt, beide an der Athen-Qualifikation gescheitert, nutzten ihre DSV-"Wild-Cards" zu viel versprechenden Leistungen. Der 34 Jahre alte frühere Weltmeister Warnecke verpasste Bronze über 50 m Brust als Fünfter in 27,40 nur um 12/100 Sekunden, und auch Simone Weiler schwamm auf Rang 5 (2:25,48 Minuten) über 200 m Brust.

Es geht auch ohne Phelps

Die Amerikaner demonstrierten auch ohne den nach Auftakt-Gold (200 m Freistil) verletzt ausgeschiedenen Superstar Michael Phelps ihre Vormachtstellung. Sie gewannen 21 der 40 Wettbewerbe und schwammen drei von insgesamt vier Weltrekorden. Doppel-Olympiasieger Aaron Peirsol verbesserte am letzten Tag beim Sieg über 200 m Rücken seine im März aufgestellte Bestmarke um 12/100 Sekunden auf 1:50,52 Minuten. Er gehörte auch zur 4 x 100 m Lagenstaffel, die sich in Weltrekordzeit von 3:25,09 Minuten (bisher USA - 3:25,38) das letzte Gold der Titelkämpfe sicherte.

Bei den Damen schwamm die überragende Australierin Brooke Hanson in 2:21,68 Minuten über 200 m Brust zum sechsten Gold und war damit erfolgreichste Athletin. Der Liebling der Fans aber war Jenny Thompson. Die 31-jährige Amerikanerin holte im letzten Wettkampf ihrer Karriere über 100 m Schmetterling in 58,13 Sekunden hinter Martina Moravcova (Slowakei/57,38) und Rachel Komisarz (USA/57,85) noch einmal Bronze.

Ehrung für "Jenny Darling"

Für Thompson, die achtfache Olympiasiegerin und angehende Ärztin aus New York, war es die 17. Medaille (9 Gold/6 Silber/2 Bronze) bei einer Kurzbahn-WM. "Die Rennen werde ich am meisten vermissen", sagte die erfolgreichste Olympionikin der USA. Der Weltverband FINA würdigte Thompson, die ihre internationale Karriere 1987 in Indianapolis begann, mit einem speziellen Geschenk: Mit Tränen in den Augen nahm "Jenny Darling" einen Mediziner-Mantel mit dem Aufdruck "Dr. Thompson" entgegen. "Das ist großartig. Es bedeutet mir unglaublich viel, dass man mich und meine Karriere auf diese Art ehrt", sagte die Olympiasiegerin.

Dietmar Fuchs/DPA / DPA

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