HOME

IAA in Frankfurt: Autokonzerne müssen Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufbessern

Auf der IAA zeigen die Autobauer ihre neuen Wagen. Doch das reicht nicht, findet Angela Merkel. Die Kanzlerin hat die Industrie aufgefordert, sich mehr um das verloren gegangene Vertrauen der Verbraucher zu bemühen. 

Angela Merkel besuchte auf dem Eröffnungs-Rundgang der IAA in Frankfurt mehrere Aussteller

Angela Merkel besuchte auf dem Eröffnungs-Rundgang der IAA in Frankfurt mehrere Aussteller

Zur Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main wählte Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnende Worte. Die Autokonzerne müssten "alles daran setzen,  und Vertrauen so schnell wie möglich zurückzugewinnen", sagte die CDU-Vorsitzende am Donnerstag. Unternehmen hätten Regelungslücken "exzessiv" ausgenutzt. Sie hätten sich damit selbst Schaden zugefügt, aber auch Verbraucher und Behörden "getäuscht und enttäuscht".

Sie hob zugleich die Bedeutung der Autoindustrie für Deutschland hervor. Auch wenn das kritisierte Verhalten nur eine Minderheit der Branche betreffe, sei viel Vertrauen zerstört worden, so weiter. Dieses wieder zurückzugewinnen, sei im Interesse der Unternehmen, aber auch des gesamten Standorts Deutschland. Die Branche sei eine "Schlüsselindustrie" für die deutsche Wirtschaft.

Automobilverband räumt Fehler ein

Der Präsident des Automobilverbands VDA, Matthias Wissmann, räumte "gravierende Fehler" ein, warnte aber vor Pauschalurteilen. Die Autobranche sei sich bewusst, dass sie Vertrauen verloren habe. Es sei nun ihr "zentrales Anliegen", dieses wieder zurückzugewinnen. Wissmann wandte sich zugleich gegen "Pauschalurteile" und gegen Fahrverbote. "Innovative Zukunftsstrategien" seien "allemal besser als pauschale Fahrverbote".

Umweltschutzverbände kritisierten die Autobranche und forderten ein entschiedeneres Vorgehen der Politik. Merkel müsse die ultimativ auffordern, ab 2018 nur noch saubere Diesel-Pkw zu verkaufen, "die auch auf der Straße und nicht nur im Labor die Abgasgrenzwerte einhalten", erklärte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch.

Deutliches Bekenntnis fehlt weiter

Der Verkehrsclub Deutschland warf Merkel vor, sie habe die Chance vergeben, "einen deutlichen Neuanfang in der von Betrug belasteten Automobilbranche politisch anzustoßen". Der Verband begrüße zwar die Kritik Merkels an der Industrie, vermisse aber ein "deutliches Bekenntnis zu Taten".

Nach zwei Fachbesuchertagen am Donnerstag und Freitag wird die Autoschau ab Samstag bis zum 24. September auch für das breite Publikum geöffnet. Zahlreiche Hersteller präsentieren in Frankfurt neue Modelle. Schwerpunkte sind in diesem Jahr unter anderem die Digitalisierung und die Elektromobilität. Rund 1000 Aussteller aus 39 Ländern sind auf der IAA vertreten.

fri/AFP

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren