HOME

Verkürzte NBA-Saison: Dallas startet gegen Final-Gegner Miami

Nach dem Lockout und einer kurzen Vorbereitungsphase beginnt die neue NBA-Saison. Die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki spielen zum Auftakt in einer Neuauflage des letzten Final-Duells gegen die Miami Heat.

Weihnachtszeit, schöne Zeit! Und ob aller Geschenke, der winterlichen Knabbereien und des üppigen Essens gilt das in diesem Jahr vor allem für alle Basketballfans - schließlich beginnt pünktlich zum ersten Weihnachtstag die neue Saison der NBA.

Dank des kurzfristig ausgearbeiteten neuen CBA's wurden die letzten zwei Wochen zur ultimativen Trade- und Free Agent-Bonanza. Kaum ein Tag verging ohne neue Tauschgeschäfte, die Gerüchteküche kochte über und alle Teams versuchten, sich für die kommende Saison die bestmögliche Ausgangsposition zu verschaffen - was bei einigen besser, bei anderen weniger gut gelang.

Der Kampf gegen die Big Three vom South Beach

Kommen wir also zu den vermeintlichen Favoriten. Als erstes wären da im Osten der Liga die Miami Heat zu nennen. Mit Shane Battier, der vorher in Houston und Memphis seine Brötchen verdiente, konnte ein erstklassiger Verteidiger an Land gezogen werden. Außerdem wurde für die Centerposition Eddy Curry verplichtet. Nach einer langen Verletzungspause ist schwer einzuschätzen, ob er im Vergleich zum bisherigen Center Joel Anthony eine Verstärkung sein wird.

Vom Talent her betrachtet sollte Curry ein massives Upgrade bedeuten, falls er seine bereits seit Jahren andauernden Gewichtsprobleme in den Griff bekommt. Der Weg im Osten führt aber natürlich ob der Big Three LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh nur über die Heat, die nach der Finalpleite gegen Dallas eine gehörige Portion Extra-Motivation mit auf den Weg nehmen dürften.

Chicago verstärkt sich mit Hamilton 

Doch auch die Konkurrenz schlief nicht - allen voran die Chicago Bulls rund um den amtierenden besten Spieler der Liga, Derrick Rose, sowie Dream-Team-Mitglied Carlos Boozer. So wurde für die im letzten Jahr als große Schwachstelle geltende Position des Shooting Guards mit Richard "Rip" Hamilton eine namhafte und routinierte Verstärkung unter Vertrag genommen.

Vorher beim Erzrivalen der Bulls, den Detroit Pistons, beschäftigt und mit diesen im Jahr 2004 als Topscorer sogar Champion, wurde Hamilton nach einem Zwist mit seinem vorherigen Coach John Kuester zunächst aus dem Kader verbannt und im Winter aus seinem Vertrag heraus gekauft.

Die Bulls zögerten keine Sekunde und hatten offenbar den richtigen Riecher. Nachdem Hamilton im letzten Jahr die schwächsten Werte seiner Karriere aufwies, scheint er in Chicago den Spaß am Spiel wiedergefunden zu haben. Seine Leistungen in der Vorbereitung lassen auf lange Einsatzzeiten und größtmögliche Produktivität hoffen.

Machtverhältnisse im Nordosten verschieben sich

Auch in New York wurde tatkräftig am Team für die neue Saison gearbeitet. Zwar konnte nach der Trennung von Chauncey Billups der erhoffte Transfer von Chris Paul aus New Orleans in den Big Apple nicht realisiert werden, doch stattdessen wurde eine andere Vakanz gefüllt - Meistercenter Tyson Chandler kommt von den Dallas Mavericks für drei Jahre nach New York und sollte eine gute Ergänzung, vor allem in der Defensive, zu den beiden Ausnahmescorern Carmelo Anthony und Amar'e Stoudemire darstellen.

Außerdem legt man bei den Knicks große Hoffnungen in das neue Guard-Duo bestehend aus dem vielversprechenden Rookie Iman Shumpert sowie dem routinierten Baron Davis.

Davis, der vor drei Jahren bei den Golden State Warriors einen der höchstdotierten Verträge der Liga unterschrieb, danach aber zunehmend durch Lustlosigkeit auffiel und in der letzten Saison nach Cleveland getradet wurde, wo er im Winter aus seinem Vertrag herausgekauft wurde, ist mit Lust und Laune sicherlich einer der Top-10 Pointguards der Liga - bleibt abzuwarten, ob ihm Chandler, Anthony und Co. diese wieder bringen können.

Boston droht Nebenrolle

Eine eher kleinere Rolle dürften in diesem Jahr die Boston Celtics spielen. Zum einen fehlt nach wie vor ein dominanter Center unter den Körben, nachdem Shaquille O'Neal seine Karriere beendet hat und Kendrick Perkins ja bereits während der letzten Spielzeit nach Oklahoma City getradet worden war.

Einzig bemerkenswerter Neuzugang ist Brandon Bass, der im Tausch für Glen "Big Baby" Davis aus Orlando nach Boston kam. Und obwohl eine auf 66 Spiele verkürzte Saison natürlich besonders einem mit Veteranen gefüllten Kader wie dem der Celtics zugute kommt, dürfte für die Celtics gegen die Heat, die Bulls und die Knicks kein Blumentopf zu gewinnen sein.

Und auch die Orlando Magic, getrieben von der Unsicherheit um den Verbleib ihres besten Spielers, Dwight Howard, der eigentlich noch im ersten Drittel der Saison getradet werden dürfte, um ihn im Sommer nicht als Free Agent ohne Gegenleistung ziehen lassen zu müssen, sollten in diesem jahr nicht über eine Nebenrolle hinaus kommen können.

Der wilde Westen

Im wahrsten Sinne des Wortes wild ging es in der Western Conference zu. Zunächst fällt der Blick natürlich auf den Blockbustertrade schlechthin – den Wechsel von All-Star-Pointguard Chris Paul zu den Los Angeles Clippers.

Paul, vorher bei den New Orleans Hornets unter Vertrag, war wenige Tage vorher fast bei den Lakers in Los Angeles gelandet, allerdings hatte die Liga als gemeinschaftlicher Besitzer der Hornets ein Veto gegen den geplanten Tausch eingelegt. Und so darf sich Paul nun doch als Kalifornier fühlen und künftig an der Seite von Blake Griffin auf Korbjagd gehen.

Im Tausch geht neben Eric Gordon, Chris Kaman und Al-Farouq Aminu auch der Erstrunden-Draftpick der Minnesota Timberwolves nach New Orleans – aufgrund der potenziell sehr schwach werdenden Saison der T-Wolves unter Umständen einer der ersten Picks überhaupt, was in einer talentbeladenen Rookie-Klasse von 2012 ein toller Tausch sein könnte.

Und in Los Angeles herrscht große Euphorie, dürfte das Duo Paul-Griffin doch durchweg für Highlights wie Alley-Hoops und No-Look-Pässe sorgen – wie ich persönlich bereits vor Ort im ersten Testspiel zur Saison verfolgen durfte. Außerdem konnte mit DeAndre Jordan ein junger, aufstrebender Center gehalten werden, und auch die Verpflichtung von Chauncey Billups aus New York sowie von Caron Butler aus Dallas zu einem Spottpreis passt ins Muster.

Dank der hervorragenden Offseason-Arbeit dürften die Clippers heiße Anwärter auf einen Spitzenplatz im Westen sein – nach nur vier Playoffteilnahmen in den über 30 Jahren ihres Bestehens ein Segen für alle Fans des "kleinen" Clubs aus LA.

Lakers mit Problemen

Ganz anders sieht es beim großen Bruder, den Lakers, aus. Der geplatzte Paul-Trade, der Verlust des nach dem gescheiterten Trades wechselwilligen Lamar Odom nach Dallas sowie private Probleme des Superstars Kobe Bryant – der sich in diversen Interviews übrigens öffentlich äußerst unzufrieden über die Aktivitäten seines Clubs äußerte – sowie zwei deftige Niederlagen in Vorbereitungsspielen gegen eben jene Clippers sorgen dafür, dass der einstige Vorzeigeclub der Liga mit großen Sorgenfalten in die Saison starten wird.

Und auch wenn anzunehmen sein dürfte, das Bryant einmal mehr versuchen wird, viele Spiele im Alleingang zu gewinnen – man erinnere sich an seine 81-Punkte-Show gegen New York vor einigen Jahren – dürfte das nicht ausreichen, um im Westen gegen die Konkurrenz zu bestehen.

Thunder und Grizzlies als eingespielte Teams

Denn da sind zum Beispiel auch noch die Oklahoma City Thunder, der Vorjahresfinalist der Western Conference und in einigen engen Spielen nur knapp an den Mavericks gescheitert. Die erst zum Ende der letzten Saison gekommenen Perkins und Robinson sollten mittlerweile ins Team integriert sein, und da ansonsten am Kader kaum Veränderungen vorgenommen wurden, dürften die Thunder erster Anwärter auf die Krone im Westen sein – schließlich steht besonders das Duo Kevin Durant und Russell Westbrook für konstant gutes Scoring und schnelles Spiel.

Und natürlich darf bei den Favoriten im Westen – zu denen man nach der Vertragsverlängerung für Marc Gasol sowie dem Zusammenbleiben des restlichen Kaders, mit Ausnahme von Battier, auch die Memphis Grizzlies zählen sollte – den Titelverteidiger, die Dallas Mavericks, nicht vergessen.

Können die Mavericks den Titel verteidigen?

Nach dem Weggang von Tyson Chandler nach New York sowie dem Abschied von JJ Barea in Richtung Minnesota war die einhellige Meinung, die Mavericks würden keine Chancen auf eine Titelverteidigung haben. Doch plötzlich muss man sagen: Chancenlosigkeit in 2012? Nein, doch nicht! Denn mit Vince Carter und Delonte West wurde Erfahrung ins Team geholt, und zu guter Letzt konnte mit dem bei den Lakers unzufrieden gewordenen Lamar Odom der vielleicht beste sechste Mann der Liga ins Team geholt werden – und das zu einem Spottpreis, da die Lakers offenbar vordergründig an Gehalt sparen wollten.

Und so flucht der Rest der Liga nun auf die Lakers, denn auch mit Brendan Haywood als einziger Option auf der Position des Centers scheint der Kader der Mavericks in der Breite noch stärker geworden zu sein als in der Meistersaison – und das, ohne sich finanziell in Unkosten zu stürzen.

Als erster Test steht für das Team um Dirk Nowitzki am ersten Weihnachtsfeiertag das Finals-Rematch mit Miami Heat auf dem Programm. Sicherlich nicht ausschlaggebend für den Verlauf der Saison, aber allein schon wegen der Animositäten zwischen Nowitzki und Wade sowie James im Verlauf der Finalserie ein absoluter Knaller zum Saisonauftakt.

Und da sich die Vorzeichen kaum geändert haben – Miami zwar leicht verstärkt auf der Center-Position, wobei der Einsatz des angeschlagenen Curry unsicher scheint, aber nach wie vor mit einem Loch auf der Spielmacher-Position, Dallas nach wie vor mit einem schlagkräftigen Duo auf den Forward-Positionen sowie einem neu motivierten Vince Carter – dürfte ein Sieg für jedes der beiden Teams einen Motivationsschub, eine Niederlage hingegen sofort einen leichten Dämpfer auf die Vorfreude auf die Saison bedeuten.

Kurzum, nach einem aufregenden Monat Dezember kann es nun endlich losgehen. Die Schuhe sind geschnürt, die Bälle aufgepumpt und endlich kriegen die Fans das zu hören, worauf sie seit Monaten warten – Let's play Ball!

Oliver Stein

sportal.de / sportal

Wissenscommunity