Walter Godefroot Fahrer gedopt? "Plumpe Lüge!"


Walter Godefroot hat alle Dopingvorwürfe zurückgewiesen. "Ich habe Doping in unserem Radsport-Team weder organisiert noch finanziert", erklärte der ehemalige Telekom-Teamchef auf einer Pressekonferenz - und kündigte darüber hinaus eine Klage an.

Der ehemalige Telekom-Teamchef Walter Godefroot hat jegliche Verwicklung in die Dopingaffäre strikt zurückgewiesen und will seinen ehemaligen Mitarbeiter Jef d’Hont verklagen. "Ich habe Doping in unserem Radsport-Team weder organisiert noch finanziert", sagte der 63-jährige Belgier am Dienstag auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in seiner Heimatstadt Gent.

Godefroot - von 1992 bis 2005 Team-Manager bei Telekom und dem Nachfolge-Team T-Mobile - wollte sich nicht in die Reihe der Doping- Geständigen stellen. Er versicherte, "Doping-Mittel weder organisiert noch finanziert" zu haben. Das hatten ihm Ex-Betreuer d’Hont in seinem Enthüllungsbuch und ehemalige Telekom-Profis direkt oder indirekt vorgeworfen. "Ich habe niemals Geld von Fahrern für Dopingmittel erhalten", sagte Godefroot bei seinem 60-Minuten- Auftritt im Holiday-Inn-Hotel.

Godefroot kündigte an, seinen Landsmann d’Hont ("Plumper Lügner") zu verklagen. Nach dem Ende der am 7. Juli beginnenden Tour de France werde sich der heutige Berater des neuen Astana-Teams, "wie 2006 angekündigt", vom Radsport zurückziehen. Zum weiter hartnäckig schweigenden Jan Ullrich sagte sein ehemaliger Chef, der es als einziger im Telekom-Führungszirkel schon früh gewagt hatte, den damals unumschränkten Star öffentlich zu kritisieren: "Ich will nicht über andere reden. Ob Jan etwas zu erklären hat, muss er entscheiden."

"Mädchen für alles"

Der Chef ignorierte, was in der Hoch-Zeit seines Teams vor sich ging, und nannte das im Rückblick "naiv". "Dass ich nicht wusste, was lief, bedeutet nicht, dass ich blind war für das, was sich in der Mitte 90er Jahre in die Mitte des Pelotons eingeschlichen hatte. Rennfahrer gingen auf unerklärliche Weise über ihre Möglichkeiten hinaus", sagte Godefroot, der damals "einen Virus, der EPO hieß" diagnostizierte. "Wer war befallen? Das war auch eine offene Frage für mich", behauptete Godefroot, der seine Verantwortung seiner Meinung nach dennoch wahrnahm, weil er das Thema EPO im Weltverband UCI in den 90er Jahren thematisierte.

Laut Godefroot haben die inzwischen ebenfalls geständigen Freiburger Ärzte im Team versucht, "dem Wildwuchs bei der Medikamentierung Einhalt zu gebieten und in geordnete Bahnen zu lenken". Er hätte in seiner Karriere als Profi von 1965 bis 1976 - Godefroot war in seiner aktiven Laufbahn drei Mal Doping-auffällig - und danach als Manager "immer den roten Faden verfolgt, die Einnahme von Medikamenten zu beschränken". Der vier Jahre im Team beschäftigte d’Hont sei "Mädchen für alles" gewesen, "und hat selbst oft genug den Doktor gespielt".

"Ich bezweifle, dass Bjarne Riis jemanden betrogen hat"

Godefroot, der seine "Version" der 90er Jahre im Bonner Team in der Vorwoche ankündigte, hatte in einen fensterlosen Hotel-Kellerraum gebeten und wurde nur von zwei Übersetzern assistiert. Rund 60 Journalisten und 12 Kamerateams warteten - vergeblich - auf weitere Enthüllungen, nachdem in den Vorwochen die Ex-Profis Bjarne Riis ("Godefroot war auf einem Auge blind"), Christian Henn, Rolf Aldag, Erik Zabel, Brian Holm und Bert Dietz ein Bild vom flächendeckenden Doping-System im Team Telekom gezeichnet hatten und Godefroot zum Teil heftig belasteten.

Toursieger Riis hatte Godefroot in seinem EPO-Geständnis zumindest Mitwisserschaft des Manipulations-Systems unterstellt. D’Hont erklärte im "Spiegel-Interview", Godefroot hätte den Geldfluss für Doping-Mittel im Team geregelt; Dietz äußerte sich ähnlich. Bei seinem Talkshow-Auftritt bei "Beckmann" waren einige Passagen zur Godefroot-Verwicklung durch einen Piepton akustisch unkenntlich gemacht worden. Dietz hätte sich nur auf d’Hont berufen, deshalb verklage er den Ex-Profi nicht, erklärte Godefroot am Dienstag. Die d’Hont-Vorwürfe hätten ihn "tief verletzt".

"Ich bezweifle, dass Bjarne Riis jemanden betrogen hat. Ob er mehr gesündigt hat, als andere, weiß ich nicht", sagte Godefroot und benutzte dieselbe, offensichtlich branchenübliche Formulierung wie Ullrich bei seiner bizarren Rücktritts-Pressekonferenz am 26. Februar in Hamburg.

"Ich habe nie jemanden betrogen", hatte sich der auch durch die neuerlichen Erkenntnisse der Doping-Affäre Fuentes erheblich belastete Ullrich zu rechtfertigen versucht. Dabei hat er wahrscheinlich Recht: In einem Umfeld, in dem die Manipulation Normalität zu sein scheint, kann eine Einzel-Verfehlung schwer ausgemacht werden.

DPA/kbe

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