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Probezeit: Kein Kündigungsschutz in der Kennlernphase

Nach dem Motto "Drum prüfe, wer sich ewig bindet" lernen sich Unternehmen und Arbeitnehmer in der Probezeit über mehrere Monate hinweg kennen. In dieser Zeit gelten oft andere Regeln bei Gehalt, Urlaub - und Kündigung.

Die Probezeit ist eine feine Sache: Der Arbeitgeber kann in dieser Zeit die fachliche Eignung des neuen Mitarbeiters prüfen - und wie er sich an die Atmosphäre im Unternehmen anpasst. Und auch der Mitarbeiter lernt die Tätigkeit sowie die Vorgesetzten und Kollegen erst richtig im Laufe der ersten Monate kennen.

Verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten

Die Probezeit wird unterschiedlich ausgestaltet. Das kann beim inzwischen weit verbreiteten befristeten Probearbeitsverhältnis in kurzen Zeitverträgen ein Monat aber auch länger sein. Gerade beim "Probearbeiten" ist es aber für den Mitarbeiter legitim, bei der Umwandlung in ein längeres Arbeitsverhältnis die Anrechnung der Probearbeitszeit einzufordern.

Viele arbeitsvertragliche Regelungen unterscheiden sich in dem Zeitraum vor und nach der Probezeit - dies betrifft oft Urlaub oder Gehalt und vor allem die Kündigungsfrist. In Unternehmen, die wegen der Anzahl von mindestens mehr als zehn fest angestellten Mitarbeiten dem Kündigungsschutzgesetz unterliegen, greift nach der Probezeit von sechs Monaten das Kündigungsschutzgesetz. Es gewährt unabhängig von der vereinbarten Probezeit nach dieser Zeit den vollen Kündigungsschutz. Deshalb steht in den meisten Arbeitsverträgen eine Probezeit von maximal sechs Monaten.

Probezeiten sind nicht gesetzlich vorgeschrieben

Mit Ausnahme der Beschäftigungsverhältnisse in der Berufsausbildung gibt es für Probezeiten eigentlich keine gesetzlichen Vorgaben. Es gilt jedoch die Faustformel: "Je größer die Komplexität und Schwierigkeit der Arbeit ist, desto länger ist in der Regel die Probezeit." Allgemein haben sich in Tarifverträgen ein bis drei Monate eingebürgert. In frei verhandelten Verträgen finden sich oft sechs Monate. In einigen Bereichen wie Wissenschaft oder Kultur sind es sogar bis zu zwölf Monate. Wichtig: Generell ersetzen eventuelle tarifvertragliche Regelungen solche aus Einzelverträgen.

Während der Probezeit kann der Arbeitgeber ebenso wie danach eine ordentliche oder außerordentliche Kündigung aussprechen. Die außerordentliche Kündigung ist wegen der kurzen Kündigungsfristen innerhalb der Probezeit jedoch selten. Bei einer Probezeit von bis zu sechs Monaten kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit einer ordentlichen Kündigung nach zwei Wochen lösen. Kürzere Fristen gestatten nur Tarifverträge. Bei Probezeiten von mehr als sechs Monaten gilt ein Zeitraum von vier Wochen. Wurde die Probezeit als Mindestvertragszeit vereinbart, ist eine ordentliche Kündigung jedoch ausgeschlossen.

Einmalige Verlängerung Für den Beginn der Probezeit ist alleinig der erste Arbeitstag maßgeblich, nicht der Termin des Vorstellungsgespräches oder der Tag der Vertragsunterzeichnung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können sich auch während der Probezeit einvernehmlich auf deren Verlängerung verständigen, jedoch nur einmalig. Fehlzeiten während der Probezeit führen nicht automatisch zu deren Verlängerung. Lediglich längere Fehlzeiten zum Beispiel auf Grund langer Erkrankungen geben dafür Anlass.

von Ulf Weigelt

Der Sachbuchautor Ulf Weigelt ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Weigelt und Ziegler in Berlin-Prenzlauer Berg

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