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"Die Höhle der Löwen" Die Löwen kämpfen um einen Baumpflanz-Gründer – und wollen ihn dann doch nicht

Judith Williams
Judith Williams beim Pitch von FitOaty in der Höhle der Löwen
© Bernd-Michael Maurer / TV Now
Im DHDL-Staffelfinale hauen die Löwen noch einmal eine Viertelmillion Euro raus. Zu den Siegern gehört auch ein Start-up, das mit Reisen das Klima retten will – zumindest zunächst.

"Karitalismus – hehe, das ist gut." Die Komposition aus "karitativ" und "Kapitalismus", die der Gründer von B'n'Tree bei seinem Pitch als Schlagwort in die Runde warf, war genau der Humor von Georg Kofler. Doch ist die Baumpflanz-Plattform nicht bloß ein weiterer scheinheiliger Ablasshandel für unsere CO2-Sünden?

Die präsentierten Produkte:

  • B'n'Tree – Nachhaltige Reiseplattform
  • FitOaty – Frühstücksmahlzeit zum Mitnehmen
  • Mary's Coconut Coffee – Eiskaffee mit Kokosmilch
  • miss.pinny – Schürzen aus recycelten PET-Flaschen
  • Routago – Fußgänger-Navigation für Blinde und Sehbehinderte

Der grünste Deal

Team Maschmeyer/Williams gegen Team Glagau/Kofler: Zum Abschluss der neunten Staffel wollten fast alle Löwinnen und Löwen Bäume pflanzen. Chris, Gründer der Baumpflanzplattform "Click a Tree" und Erfinder von B'n'Tree, ein 32-jähriger Tourismusmanager, konnte sein Glück kaum fassen. Über seine Plattform kann man bei großen Anbietern Reisen buchen, die dafür eine Provision bezahlen. Mit diesem Geld forsten Chris und sein Team weltweit Wälder auf. Was B'n'Tree von vielen anderen Kompensations-Companys unterscheidet: Die Initiative begleitet ihre Projekte langfristig und lehnt Ehrenamtlichkeit ab. "Wir sind keine Non-Profit-Organisation, sondern ein kommerzielles Unternehmen."

Carsten Maschmeyer outete sich wegen seiner Vielfliegerei – wenig überraschend – als Klimasünder und wollte die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, greenwashed in die Sommerpause zu gehen. In ihrem Kombi-Angebot verzichteten Judith Williams und er auf die Gewinnoption. "Wir wollen irgendwann nur unsere Investition zurück." Georg Kofler und Nils Glagau dagegen favorisierten das Modell "ehrliche unternehmerische Partnerschaft" (Kofler). Und der Gründer? Entschied sich für den "Karitalismus" – Deal Maschmeyer/Williams. Womöglich ein Fehler.

Denn wie Carsten Maschmeyer und Judith Williams nach der Sendung in einem Video-Statement auf Twitter verkündeten, ist der Deal nachträglich doch noch geplatzt. Das Projekt habe einige wichtige Kriterien nicht erfüllen können, so die beiden Löwen. 

Die Gründerin der Herzen

Claims aus der Hölle: "Hafer nice day". Einmal kurz durchschütteln und wieder klarkommen – denn die Erfinderin von FitOaty ist eine coole Person. Extrem durchtrainiert, verlor sie kein überflüssiges Wort und punktete mit ihrer herben Sachlichkeit. Das Produkt, nun gut: eine Art Früchte-Haferbrei im Glas, der auch noch ins Kühlregal muss. Heftige allergische Reaktionen unter den Investoren. Wöhrl, Williams, Kofler und Dümmel suchten sofort das Weite. Georg Kofler immerhin war so geflasht von FitOaty, dass er verbindlich 1000 Gläser bestellte ("Mein Frühstücksleben liegt hiermit in deiner Hand").

Den Deal machte schließlich Nils Glagau, ebenfalls ein Sport-Addict und Fitness-Freak. "Du bist eine geborene Gründerin, mit der man jeden Weg gehen will, egal wie schwer er ist", schmachtete er die 29-Jährige an. Die vermaledeite Kühlkette? Für den Familienunternehmer kein K.o.-Kriterium. "Wenn wir das zusammen rocken, schaffen wir es ins Kühlregal." So voller Euphorie und Testosteron schmiss er sich nach Geschäftsabschluss auf den Studioboden und lieferte sich mit Kollege Kofler einen Liegestützen-Wettbewerb.

 

Kalter Coffee-to-go

Jetzt wissen wir das auch: Georg Kofler bekommt von Kaffee Sodbrennen. Er fiel als Investor von Mary's Coconut Coffee also schon mal weg. Aber auch der Rest der Truppe war nicht hundertprozentig überzeugt von dem kalten Kaffee im Tetrapack, der mit Kokosmilch und Kokoswasser versetzt ist. "Wollt ihr jetzt mit dem 50. Produkt kommen?", rief Nils Glagau leicht angenervt den beiden Gründern zu, einem Paar mit zwei Kindern, das in München zwei Cafés betreibt. Für Verwirrung sorgte zudem noch die Ankündigung, perspektivisch zwei neue Varianten mit Hafer- und Bergbauernmilch auf den Markt zu bringen. Was wird dann aus dem Produkt-Brand?

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Ralf Dümmel focht das wie gewöhnlich nicht an. Er hörte auf seinen Bauch. Und das hieß: Der Kokos-Kaffee lief ihm gut rein – pikanterweise, weil er offenbar nicht so sehr nach Kokos schmeckt ("Ich bin kein Kokos-Freund"), sondern mehr nach Karamell. "Jetzt müsst ihr nur noch ja sagen, dann springe ich hoch!" Natürlich willigten die Gründer ein. (Wie unserem Redakteur der Kaffee der Träume schmeckte, erfahren Sie hier.)

No-Deal der Woche

Für Menschen mit Sehbehinderung könnte Routago tatsächlich eine neue Welt eröffnen. Die App navigiert die Nutzer nicht – wie etwa Google Maps – auf der Straßenmitte, sondern auf den Fußgängerwegen. Dazu warnt sie live vor Hindernissen auf der Strecke. Hinter dem Projekt stehen zwei erfahrene IT-Unternehmer, die lediglich mit drei Programmierern zusammenarbeiten. Für die Algorithmen ist ein Professor der Mathematik zuständig. Georg Kofler schubberte nervös in seinem Sessel herum. "Ich bin voller Bewunderung", sagte er, "dass Ihre App nicht im Silicon Valley mit Hilfe von 3000 Programmierern gemacht wurde".

Doch nach diesem kurzzeitigen Hoch folgte eine Armada von Abers. Denn die beiden IT-Experten, die ihre Anwendung im Abo-Modell anbieten und sich von den Investoren 600.000 Euro wünschten, haben nicht den blassesten Schimmer von Marketing und Nutzermanagement. 100.000 User wollen sie in drei Jahren in Europa gewinnen. "Nicht mal mit drei Millionen Euro Invest kämt ihr auf diese Zahl", rechnete ihnen Kofler vor. Auch Carsten Maschmeyer, der den Gründern einen "edlen Nutzungszweck" bescheinigte, glaubte nicht an den Plan. Raus mit Applaus – aber ohne Geld.

(Hinweis: Dieser Artikel wurde nachträglich mit der Absage von Carsten Maschmeyer und Judith Williams an B'n'Tree aktualisiert)

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