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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Alles was ich bin, habe ich Frauen zu verdanken

Jüngst war Frank Behrendt Gastredner auf einer Veranstaltung des Female Business Netzwerkes "Nushu". Dabei stellte er wieder fest, dass Frauen sein ganzes (Berufs)Leben lang seine wichtigsten Impulsgeberinnen gewesen sind. Grund genug um hier kollektiv Danke zu sagen.

Frank Behrendt zu Gast beim Frauen-Business-Netzwerk Nushu

Frank Behrendt zu Gast beim Frauen-Business-Netzwerk Nushu

Da saß ich nun, auf einem Barhocker im smarten Düsseldorfer Büroloft des Personalvermittlers Kroongard als einziger Mann allein unter ganz vielen Frauen. Meine wunderbare frühere Mitarbeiterin Annelies Peiner hatte mich als Impulsgeber eingeladen, sie führt jetzt gemeinsam mit Melanie Schütze die Geschäfte beim Frauen-Business-Netzwerk "Nushu".

Der Name ist bestes Storytellling: "Nushu" bezeichnet ein chinesisches Schriftsystem, das in der Provinz Hunan im 15. Jahrhundert entwickelt und ausschließlich von Frauen benutzt wurde. Der Hintergrund ist ein ernster, denn jahrhundertelang hatten Frauen in der chinesischen Geschichte wenig Rechte. Mit ihrer eigenen Schrift wahrten Frauen die Chance, sich untereinander auszutauschen.

Austausch findet auch bei den Zusammenkünften des modernen Frauen-Netzwerkes statt. Niemand geht ohne neue Kontakte und vor allem ohne neue Inspiration nach Hause. "Frauen netzwerken schlechter" lautete die Überschrift eines Artikels, den ich Anfang des Jahres in der "Business Punk" las. Karin Kreutzer, Professorin für Social Business und Recht an der EBS Universität hatte sich intensiv mit dem Thema Netzwerken auseinandergesetzt und festgestellt, dass Frauen oft defensiver agieren, wenn es darum geht, ein Netzwerk für die Karriere zu nutzen. "Frauen achten mehr darauf", so die Professorin, "die Beziehungen ausgeglichen zu halten und sind oft sogar bereit, mehr zu geben als sie bekommen."

Vielleicht ist das nach wie vor auch einer der Gründe, warum viel zu wenig weibliche Führungskräfte in den oberen Etagen der Unternehmen zu Hause sind. Diesbezüglich ist gerade Deutschland "ein klares Entwicklungsland", erklärte kürzlich Wiebke Ankersen, Co-Geschäftsführerin der deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung, die sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft einsetzt.

Bundesministerin Franziska Giffey sprach ebenfalls von ernüchternden Fakten mit Blick auf den Frauenanteil in den Top-Etagen. Nur 14,7 Prozent der Vorstandsmitglieder der Dax-30-Konzerne sind aktuell weiblich, bei den 30 Unternehmen im nordamerikanischen Börsenleitindex Dow Jones sind es immerhin nahezu doppelt so viele. Werde das jetzige Tempo fortgesetzt, so Giffey, wäre erst im Jahr 2041 ein Frauenanteil von 40 Prozent in den deutschen Vorstandsetagen erreicht. Ein Trauerspiel.

Ich persönlich habe immer extrem von weiblichen Führungskräften profitiert und deshalb war mein Statement "Alles was ich heute bin, habe ich Frauen zu verdanken" an dem Abend in Düsseldorf nicht einfach nur so daher gesagt. Nicht nur, dass meine Mutter, meine Schwester, meine beiden Töchter und meine starke Ehefrau mich geprägt haben und weiter prägen, auch im Beruf war eine meiner ersten Führungskräfte eine Frau. Und was für eine! Furchtlos mischte sie in den 80er Jahren die männliche Managerriege beim ehrwürdigen Waschmittelhersteller Henkel auf. Mutig, kreativ, leidenschaftlich und erfolgreich.

Ich segelte begeistert in ihrem Windschatten und habe extrem viel von ihr gelernt. Auch ihre vorgelebten Attribute Empathie und Emotion habe ich mir später als Manager zu eigen gemacht und bin damit sehr gut gefahren. Aber auch von weiblichen Kundinnen habe ich gelernt und ohne sie wäre ich ebenfalls nie so weit gekommen. Als ich als Jungspund die Düsseldorfer Filiale der Verkaufsförderungsagentur Stein Promotions übernahm, hatte sich mein Vorgänger mit nahezu allen Mitarbeitern und Kunden in die Selbstständigkeit verabschiedet.

Gemeinsam mit einer verbliebenen Auszubildenden stand ich mit dem Rücken zur Wand. Es war eine Frau, ihres Zeichen Marketingmanagerin beim Schokoladenriegelhersteller Mars in Viersen, die uns eine Chance gab. Wir haben sie genutzt und anschließend eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben. Ich habe das dieser großartigen Frau nie vergessen und vielleicht ist ihr damaliges Verhalten einer der Gründe, warum ich selbst immer gerne Frauen im Job gefördert und kreative Lösungen gefunden habe, wie Mitarbeiterinnen Familie und Job perfekt unter einen Hut bekamen.

Begeistert war ich auf dem Network-Event auch von meinen beiden Mit-Rednerinnen Ulla Sautter und Inna Hauf. Es ging um das Thema "Purpose" und wie man einen Job findet, der einen möglichst erfüllt. Jede der beiden empathischen Frauen beschrieb ihren Weg auf ihre ganz eigene Art und Weise. Nicht nur die Sonnenseiten, auch die beschwerlichen Momente. Ehrlich, authentisch, mit viel Herz. Ich hatte eine Gänsehaut, als ich ihnen zuhörte. Meine allererste Chefin hatte mir damals auch einen Satz mit auf den Weg gegeben, wenn es um den Umgang mit Menschen und vor allem um die Entscheidung bei der Auswahl von geeigneten Bewerbern ging. Ich habe ihn nie vergessen: "Hör auf dein Herz."

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