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Volleyball-WM: Die Bagger-Queens von Osaka

Das deutsche Volleyballteam der Frauen hat es bei der WM in Japan nur unter die ersten zwölf geschafft. Nach einer ausgezeichneten Vorrunde enttäuschten die Spielerinnen gegen die Niederlande und die USA. Russland konnte erneut den Titel erlangen.

Die deutschen Volleyballerinnen haben ihr Wunschergebnis bei der Weltmeisterschaft in Japan verfehlt. Das DVV- Team war mit Platz elf noch einen Rang schlechter als vor vier Jahren im eigenen Land. Zum Abschluss am Donnerstag gab es in Osaka einen 3:0 (25:15, 25:19, 25:15)-Sieg über Taiwan, so dass insgesamt sechs Siege und fünf Niederlagen erreicht wurden.

Die Deutschen gehören damit zwar zu den Top 12, das angestrebte Ziel - Platz fünf bis acht - wurde aber leichtfertig verpasst und zugleich auch die große Chance, den Frauen-Volleyball in Deutschland noch stärker voran zu bringen. "Die WM war sehr lehrreich und auch bitter", sagte Kapitän Angelina Grün.

Starke Vorstellung der Russinen

Dagegen feierte der Olympia-Zweite Russland als Nachfolger der UdSSR durch einen spannenden 3:2 (15:25, 25:23, 25:18, 19:25, 15:13)- Endspielsieg über Brasilien bereits den sechsten Titelgewinn. Power- Volleyball siegte über Spielwitz, wobei die großen Russinnen zusammen mit ihrem italienischen Trainer Giovanni Caprara auch in spielerischer Hinsicht viel gelernt haben. Nachdem sie den fünften Satz nach 11:13-Rückstand durch vier Zähler hintereinander noch wendeten, winkt zu Hause eine Mannschaftsprämie von einer Million Euro.

Den Brasilianerinnen, die das Prestigeduell in der Zwischenrunde 3:1 gewonnen hatten und bis zum Finale als einziges Team im Turnier unbesiegt waren, blieb damit der erste große Titel erneut versagt. Den dritten Platz sicherte sich Serbien-Montenegro mit einem 3:0 (25:22, 25:22, 25:21)-Erfolg über den entthronten Titelverteidiger Italien.

Im DVV-Team platzten nach den Medaillenhoffnungen angesichts einer imponierenden Vorrunde alle Träume auf ein gutes Abschneiden. Die Mannschaft zeigte im Turnier zwei Gesichter: In Sapporo glänzte die Truppe von Bundestrainer Giovanni Guidetti als Gruppenzweiter hinter Russland mit einem sensationellen 3:1-Sieg über China und bot auch beim 1:3 gegen Russland eine starke Leistung. Der fulminanten Vorrunde folgte in Osaka ein unerklärlicher Einbruch. Nur noch 3:0- Pflichtsiege gegen Puerto Rico und Taiwan konnten verbucht werden.

"Mannschafft verschenkte ihr Glück"

Mit dem 2:3 gegen die Niederlande bei einer 11:5-Führung im Tiebreak und einem vergebenen Matchball fing das Desaster an. Davon erholte sich die Mannschaft nicht mehr, nach dem 2:3 gegen die USA mit drei vergebenen Matchbällen und der Niederlage von China gegen die Niederlande waren alle Träume zerronnen. "Die Mannschaft hat ihr Glück verschenkt", sagte DVV-Vizepräsident Götz Moser. "Bei mir überwiegt das Negative, das Schlechte bleibt im Kopf hängen", meinte Libero Kerstin Tzscherlich. "Wir brauchen eine konstante Leistung. Diesen Ansporn und vielleicht auch die innere Wut nehmen wir mit nach Hause, um im nächsten Jahr anzugreifen", fügte die mit Abstand beste deutsche Spielerin, Angelina Grün, hinzu.

Der Weg in die Zukunft steht für den Bundestrainer indes fest: "Ich öffne die Tür für alle Spielerinnen, die fighten bis zum letzten Match." Immer auf dem obersten Level zu spielen, sei sehr schwierig, betonte Guidetti und sah vor allem die Angriffsleistung kritisch. Den gestandenen Nationalspielerinnen rät er, wie die Männer im Ausland weitere Erfahrungen zu sammeln: "Der Nachwuchs soll sich über die Bundesliga entwickeln."

Christiane Fürst aus Dresden konnte trotz der enttäuschenden Platzierung noch ein kleines Schmankerl mit nach Hause nehmen. Zum Abschluss der Volleyball-Weltmeisterschaft wurde sie als beste Blockerin geehrt. Die 21-Jährige konnte am Donnerstag mit insgesamt 35 Blockpunkten sowie 98 Rebounds die Brasilianerin Walewska Oliveira noch abfangen und erhielt eine Prämie von 50.000 Dollar.

Dagegen hat Italien-Profi Angelina Grün den Erfolg in der Wertung der besten Punktesammlerin knapp verpasst. Mit 220 Zählern belegte der deutsche Kapitän Rang zwei und blieb damit nur fünf Punkte hinter Neslihan Demir (Türkei), die 75.000 Dollar erhielt. Kerstin Tzscherlich aus Dresden belegt bei den Liberos den zweiten Platz.

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