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Arbeitsplatzstudie: Macht das Homeoffice glücklich - oder wird die Arbeit von zu Hause aus überschätzt?

Das Homeoffice soll Arbeiten und Freizeit besser miteinander verzahnen, die SPD will ein gesetzliches Recht darauf festschreiben. Doch wie beliebt ist die Heimarbeit bei den Beschäftigten überhaupt? Genau das zeigt jetzt eine Studie.

Homeoffice

Die Arbeitswelt wird mobiler, Emails können unterwegs beantwortet werden, durch Smartphones ist man nonstop erreichbar. Das ermöglicht Mitarbeitern, den Arbeitsplatz auch bequem nach Hause verlegen zu können. Nachmittags kurz das Kind aus der Kita abholen? Kein Problem. Mittags noch in den Supermarkt? Na klar. 

Doch nicht alle Arbeitgeber in Deutschland erlauben ihren Angestellten, von zu Hause zu arbeiten. Die SPD feilt schon an einem Recht auf Homeoffice. Dabei stellt sich die Frage: Wollen auch wirklich alle die Heimarbeit? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liefert nun frische Zahlen.

Homeoffice nimmt langsam zu

Laut der Befragung in 16.000 Betrieben aller Betriebsgrößen und Wirtschaftszweige ermöglicht es rund ein Viertel der Unternehmen ihren Mitarbeitern, das Homeoffice zu nutzen. 12 Prozent der Beschäftigten nutzt dies auch. Ein Blick auf die privatwirtschaftlichen Betriebe zeigt, dass die Nutzung des Homeoffices langsam zunimmt. Dort arbeiten inzwischen 22 Prozent der Mitarbeiter in Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigen von zu Hause aus. Im Jahr 2013 waren es erst 19 Prozent.

Rund die Hälfte der Befragten gab an, dass sie mit dem Homeoffice glücklich sind. Doch im Umkehrschluss heißt das auch, dass die andere Hälfte nicht ganz so euphorisch auf das mobile Arbeiten in den heimischen vier Wänden reagiert. "Die erhöhte Flexibilität ist ein zweischneidiges Schwert: Während die Hälfte der Beschäftigten mit Homeoffice darin den Vorteil einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sieht, berichten beinahe ebenso viele von Problemen bei der Trennung zwischen beidem", so die Studienautoren des IAB.  

Was gegen das Homeoffice spricht

Vor allem die ständige Erreichbarkeit und das Verwischen der Grenze zwischen Arbeit und Privatem setzt den Mitarbeitern zu. Außerdem wird das Homeoffice offenbar auch dafür genutzt, in den Abendstunden und am Wochenende zu arbeiten - also zu Zeiten, die ganz klar als Freizeit gelten. "Die Auswertung der Beschäftigtenbefragung 2017 zeigt, dass 44 Prozent der Beschäftigten, die zu Hause arbeiten, dies laut eigener Aussage sogar 'ausschließlich in ihrer Freizeit' tun. Diese Gruppe ist insofern interessant, weil sie eben gar nicht während des normalen Arbeitstages zu Hause arbeitet", so die IAB-Experten.

Neben der verschwimmenden Grenze zwischen Freizeit und Job ist der fehlende Kontakt zu Kollegen ein Problem im Homeoffice. Dass der Vorgesetzte Faulheit im Homeoffice unterstellt, ist hingegen nicht das große Problem bei den Mitarbeitern.

Die Forscher fanden heraus, dass das Homeoffice bis heute kein Massenphänomen in Deutschland ist. Und: Die Mitarbeiter arbeiten eher stundenweise von zu Hause aus als ganze Tage im Homeoffice zu sitzen. 63 Prozent der Mitarbeiter nutzen das Stundenmodell, nur 22 Prozent sitzen ganze Arbeitstage im Homeoffice. 

Homeoffice ist kein Massenphänomen

"In der öffentlichen Diskussion um die Vor- und Nachteile des Arbeitens von zu Hause wird häufig implizit unterstellt, dass ein Großteil der Beschäftigten zumindest ab und an gerne von zu Hause arbeiten würde. Dabei wird meist übersehen, dass dies gar nicht zutrifft: Unter denjenigen, die nicht von zu Hause arbeiten, möchten dies zwei Drittel laut eigener Aussage auch gar nicht", führen die Experten an. Nur jeder neunte Mitarbeiter, der die Möglichkeit des Homeoffice hat, gab bei der Befragung an, dass er dies auch wirklich wolle. Offenbar ist es eben nicht die große, breite Masse der Mitarbeiter, die im Homeoffice sitzen will.

Auf der anderen Seite sind Mitarbeiter, die sich das Homeoffice wünschen, aber weiterhin im Büro sitzen müssen, weniger zufrieden mit ihrem Job. "Interessantere Fragestellungen ergeben sich aus unserer Sicht mit Blick auf die effiziente Gestaltung zukünftiger Homeoffice-Regelungen in den Unternehmen", so die Autoren. "So könnte es sinnvoll sein, die Gruppe derjenigen, die Homeoffice nutzen können, zu erweitern und im Zweifelsfall eher den Anteil der im Homeoffice zu arbeitenden Stunden zwischen den Beschäftigten zu variieren. Damit könnten auch Personen Zugang bekommen, deren Tätigkeiten zum Großteil – aber nicht ausschließlich – am Arbeitsplatz erledigt werden müssen."

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kg
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