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L. Karasek: Tippt die noch ganz richtig?: Aufraffen und Schweinehunde: Warum es so schwer ist, einfach mal liegenzubleiben

Einfach mal liegen bleiben, das ist der große Traum jedes vielbeschäftigten Erwachsenen. Stattdessen müssen wir Alltag, Job, Kinder und Hobbys herumjonglieren - auch stern-Autorin Laura Karasek. Doch manchmal bleibt der Schweinehund im Bett.

Getty Images

Das Leben ist Aufraffen: Wie viel Kraft es kostet, nicht den ganzen Tag liegen zu bleiben.

Wie viel Kraft es kostet, sich anzuziehen. Zum Sport zu gehen. Jeden Tag. Das ist nicht eine Erledigung wie Apotheke oder Versicherung (die übrigens auch unfassbar viel Kraft kosten. Und nervig sind), das ist eigentlich jeden Tag wieder von Neuem vor Dir. Nicht monatlich. Nicht wöchentlich. Täglich. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – aber warum folgt ein Spiel so verdammt schnell auf das nächste?

Kaum ist der Sport geschafft, schon musste wieder ran. Und dann kommt ja schon die nächste Aufgabe, das To-do, der Tag nimmt seinen Lauf – und Du läufst hinterher. Mit Krücken. Humpelnd. Du gerätst außer Atem. Anrufen, Mailen, Rückmailen, Feedbacken, Drucken, Printen, Schreiben, Erstellen, Verfassen, Tippen, Kalkulieren, Präsentieren, Optimieren, Maximieren.

Der Traum vom Nichtstun

Dabei wärst Du so gern liegen geblieben. Wie ein Verwahrloster! Essen bestellen, Lieferservice, kein Sport, kein Aufräumen, kein Rückruf, keine Mail, kein Paket bei der Post abholen, keinen neuen Ausweis beantragen, kein Geschenk für Annas Geburtstag kaufen, kein Waschpulver besorgen, keinen Rohrreiniger, keinen Klempner kontaktieren wegen des Wasserhahns.

Du könntest jetzt schlafen, essen, trinken, knutschen, reden – und trotzdem verbaust Du Dir den ganzen Tag mit Aufgaben. Oder die Aufgaben mauern Dich zu, sie versperren Dir den Weg und Du bist unglücklich. Dabei solltest Du doch glücklich sein, Du westdeutsche Wohlstandsfritte mit genug Kleidern im Schrank und genug Freunden auf Whatsapp und mit einer Geschirrspülmaschine und einem Fahrrad. Du kannst wählen. Du kannst einkaufen. Du kannst jeden Tag warm duschen.

#betterlife oder Selbstvergessenheit?

Und warum so viel Selbstverwirklichung und so wenig Selbstvergessenheit, Selbstzerstörung, Selbst-gar-nichts? Du willst Dich gar nicht laufend mit Dir selbst beschäftigen. Nur leider wirst Du Dich selbst nicht los. Du warst noch nie ohne Dich unterwegs. Und nun sind all Deine tollen Möglichkeiten zum Imperativ geworden. Ist ja nur ein Angebot, ein Angebot zum #betterlife, zum immer mehr als gestern, zum Toppen Deiner Selbst. "lifegoals, workgoals, couplegoals" – woher sollen täglich die Ziele kommen? Da hilft auch kein Social Network, das Dir morgens die Profile irgendwelcher unorigineller wannabe Athleten entgegen spült, auf denen sowas steht wie "motivation" oder "inspiration" oder "mondaymotivation".

Vergiss nicht, Dir noch das Briefpapier aus Hirse zu bestellen, repariere noch schnell den Computer, das Wifi geht mal wieder nicht, geh zum Friseur, geh zum Arzt, sorge für Dich, spende Blut, spende Trost, der Reifen vom Rad ist leer. Es ist alles leer, es sind Erledigungstaktiken, Beschäftigungstherapien, eine unendliche Aneinanderreihung von allem, was es zu bewältigen gibt. Aufgaben, von denen Du Dir die meisten selbst gestellt hast.

Lebe das Leben in vollkornigen Zügen! Du bist so frei wie nie. Und deshalb irrst Du hektisch in Deiner kleinen Zelle umher.

Schweinehunde im Rudel

Es gibt sie, diese Tage, an denen Dir alles schwer fällt. Selbst der Griff zum Kaffee. Selbst der Griff am Wasserhahn. Du hast gekleckert? Scheiß aufs Taschentuch. Du hast Deine Briefe seit Tagen nicht geöffnet? Ändert sowieso nichts. Du willst Dich der Welt nicht stellen, Deine Vorhänge bleiben zu, Du hast inzwischen mehr Pfandflaschen als Unterhosen und den Vormittag kennst Du höchstens noch aus der Schulzeit.

Nein, Du kämpfst nicht gegen einen einzelnen inneren Schweinehund. Deine Hunde haben sich vermehrt, sie bellen und kläffen und kommen im Rudel daher. Du kannst sie nicht besiegen, eher wächst Du mit der Couch zusammen und ernährst Dich von Scheiblettenkäse auf abgelaufenem (ungetoasteten, denn der Gang zum Toaster kostet Dich zu viel Kraft) Toastbrot. Ist nicht jeder Mensch mal ein Hartzer?

Tagesform

Es gibt sie, diese Tage, an denen Dir alles leichtfällt. Selbst der Weg zum Personalchef. Selbst die siebenundachtzigste Kniebeuge. Die Versöhnung mit Deiner Freundin. Du singst zwischendrin Karaoke und hältst die dritte Präsentation. Es folgt ein Kletterausflug mit dem Büro. Dir fällt alles so leicht. Selbst die keine Zigarette. Selbst die achte Überweisung. Selbst der finnische Dokumentarfilm mit Untertiteln. Selbst das Kind, das nicht müde wird. Und selbst Du, die nicht müde wird. Deine Schlaflosigkeit ist Genuss. Dein Stress ist Euphorie. Und Dein Sport, Lesen, Schreiben, Funktionieren, Überweisen, Anziehen, Ausziehen, Umziehen, Duschen, Zurückrufen, Mailsbeantworten, Turnen, Sprinten ist Hobby. Dein Schweinehund ist ein Welpe, mit dem Du wild im Garten toben willst.

Du brauchst keinen Yogatermin, kein Achtsamkeitsseminar. Du brauchst nur den richtigen Tag.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(