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"Die Höhle der Löwen" "Es ist toll, elegant über den Tisch gezogen zu werden" – ein Gründer verhandelt besonders gut

Die Investoren Carsten Maschmeyer (links) und Georg Kofler im Fachgespräch
Die Investoren Carsten Maschmeyer (links) und Georg Kofler im Fachgespräch
© Bernd-Michael Maurer / MG RTL D
Zwischen futuristischen Karbon-Motorrädern und Tipp-Ex für die Turnschuhe: Die Produktpalette in der "Höhle der Löwen" war mal wieder divers. Das galt auch für die Stimmung unter den Löwen. Während Georg Kofler fröhlich feixte, fand Carsten Maschmeyer bei zwei Startups deutliche Worte.

1,6 Millionen Euro sind eine Hausnummer. Doch die Gründer der E-Motorrad-Marke Novus hielten ihre Entwicklung für so innovativ und erfolgversprechend, dass sie sich trauten, eines der höchsten Investments in der Geschichte der "Höhle der Löwen" aufzurufen. Die Finanzelite auf den bequemen Sitzen kramte in ihren Portemonnaies. Nico Rosberg, der ziemlich lange kramte, war die Sache am Ende schließlich doch zu "kapitalintensiv". Aber was war mit Großinvestor Carsten Maschmeyer? Der hat, wir erinnern uns, schon mal anderthalb Millionen investiert – allerdings in Nährstofftabletten für schlechte Schläfer. Und diesmal?

No-Deal der Woche bei DHDL

Rene und Marcus, die Masterminds hinter Novus, hatten nicht nur das nach eigener Aussage "erste Premium-Elektro-Leichtkraftrad der Welt" mitgebracht, sondern auch eine Menge Marketing-Poesie. Ihr Produkt sei eine "moderne Skulptur auf Rädern", dichteten sie. Oder noch hemmungsloser: "Unser Motorrad ist das Einzige auf der Welt, bei dem man das Gefühl hat, man würde die Zukunft fahren." Uff, das war dann auch den sonst für Slogans aller Qualität aufgeschlossenen Löwen eine Idee zu krass. "Sie argumentieren nur mit einem Emotional Selling Point", kritisierte Carsten Maschmeyer die beiden Gründer, er vermisse die Unique-Komponente und schlichtweg harte Fakten. So blieb von der Novus-Präsentation am Ende nur eine Anekdote von Dagmar Wöhrl: Sie habe 1970 bei einer Miss-Wahl mal ein Elektro-Mofa gewonnen. "Das habe ich heute noch." 

Damit verdienen die DHDL-Juroren ihr Geld

Alle präsentierten Produkte

Botanyia – Übertöpfe in Naturstein-Optik (den stern-Test zum Produkt lesen Sie hier)

Glossy Dreams – Imprägnierstift für helle und dunkle Sneaker-Nähte

Independesk – Digitale Plattform für mobile Schreibtische

Joybräu – Alkoholfreies Protein-Bier

Novus – E-Motorrad aus Karbon

Der mobilste Arbeitsplatz

TED-Talk am Telefon: "Glaubst du, dass du der Richtige bist, um all das umzusetzen, was du geplant hast?" – "Ja, das bin ich" – "Na dann los, verhandele hart." Solchermaßen empowered von seinem Mentor, kehrte Karsten, ein ehemaliger Werber mit einem Kermit-grünen Anzug, auf die Showbühne zurück – und machte Carsten Maschmeyer und Georg Kofler ein Gegenangebot, das schlechter war als sein ursprüngliches Angebot. So viel Chuzpe muss man sich leisten können.

Und der Gründer von Independesk konnte: Vier von fünf Löwen rissen sich um seine digitale Plattform, über die sich Nutzer freie Schreibtische in Coworking Spaces, Unternehmen oder Hotels buchen können. 5,4 Tonnen CO2, rechnete der smarte 29-Jährige vor, könnten in Deutschland jedes Jahr eingespart werden, wenn die Leute zwei Tage in der Woche nicht zur Arbeit führen. Das Doppel Maschmeyer/Kofler ließ sich auf den schlechteren Deal ein und schlug wenigstens noch ein Vorkaufsrecht und einen Skonto bei der nächsten Finanzierungsrunde raus. Kofler: "Es ist toll, elegant über den Tisch gezogen zu werden." 

Die Gründerin der Herzen

Ihr Produkt braucht wahrscheinlich nur ein ziemlich kleiner Teil der Welt – aber Lina, die Gründerin von Glossy Dreams (den stern-Test zum Produkt lesen Sie hier), trat mit einer so erfrischenden Offenheit auf, dass die Jury von der ersten Minute an eine erhöhte Herzfrequenz hatte. Das Produkt ist eine Art Tipp-Ex für die Nähte von weißen und schwarzen Sneakern, die dadurch wieder fast wie neu aussehen sollen. Warum denn die schwarze Variante teurer sei als die weiße, wollte Ralf Dümmel wissen. Antwort der 20-jährigen Jurastudentin: "Fand ich cool." Herzhaftes Gelächter unter allen Beteiligten. Als sie dann auch noch den herrlich rührenden Satz "Seien Sie mein Dünger, damit ich wachsen kann" anbrachte, war es um die Investoren endgültig geschehen. Dümmel schnappte sich das Garagen-Startup. Eine halbe Million, so wahrscheinlich sein Kalkül, wird er von den Schuh-Linern schon absetzen. Dann ist Lina mit dem Studium durch und macht eh was anderes.

Bier mit einem bitteren Nachgeschmack

Irgendwas knirschte in der Präsentation von Joybräu. Bei Carsten Maschmeyer sprang die Alarmanlage an. "Ich werde das Gefühl nicht los", blaffte er das Gründer-Duo an, "ihr wollt hier nur das Marketing und nichts anderes". Das Bier selbst, eine alkoholfreie Variante für Sportler mit viel Protein, bestand den Geschmackstest. Es habe einen "leicht bitteren Beigeschmack", sei aber durchaus "erfrischend", konstatierte Nils Glagau. Er blieb als letzter Löwe übrig. "Wir machen auch solche Getränke", sagte der Orthomol-Chef, "in denen viele schöne Sachen drin sind." Aber die beiden Mittzwanziger, die eine Firmenbewertung von drei Millionen Euro aufriefen bei sehr wechselhaften Umsätzen, waren auch ihm nicht grün. Schließlich rang er sich zu einem Deal durch ("Wehe, da sind irgendwelche Leichen bei euch im Keller"). Man darf gespannt sein, was daraus geworden ist.

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