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Tennis: Power Ranking - Die zehn besten Spielerinnen der Welt

An der Spitze des Damen-Tennis folgt auf große Siege fast unweigerlich ein Absturz. Ereilt auch Maria Sharapova dieses Schicksal? Im Power Ranking kümmern wir uns auch um die meckernde Caroline Wozniacki, die beeindruckende Form von Angelique Kerber und ein episches Erstrundenmatch bei den French Open.

Im Herren-Tennis verpasste Novak Djokovic in Paris die große Chance, seinen vierten Grand Slam-Titel in Folge zu gewinnen. Rafael Nadal verhinderte die historische Gelegenheit mit seinem siebten Triumph bei den French Open, Djokovic, Nadal und Roger Federer sind die Seriensieger im Herren-Zirkus. Seit 2006 gab es mit Juan Martin del Potro nur einen anderen Major-Sieger.

Bei den Damen ist die Sache nicht ganz so einfach, hier gewannen seit 2006 zwölf verschiedene Spielerinnen. Ein Indiz für Spannung und Ausgeglichenheit, sagen die einen, andere bemängeln die fehlende Konstanz bei Williams, Azarenka, Sharapova, Kvitova und Co. Auch unser Power Ranking ist durchsetzt von gefallenen oder gestürzten Stars.

Kurz noch ein Satz zum Reglement: Wie gehabt zählen die WTA-Punkte des letzten Turniers zu 100 Prozent, die vorherigen Ergebnisse werden zu 80 bzw. 60 Prozent bewertet. Und hier kommt die Top Ten des Monats Juni:

10. (neu) Kaia Kanepi (EST, 27 Jahre, Weltrangliste: 16) / Gewertete Turniere: French Open (Viertelfinale/500 WTA-Punkte), Brüssel (Halbfinale/200), Madrid (1. Runde/5) / Power Ranking-Punkte: 664

Kaia Kanepi ist noch gerade ins Ranking gerutscht, weil sie überraschend ins Viertelfinale der French Open einziehen konnte. Es wird aber eine kurze Stippvisite bleiben, denn in Wimbledon ist Kanepi nicht am Start, wegen einer Fußverletzung sagte die Estin ab. In Paris stand Kanepi einmal unfreiwillig im Mittelpunkt. Die immer weiter abstürzende ehemalige Weltranglistenerste Caroline Wozniacki schied in der dritten Runde gegen Kanepi auch aus, weil sie beim Stand von 6:1 und 1:1 bei einem Breakball gegen sich eine lange Diskussion mit dem Schiedsrichter führte ("Bist Du überhaupt zur Schule gegangen?"), anschließend den Faden verlor und Kanepi so noch gewinnen konnte.

9. (neu) Dominika Cibulkova (SVK, 23 Jahre, Weltrangliste: 13) / Gewertete Turniere: French Open (Viertelfinale/500), Brüssel (Viertelfinale/120), Rom (Viertelfinale/225) / Power Ranking-Punkte: 731

Die talentierte Slowakin spielt bisher ihr bestes Jahr der Karriere. Eigentlich warten die Experten seit Jahren auf den endgültigen Durchbruch von Dominika Cibulkova, aber bisher fehlte ihr gegen Top-Ten-Spielerinnen stets das nötige Durchsetzungsvermögen. Doch bei den French Open gewann Cibulkova gegen Victoria Azarenka, das könnte der Schlüssel zu weiteren Erfolgen sein. Immerhin wissen wir nun auch, auf welchen Typ Mann Cibulkova steht. "Ich bin kein Fußball-Fan, aber als ich einmal Lionel Messi in Barcelona treffen durfte, war ich so nervös, dass ich nur mehr stottern konnte", erzählte Cibulkova laut tennisnet.com am Rande der French Open.

8. (4.) Victoria Azarenka (BLR, 22 Jahre, Weltrangliste: 2) / Gewertete Turniere: French Open (Achtelfinale/280), Rom (Viertelfinale/125), Madrid (Finale/700) / Power Ranking-Punkte: 800

Schon nach den Australian Open, als Victoria Azarenka erstmals einen Grand Slam-Titel gewinnen konnte, prophezeiten wir der Weißrussin ein schwieriges Jahr, in dem sie nicht selbstverständlich die Szene dominieren wird. Das haben die letzten Wochen gezeigt, Azarenka wirkte oftmals schon in den ersten Runden unkonzentriert, auf Sand fühlt sie sich merklich unwohler. Der letzte Turniersieg gelang Azarenka im März in Indian Wells auf Hartplatz. Ihren Humor hat Azarenka auf jeden Fall noch nicht verloren: Auf die Frage, wie sie sich von der Pleite gegen Cibulkova erholen werde, antwortete sie sarkastisch: "Ich werde mich umbringen."

7. (5.) Angelique Kerber (GER, 24 Jahre, Weltrangliste: 8) / Gewertete Turniere: French Open (Viertelfinale/500), Rom (Halbfinale/395), Madrid (Achtelfinale/140) / Power Ranking-Punkte: 900

Der Aufstieg von Angelique Kerber will kein Ende nehmen, auch wenn sie im Vergleich zum Vormonat im Power Ranking um zwei Plätze gefallen ist. In der Weltrangliste kletterte Kerber dagegen, mittlerweile steht sie schon auf dem achten Rang. Auch in der Öffentlichkeit wird Kerber mittlerweile als deutsche Nummer eins wahrgenommen, einer Umfrage des Sportinformationsdienstes zufolge, glauben 35 Prozent der deutschen Sportfans, dass Kerber im nächsten Jahr sogar in den Top Fünf stehen wird.

6. (1.) Serena Williams (USA, 30 Jahre, Weltrangliste: 6) / Gewertete Turniere: French Open (1. Runde/5), Rom (Halbfinale/395), Madrid (Sieg/1000) / Power Ranking-Punkte: 921

Das Spiel der French Open fand kurioserweise bereits in der ersten Runde statt – zum Leidwesen der Topfavoritin Serena Williams. Die ehemalige Nummer eins hatte in Charleston, Madrid und Rom so starkes Tennis gezeigt, dass der Titel in Paris eigentlich nur über Williams vergeben werden konnte. Doch dann kam mit Virginie Razzano eine französische Nationalheldin auf den Court Philippe Chatrier, die im Jahr zuvor ihren Verlobten wegen eines Gehirntumors verloren hatte und damals nur bei den French Open angetreten war, um ihrem Verlobten diesen Wunsch zu erfüllen.

Ein Jahr später führte Williams bereits mit 6:4 und 5:1 im Tiebreak des zweiten Satzes, verlor aber noch gegen die von Krämpfen geschüttelte und vor Schmerzen stöhnende Razzano. Zum ersten Mal in ihrer Karriere schied Williams damit in der ersten Runde eines Grand Slam-Turniers aus. "Dafür gibt es keine Entschuldigung", sagte Williams nach dem Spiel, um dann aber auch Anerkennung für ihre Gegnerin zu zeigen: "Es kommt immer darauf an, wie man mit seinem Schicksal umgeht. Und Virginie tut das offensichtlich ziemlich gut." In Wimbledon gehört Williams trotzdem wieder zum Favoritenkreis.

5. (3.) Na Li (CHN, 27 Jahre, Weltrangliste: 11) / Gewertete Turniere: French Open (Achtelfinale/280), Rom (Finale/620), Madrid (Viertelfinale/250) / Power Ranking-Punkte: 926

Na Li ging als Titelverteidigerin in die French Open und scheiterte bereits im Achtelfinale. Nach ihrem katastrophalen zweiten Halbjahr 2011 wundert dieses Ergebnis (6:3, 2:6, 0:6 gegen Yaroslava Shvedova) nur bedingt, in den Wochen vor Paris war allerdings ein deutlicher Aufwärtstrend zu beobachten. Trotzdem scheint die Chinesin immer noch mit den Popularitäts-Veränderungen in ihrem Leben zu kämpfen – ein weiterer Erfolg bei einem Major erscheint derzeit in weiter Ferne.

4. (8.) Petra Kvitova (CZE, 22 Jahre, Weltrangliste: 4) / Gewertete Turniere: French Open (Halbfinale/900), Rom (Viertelfinale/225), Madrid (2. Runde/80) / Power Ranking-Punkte: 1128

Mit Petra Kvitova geht es nun um die nächste Spielerin, die im vergangenen Jahr ihren ersten Grand Slam-Titel gewinnen, danach aber nur noch bedingt an den Erfolg anknüpfen konnte. 2012 konnte Kvitova noch keinen Titel gewinnen, sie stand noch nicht mal in einem Finale. Auch die Umstellung auf Rasen scheint ihr diesmal nicht ohne Probleme zu gelingen, beim WTA-Turnier in Eastbourne (noch nicht in der Wertung) schied sie bereits in der ersten Runde gegen Ekaterina Makarova aus.

3. (9.) Samantha Stosur (AUS, 28 Jahre, Weltrangliste: 5) / Gewertete Turniere: French Open (Halbfinale/900), Rom (Achtelfinale/125), Madrid (Viertelfinale/250) / Power Ranking-Punkte: 1150

Im nächsten Power Ranking könnte auch der Name Samantha Stosur fehlen. Nach ihrer Halbfinalteilnahme bei den French Open geht es nun auf Rasen weiter – nicht gerade der Lieblingsbelag der Australierin. Stosur verlor bei der Generalprobe in s'Hertogenbosch schon in der ersten Runde, in Wimbledon wiederum kam sie in ihrer Karriere noch nie über die 3. Runde hinaus. Stosur selbst ist aber nicht nervös. "Insgesamt war ich sehr happy damit, wie ich gespielt habe", sagte die 28-jährige US-Open-Siegerin bei theaustralian.com. "Ich werde jetzt weiter hart arbeiten und wenn ich dann die entscheidenden Punkte mache, kann das den Unterschied ausmachen."

2. (neu) Sara Errani (ITA, 24 Jahre, Weltrangliste: 10) / Gewertete Turniere: French Open (Finale/1400), Rom (2. Runde/70), Madrid (2. Runde/80) / Power Ranking-Punkte: 1504

Schon zum zweiten Mal in dieser Saison steht Sara Errani in unserem Power Ranking. Die Italienerin wird gerne als Sand-Floh dargestellt, dabei stand sie bei den Australian Open auch bereits im Viertelfinale. Errani kämpfte sich in Paris mit Willen, Laufstärke und konstant fehlerfreiem Spiel bis ins Finale. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass Errani auch im Doppelfinale stand – und mit Partnerin Roberta Vinci sogar gewonnen hat. In Wimbledon wird es Errani aber schwer haben, gerade ihr schwacher zweiter Aufschlag wird an der Church Road für Schwierigkeiten sorgen, wie ihr Erstrundenaus in s'Hertogenbosch gezeigt hat.

1. (2.) Maria Sharapova (RUS, 25 Jahre, Weltrangliste: 1) / Gewertete Turniere: French Open (Sieg/2000), Rom (Sieg/900), Madrid (Viertelfinale/250) / Power Ranking-Punkte: 2870

Herzlichen Glückwunsch Maria Sharapova: Die Russin ist die neue Nummer eins der Weltrangliste und konnte als insgesamt erste zehnte Frau im Welttennis alle vier Grand Slam-Turniere gewinnen. Dabei gab Sharapova nur gegen Klara Zakopalova bei den French Open einen Satz ab. Und schon wären wir bei der Frage der Topfavoritin. Kann Sharapova, die in Wimbledon bereits im Jahr 2004 gewinnen konnte, den zweiten großen Titel der Saison holen? Erreichen endlich mal wieder alle Top-Spielerinnen ihre Normalform, wird die Siegerin Serena Williams heißen, die das Turnier bereits vier Mal gewinnen konnte.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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