Ausbildungspakt Gemischte Zwischenbilanz


Sieben Wochen ist der Ausbildungspakt zwischen der Regierung und der Wirtschaft alt. Die Zwischenbilanz fällt gemischt aus: Die Handelskammer ist zufrieden, die Bundesanstalt für Arbeit dagegen zeigt sich skeptisch.

Ungeachtet von noch rund 238.000 lehrstellensuchenden Jugendlichen sehen Industrie und Handwerk den Ausbildungspakt mit der Bundesregierung auf Erfolgskurs. "Der Pakt wirkt", sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun und verwies allein auf 18.900 zusätzliche Plätze bei Handel und Industrie seit Abschluss der Vereinbarung vor sechs Wochen. SPD-Fraktionschef Franz Müntefering nannte die Entwicklung "erfreulich, aber noch nicht befriedigend." Der Deutsche Gewerkschaftsbund sah dagegen für "Jubelmeldungen keinen Anlass". Der Chef der Bundesagenttur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sieht noch keine Wirkung des sieben Wochen alten Ausbildungspaktes. Derzeit sei keine besserung in Sicht, sagte Weise am Mittwoch in Nürnberg bei der Vorstellung der Arbeitsmarktbilanz für Juli.

Ende Juli noch 238.000 ohne Ausbildungsplatz

Ende Juli - vier Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres - standen den 238.000 bislang noch unversorgten Jugendlichen bundesweit 75.869 unbesetzte Plätze bei den Arbeitsämtern gegenüber. Ein Großteil der noch Suchenden wird aber erfahrungsgemäß in den nächsten Wochen in Schulen oder anderen Maßnahmen untergebracht werden. Gleichwohl rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) damit, dass zum gesetzlichen Stichtag 30. September noch 20.000 bis 30.000 Jugendliche ohne Lehrstelle sein könnten. Dies müsse der Startschuss für weitere Bemühungen sein, sagte Braun.

Im vergangenen Jahr waren zu diesem Bilanzstichtag 35.000 Jugendliche als unversorgt gemeldet. 1997 waren es sogar 47.500 Unversorgte. Dies war der schlechteste Wert seit der Wiedervereinigung. Braun wie auch das Handwerk äußerten sich zuversichtlich, dass der Zuwachs bei den Vertragsabschlüssen in den nächsten Wochen andauern wird. Ende Juli seien allein im DIHK-Bereich 3,9 Prozent mehr Verträge unterzeichnet gewesen als im Vorjahr. Handwerkspräsident Dieter Philipp verwies darauf, dass bis Ende Juli 6.202 Unternehmen neu als Ausbildungsbetriebe gewonnen werden konnten.

Ausbildungspakt: 30.000 zusätzliche Stellen

Die Wirtschaftsverbände hatten im Ausbildungspakt mit der Bundesregierung 30 000 zusätzliche Lehrstellen sowie 25.000 einjährige Praktikumsplätze zum Berufseinstieg zugesagt. Letztere sollen vor allem an die zum 30. September noch nicht vermittelten Jugendlichen vergeben werden. Dafür zahlt die Bundesregierung die Sozialabgaben sowie einen Lohnkostenzuschuss. Zuvor sollen die Nicht- Vermittelten jedoch einem "Kompetenzcheck" unterzogen werden. Ziel ist, sie auf Herz und Nieren zu prüfen, um sie nachträglich noch vermitteln zu können. Wenn die Qualifikation nicht ausreicht, sollen sie zumindest ein Praktikum bekommen. Im Ausbildungspakt hat die Wirtschaft 25.000 Plätze für solche "Einstiegsqualifikationen2 zugesagt. Doch viele Unternehmer bezweifeln, ob dieses neue Instrument taugt. Bislang wurden den IHKs erst 5.000 Plätze gemeldet.Der 30. September sei für den Erfolg des Paktes nicht entscheidend. "Wir können erst zum Jahresende bilanzieren", sagte Braun.

Müntefering sagte, auch wenn die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage derzeit schrumpfe, müssten die Anstrengungen weitergehen. Ziel bleibe, dass "alle ausbildungsfähigen und -willigen jungen Menschen eine Ausbildungschance erhalten" - wie dies im Ausbildungspakt vereinbart worden sei. Dabei seien aber nicht nur Unternehmen und Verwaltungen gefordert. Auch die Jugendlichen müssten sich mit der nötigen Flexibilität und Intensität um eine Ausbildungschance bemühen. Nach der Bilanz der Nürnberger Bundesagentur hatten Firmen und Verwaltungen bis Ende Juli den Arbeitsämtern 438.540 betriebliche Lehrstellen angeboten - 5,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Wirtschaftsministerium wies jedoch darauf hin, dass durch die Aktivitäten der Kammern viele Lehrstellen direkt vergeben und nicht bei der Bundesagentur gemeldet würden.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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