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TV-Kritik

DHDL: In der Höhle der Löwen heißt es diese Woche: Grill die Gründer!

Zum Auftakt der neuen Staffel sparten die Investoren nicht mit Kritik. Vor allem zwei Grillfreaks bekamen ihr Fett ab. Für einhellige Begeisterung sorgte ein junger App-Entwickler. Carsten Maschmeyer bot ihm sofort einen Job an, warnte aber auch: "Der ist nur schwer in der Büchse zu halten."


Die Höhle der Löwen

Frank Thelen serviert Gegrilltes

TV Now

So aufgebracht hat man Dagmar Wöhrl selten erlebt. Mit hochrotem Kopf und in messerscharfem Ton herrschte sie zwei Kandidaten an: "Sie kämpfen hier gar nicht richtig für Ihr Produkt. Sie sind nur hier, weil sie Werbezeit wollen!" Rumms und raus ohne Applaus. Das Start-up-Duo trottete geschlagen aus der Arena und rang in der Interviewzone um Fassung. Schnelldiagnose: "Wir wurden gegrillt."

Ein Kuschelzoo war "Die Höhle der Löwen" nie. Was sich aber bereits in der letzten Staffel abzeichnete, scheint sich in der Neuauflage nun fortzusetzen: Maschmeyer und Co. nehmen die Erfinder und ihre Produkte kritischer unter die Lupe. Jede Ungereimtheit, jeder Fehler wird gnadenlos aufgespießt und zur Sprache gebracht. Meistens sachlich, manchmal nur noch genervt nach dem Motto: Grill den Gründer. Bei den beiden von Dagmar Wöhrl gescholtenen Unternehmern hatte die verbale Brutzelei durch die Jury noch eine komische Note: Sie stellten einen App-gesteuerten Holzkohle-Grill vor. 

Kein Appetit auf ein smartes Steak

Mit ihrer Innovation, prahlten die zwei zu Beginn ihrer Präsentation, sei das Grillen im 21. Jahrhundert angekommen. Nicht ganz so keck war allerdings der Claim, mit dem sie ihre Entwicklung überschrieben: "Wir schmieden Geschmack." Die Investorenrunde war denn auch nur mäßig bis gar nicht überzeugt von dem Techno-Rost, der das Silicon Valley in den Vorgarten bringen will. Georg Kofler witzelte: "Wird die Asche auch mit der App entsorgt oder muss man das selber erledigen?" Frank Thelen machte die Aussicht auf ein smartes Steak keinen Appetit: "Grillen ist einer der wenigen Zeitpunkte, wo ich mal abschalten kann. Ich möchte dort nicht mein Smartphone benutzen." Carsten Maschmeyer fand die Firmenbewertung von drei Millionen Euro viel zu hoch. Und dann kam Dagmar Wöhrl und holte zum finalen Punch aus.

Eine Menge Kritik musste auch ein Vater-Sohn-Gespann einstecken, das eine "individualisierbare" Kosmetiklinie präsentierte. Das Konzept: Die Kunden können sich aus vier Basis-Cremes und acht "Boostern" ihre persönliche Rezeptur zusammenstellen. Während die Produktidee durchaus Anklang fand, entdeckte Thelen in der Firmenstruktur eine "poisson pill". Die Hälfte der Anteile, stellte sich heraus, gehört dem Hersteller, der beim Pitch nicht dabei war. Thelen schimpfte: "Hey, sorry, ihr müsst euch vorbereiten, wenn ihr hier reingeht." Ralf Dümmel wurde bildlich: "Stellt euch vor, wir verloben uns heute und wollen in den nächsten zwei Wochen heiraten und gehen zum Notar und wollen eine Firma machen – und ich heirate 50 Prozent, die ich nicht sehe. So blind würde ich nicht heiraten wollen und werde ich nicht."

Dank Judith Williams erlebte das Familien-Start-up schließlich doch noch ein Happy-End. "Es ist nicht vernünftig, was ich mache, aber ich habe ein kosmetisches Herz", sagte die Beauty-Expertin und investierte 125.000 Euro bei einem Anteil von 30 Prozent. Das Dilemma mit dem dritten Anteilseigner löste sie mit einer simplen Finte: Vater und Sohn gründen einfach eine neue Company.

Ralf Dümmel macht wieder in Rost

In der vorherigen Staffel war die Investitionssumme im Vergleich zu 2018 deutlich zurückgegangen. Vor allem Carsten Maschmeyer hatte sein Engagement von 4,3 auf 2,7 Millionen runtergefahren. Frank Thelen, der nach diesem Jahr aussteigt, hatte in gar kein Projekt investiert.

Gestern nahm Thelen wieder 170.000 Euro in die Hand und steckte sie – zum ersten Mal in der Geschichte der Show – in eine Sprachlern-App, die es noch gar nicht gibt. Mehr noch als die geplante Methodik und Nutzer-Navigation überzeugte ihn der Macher des Programms – ein extrem smarter und selbstbewusster 23-Jähriger, der nach eigener Aussage zehn Sprachen fließend spricht, darunter Afrikaans und Mandarin. Auch Maschmeyer war begeistert von dem jungen Erfinder und bot ihm kurzerhand einen Job in seinem Firmennetzwerk an ("Sie sind ein outstanding sales guy"). Die ziemlich kesse Antwort des Entwicklers: "Solange ich kann, werde ich kein Arbeitnehmer sein, sondern Arbeitsplätze schaffen."

Folge 7 von "Die Höhle der Löwen" sorgt im Netz für Kopfschütteln.

Keine Folge DHDL ohne einen Deal von Ralf Dümmel, dem absoluten Chef-Investor und Publikumsliebling der Show. Während er einen Sportrucksack mit integriertem mobilen Fitnessstudio verschmähte ("Leicht zu kopieren"), schlug er bei einem Rostentferner (hier im Test) zu. Wieder waren die Erfinder Vater und Sohn, die große Stücke auf ihre Entwicklung hielten ("Dieses Produkt ist so was von sensationell, das hat es noch nie gegeben!"), seit Jahren aber nicht aus dem Quark kommen. Alle Jurykollegen winkten ab (Maschmeyer: "Ihr Produkt ist vom Wachstum her im Eimer, irgendwas ist da selbst verrostet") – Dümmel besiegelte den 100.000-Euro-Deal mit seinem Lieblingssatz: "Ich würde gerne was Großes mit Ihnen machen." Mit Korrosion hat der Unternehmer bekanntlich schon viel Kohle verdient. Vor zwei Jahren investierte er in den "Rostschreck". Verkaufte Stückzahl bis heute: 2,4 Millionen.


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