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TV-Kritik "Die Höhle der Löwen": Bunte Socken, Mathe-Genies und eine geizige Jury

Aufstecker für High Heels, thailändische Tischgrills und von unten auffüllbare Bierbecher - in der "Höhle der Löwe" gab es spannende Produkte zu sehen. Investiert haben die "Löwen" aber nur in ein Unternehmen. 

Von Alica Müller

Jochen Schweizer, Lencke Steiner und Frank Thelen prosten sich mit Bierbechern zu.

Na dann Prost: Die "Höhle der Löwen"-Jury probiert Bier, das von unten in den Becher gezapft wurde. Investieren will aber auch hier keiner der Löwen.

Nach den semi-spannenden Erfindungen in der letzten Woche - Tütensuppen und Taucharmbänder -  gab es in der "Die Höhle der Löwen"-Sendung am Dienstagabend endlich wieder das zu sehen, was die Show interessant macht: Verrückte Ideen, begeisterte Gründer. Die Juroren investierten jedoch nur in ein einziges der sechs Start-ups – das nach bunten Socken das langweiligste Produkt vorstellte.

Die Ansage der ersten Kandidaten lud nicht gerade zum Weiterschauen ein: "Wir machen Socken." Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens "Von Jungfeld"? Die Socken sind bunt, hochwertig und komplett in Deutschland produziert. Na ja. Das konnte auch die Jury nicht überzeugen, gerade weil die Gründer eine Millionen Euro von ihnen wollten. Frank Thelen lief zu Hochtouren auf. Den Satz "Ihr verkauft Socken!" hat bisher wohl noch niemand so verächtlich ausgesprochen. Vural Öger kann sich das gewagte Angebot nur auf eine Art erklären: "Die wollen hier nur ihre Marke bekannt machen." Da könnte er wohl Recht haben.

Essen geht immer

Die einzige Investition folgte dann direkt am Anfang und ging an eine App aus der Kategorie "Braucht man das wirklich?". Drei Gründer stellten die App "MyDog365" vor. Jeden Tag bekommen Hundebesitzer darüber eine Aufgabe geschickt, mit der sie ihren Hund beschäftigen können. Das einzige Highlight der Präsentation sind die beiden Studiogäste Rox und Pogo, Vierbeiner, die die Tricks demonstrieren. Trotzdem: Die Gründer bekommen als einzige an dem Abend den Zuschlag, müssen sich sogar zwischen zwei Löwen unterscheiden. Das lässt sich eigentlich nur dadurch erklären, dass das Angebot bisher eines der billigsten ist. Thelen und Jochen Schweizer bieten beide 150.000 Euro für 20 Prozent am Unternehmen. Am Ende entscheiden sich die Hunde-Dompteure für Thelen.

Das war es dann auch schon mit Investitionen für die Folge. Mit Essen kann man die Jury aber immer ködern, das zeigten schon die letzten Sendungen, in denen Tütensuppe und Kohlchips Begeisterungsjauchzer auslösten. Christian Zehetner kam da mit seiner thailändischen Grillkonstruktion genau richtig. Oben wird darauf gebraten, unten entsteht aus den Bratsäften eine Suppe. Den Löwen schmeckte es hervorragend. Frank Thelen fasste zusammen: "Das ist genau so, wie ich leben möchte." Aha. Der Fehler der beiden Gründer: Sie brachten keine Zahlen mit und hatten bisher auch noch kein echtes Geschäft gemacht. Das schmeckte der Jury gar nicht, alle Löwen waren raus.

High Heel-Aufsätze? Nein danke.

Nachdem die Grillreste aufgefuttert waren, betrat eine ehemalige Modestudentin die Bühne. Im Gepäck hatte sie "Heelbopps", aufsteckbare Absätze, mit denen man auch auf Stilettos über Kopfsteinpflaster gehen soll. Die Optik ist, nun ja, gewöhnungsbedürftig. Die Jurorinnen Lencke Steiner und Judith Williams durften sich im Catwalk probieren - das klappte beeindruckend gut - während Vural Öger kaum mit seiner Abscheu hinterm Berg halten konnte. Würde seine Frau oder Sekretärin das tragen, er würde sie bitten, die "Dinger" auszuziehen, sagt er. Auch wenn sich Judith Williams für die Stecker begeistern kann, investieren wollte auch hier niemand. Verstehen kann die junge Unternehmerin das nicht. Die Löwen haben einen Fehler gemacht, sagt sie: "Ich bin mir sicher, es geht gleich richtig ab."

Das spannendste Produkt des Abends brachte Jörg Blin von "Bottoms Up Bier" mit. Die Erfindung ist nicht neu, Blin hat nur die Lizenz aus den USA gekauft. Aber dennoch: Bierbecher, die man von unten auffüllen kann, sehen schon cool aus. Steiner und Williams bekleckerten damit erstmal ihre Outfits, am Ende scheitert der Deal aber am zu selbstbewussten Angebot: Für 500.000 Euro bot der Unternehmer nur fünf Prozent Unternehmensanteile, das war allen zu wenig.

"Ihr seid zu schlau für mich"

Selbstbewusst betrat auch das letzte Gründerteam die Bühne. Zwei Millionen Euro forderten Maxim und Raphael Nitsche für ihre Mathe-App "Math 42". So viel wollte noch keiner der Kandidaten haben – aber "warum nicht Geschichte schreiben?", wie Maxim es sagt. Die Jury zeigte sich ordentlich beeindruckt von den intelligenten 19- und 20-Jährigen Jungs, die schon mit 14 anfingen, die App zu programmieren. Ein Deal kam aber auch hier nicht zustande. "Ihr seid zu schlau für mich", begründete es Lencke Steiner. Frank Thelen und Vural Öger schienen am Anfang noch nicht abgeneigt – "Das ist ein Mark Zuckerberg" – wurden sich mit den beiden Studenten aber nicht einig, sie wollten zu viel vom Unternehmen. Den Brüdern hat das jedenfalls nicht geschadet. Sie sind schon mit anderen Investoren im Gespräch, wie Maxim im Gespräch mit dem stern verriet.