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Tv-Kritik

"Die Höhle der Löwen": Wenn es im Auge von Carsten Maschmeyer glänzt

Halbe Eier, Sneakers zum Schwofen und Gesundheit in Kapseln - alles gut und schön. Bei planschenden Babys aber wird es auch dem härtesten Löwen warm ums Herz. 

Von Ingo Scheel

Tuschelei unter Löwen: Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer kommen sich beim Pitch der Nahrungsergänzungsmittelfirma Veluvia nahe.

Tuschelei unter Löwen: Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer kommen sich beim Pitch der Nahrungsergänzungsmittelfirma Veluvia nahe.

So sieht das also aus, wenn wahre Löwen kurz davor sind, die Nerven zu verlieren. Haareraufend, kopfschüttelnd, seufzend windet sich Frank Thelen angesichts des mit allzu lockerem Händchen zusammengewürfelten Businessplans von Marie und Manuela. Dabei erscheint deren Idee von der -Wellness nicht nur wegen des live im Studio durchmassierten Säuglings durchaus charmant.

Optisch eine Mischung aus High-End-Hundepflege- und Waschsalon handelt es sich bei "Mabyen" um Deutschlands erstes Spa für Babys. Die Vollbedienung für die alltagsgeplagten Winzlinge: Fußmassage, Babyschwimmen, freies Floaten mit Halskrawatte. Im Tausch gegen 125.000 Euro würden die beiden Düsseldorferinnen 10% Firmenanteile hergeben. Ihre Gewinnentwicklung der nächsten Jahre jedoch erscheint bei aller Liebe allzu wild improvisiert.

So sehr Thelen Zähne zeigt, ein anderer Löwe wird da ganz handzahm. Für einen kurzen Moment sieht es wirklich so aus, als hätte , im Angesicht des badenden Babys im Studio, ein wenig Pipi in den Augen. Aber: Eine Windel macht noch keinen Sommer, eine Träne keinen Businessplan, ergo ist der Mann mit der Backstein-Mimik schneller wieder raus, als man Schnuller sagen kann. Das letzte Wort ist das noch nicht für die sympathischen Baby-Kneterinnen, auch wenn deren Happy-End anders aussieht als sie sich das vorgestellt haben.

Kein Tänzchen mit den Löwen

Aber der Reihe nach: Wladislaw und Artjom kommen als Schuster in der vierten Generation und haben einen Dancing Shoe im Gepäck, den sich auch jene Tänzer zulegen sollen, die sonst nur in das Haus verlassen. Optisch ein klassischer Basketballstiefel, besohlt jedoch von drehfigurenbegünstigendem Wildleder soll der "Revodancer" Tanz-Tradition mit Moderne verbinden. Die mitgebrachten Breakdancer können da jedoch durchs Studio robotisieren wie sie wollen - mit den Löwen ist heut kein Tänzchen drin, auch wenn Löwe Ralf Dümmel das Ganze für eine "geile Idee" hält und Carsten Maschmeyer den Präse-Profis zu Gute hält, dass sie ja zumindest nicht "verzweifelt" wirken.

Wunderpillen für Dümmel und Maschmeyer

Das gilt auch für Jörn-Marc Vogler aus Hamburg. Der war mal Banker, ist jetzt Gesundheits-Experte und sieht mit seinen 45 Jahren aus, als käme er grad aus der Abiturprüfung. Glaubt man Voglers Worten, dann hat er das seinen Wunderkapseln Veluvia zu verdanken. Seine Erfindung ist Nahrungsergänzung mit USP: Rein pflanzlich sind die kleinen Pillen, und auch wenn der Verkauf schon gut angelaufen ist, so braucht Vogler nicht nur etwas Smartmoney, sondern dazu noch jemanden, der ihm mal den Kopf wäscht. Den Job des Shamponierens teilen sich nach überzeugendem Vortrag gleich zwei Löwen, nämlich Dümmel und Maschmeyer als gesundheitsbewusstes Joint Venture.

Schuhe und Gesundheit - beides Themen, die diesmal doppelt belegt sind: Die Jungs von "Everysize" hatten die durchaus sinnmachende Idee einer Suchmaschine, mit der man  Onlineshops nach Schuhgrößen durchforsten kann. Ihre Präsentation steht jedoch auf derart wackeligen Beinen, als hätten sie erst im Werbeblock zuvor erfahren, dass sie in der Sendung sind. Auf Maschmeyers handfestes Angebot ist das Trio ebenso wenig vorbereitet und lehnt die Offerte nach kurzer Beratung ab. 

Eiweiß satt und "IT aus der Steinzeit"

Professioneller machen es Jan und Fabian aus München, die mit halben Eiern und dazu ein paar telegenen Damen in Unterhemd angereist sind, die daraus Omeletts und Shakes zaubern. "Good Eggwhites" heißt ihr Konzept: 16 Eiweiße in einer Flasche für jene Fitness-, Schlankheits- oder Diätgetriebenen, deren Ei-Appetit das Gelbe vom selben ausschließt, Kostenpunkt 9 Euro. Dass der Claim mit "Pumperl gsund" eher nach bayrischem Müsli oder Baby-Nahrung klingt, stört weder Dümmel noch , letzterer bekommt - "für einen echten Markenaufbau" - schließlich den Zuschlag.

Davon kann Manuel Bruschi aus Graz nur träumen. Der hat ein kleines Polygon aus Plastik mitgebracht, das via Bluetooth das Problem der Zeiterfassung in Agenturen und Firmen lösen soll. Auf den ersten Blick charmant, auf den zweiten zu verspielt, auf den dritten Blick "rückständig", oder wie Carsten Maschmeyer es ausdrückt: "IT aus der Steinzeit". Das lässt wenig Spielraum für Interpretationen, entsprechend abschlägig der Bescheid für den wackeren Schweizer.

Zum Schluss die bereits erwähnten Babyflüsterinnen aus Düsseldorf, für die Löwin Judith Willams etwas ganz anderes vorgesehen hat: Das Spa wird erst einmal dichtgemacht, stattdessen werden Marie und Manuela dem Influencer-Imperium von Frau Williams einverleibt, um Baby-Knowhow und Pflegeserien via QVC zu verticken. Der Preis für die aufgerufenen 125.000 Euro Finanzspritze: Satte 51% Beteiligung. So läuft's Baby-Business. Pumperl gsund.