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"Grabbeltisch": Verbraucherschützer warnen vor Produkten aus "Die Höhle der Löwen"

Die Verbraucherschutzzentrale aus Nordrhein-Westfalen warnt vor Produkten aus "DHDL". Die Preise seien zu hoch, die Käufer häufig enttäuscht. Aber so ganz zieht die Kritik nicht.

Die Höhle der Löwen wird vom Verbraucherschutz kritisiert

Die Höhle der Löwen wird vom Verbraucherschutz kritisiert

Die TV-Sendung "Die Höhle der Löwen" lockt vor allem junges Publikum vor die Mattscheibe - und das Logo der Sendung ist zu einem Verkaufsgarant geworden. Die Produkte, die abends in der Show vorgestellt werden, sind häufig schon am kommenden Tag im Handel. "Wie von Zauberhand" stünden die Produkte "fix und fertig produziert" in den Regalen, kritisieren Verbraucherschützer aus Nordrhein-Westfalen. Doch das ist nicht der einzige Kritikpunkt - die Verbraucherschützer holen zum Rundumschlag aus.

Dass die Produkte aus der Sendung schon am nächsten Tag im Handel zu kaufen sind, ist zumindest als Kritikpunkt Unfug. Auch wenn die Sendung suggeriert, dass die Deals an dem Abend erst geschlossen werden, ist doch auch den Zuschauern klar, dass es sich um eine Aufzeichnung handelt. Meist dreht Vox die Staffel im Frühjahr, spätestens Anfang April ist die Staffel im Kasten. Und dann beginnt die Vorbereitung auf die Ausstrahlung - denn die Gründer wollen den Werbeeffekt natürlich für sich nutzen. 

Nächster Kritikpunkt: Die Produkte hätten eine miese Qualität. Auf Amazon fanden die Verbraucherschützer viele schlechte Bewertungen und übellaunige Kommentare. Konkret nennen die Verbraucherschützer den Klebestift "Blufixx" und die "Abflussfee", die den Abfluss von verklumpten Haaren befreien soll. Was die Verbraucherschützer nicht schreiben: Es gibt auch viele DHDL-Produkte, die ganz ordentlich bei Amazon wegkommen, wie das Pferdeschwanz-Gadget "Pony Puffin". Die Po-Dusche hat auf dem Portal eine 5-Sterne-Bewertungsquote von 78 Prozent. Also offenbar doch nicht alles Schrott.

Preisverfall bei DHDL-Produkten?

Dass auch Start-ups, die gar keinen Deal bekommen haben, mit dem Logo werben würden, stößt den Verbraucherschützern ebenfalls auf. Konkret nennen sie "DasKaugummi", die zwar in der Sendung einen Deal mit Ralf Dümmel schlossen, dieser aber danach platzte. Tatsächlich bewerben die Gründer via Amazon das Produkt mit dem "DHDL"-Logo. Im Supermarkt hingegen wird das Kaugummi nicht mit dem Logo angepriesen. Das hätte sich leicht recherchieren lassen. 

Das nächste Ärgernis: Die Produkte würden inzwischen zu Schleuderpreisen angeboten. Auf Ebay entdecken die Verbraucherschützer den "Fensterschnapper", der dort für 19,99 Euro verkauft wird und nicht mehr zum UVP von 119,99 Euro.Die Produkte, die bei Ebay angeboten werden, sind im offiziellen Vermarktungsshop  erhältlich - und dort seien alle UVP durchgestrichen und die Preise deutlich günstiger. Was die Verbraucherschützer nicht sagen (oder wissen): Der Fensterschnapper sollte vor DHDL tatsächlich so viel kosten. Doch durch den Einstieg des Investors Ralf Dümmel konnte die Produktion gestrafft werden. Schon zur Ausstrahlung des Pitch kostet die Fenstersicherung 19,99 Euro.

"Bei all dem wundert es nicht, dass so manche Höhle-der-Löwen-Fabel als Horrorstory für nachhaltige Gründer endet: Artikel landen auf Wühltischen und in Grabbelecken. Ein Schicksal, das auch den rutschfesten Hundenapf „Yumminator M“ (UVP 27,99 Euro) traf, den Aldi-Süd erst kürzlich für 5,29 Euro verschleuderte", heißt es bei den NRW-Verbraucherschützern. Und damit liegen sie tatsächlich gar nicht so falsch - denn nicht alle Produkte aus der Sendung schaffen den großen Durchbruch wie "Ankerkraut". Einige Produkte verkaufen sich schlecht oder nur sehr schleppend - das erzählen die Investoren der vergangenen fünf Staffeln allerdings ungern. 

Alles Schrott bei DHDL?

Und einige Gründer müssen mit ihren Produkten zurückrudern: So bekam der Zahnarzt Imail Özkanli, der mit Praodont eine Creme gegen Parodontitis erfunden hat, eine einstweilige Verfügung an den Hals, weil er beim Pitch sagte, dass die Creme die Erkrankung heilen könne. Kann sie nicht, klar. Und da die Creme kein Medikament ist, sondern nur als Kosmetika gilt, darf er solche Versprechungen nicht machen. Auch der Handydisplayschutz "Protect Pax" wurde mit "100 % bruchsicher" beworben. Die Kollegen von stern-TV nahmen das wörtlich und schlugen auf einem mit dem Schutz präparierten Display rum. Das Ergebnis: Das hunderprozentige Versprechen auf der Verpackung wurde geändert. 

"Zahlreiche 'innovative Produkte' unter einem fragwürdigen Logo", so meckern die Verbraucherschützer - und  legen nach, dass "der Loser-Part dagegen oftmals  den Zuschauern" zufällt. Also ist alles Abzocke von minderer Qualität, was durch die Löwenhöhle bekannt wird? Dem Rundumschlag der Verbraucherzentrale NRW würden zumindest Firmen wie Ankerkraut, Limberry oder Little Lunch sicherlich widersprechen, die zwar durch die Höhle der Löwen bekannt wurden - aber am Ende mit Qualität überzeugen mussten. 

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