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Nach Yi-Ko-Skandal: Kann dieser Russe Burger King retten?

Seit gestern ist klar: Der Investor Alexander Kolobow übernimmt die geschlossenen Burger-King-Filialen. Er entstammt einer schillernden, reichen Familie. Wird nun alles gut? Annäherung an ein Phantom.

Von Lukas Heiny, Karin Stawski und Andreas Albes

Der Russe Alexander Kolobow soll die geschlossenen Yi-Ko-Filialen allein weiterführen.

Der Russe Alexander Kolobow soll die geschlossenen Yi-Ko-Filialen allein weiterführen.

Seit Mittwoch haben die rund 3000 Burger King-Mitarbeiter der Yi-Ko Holding einen neuen Hoffnungsträger: den Russen Alexander Kolobow. Am Mittwoch wurde bekannt, dass er die Anteile seines bisherigen Geschäftspartners Ergün Yildiz übernehmen wird. Sein Anwalt erklärte, damit sei "einer der wesentlichen Gründe, die zur Kündigung der Franchiseverträge geführt haben, entfallen". Prompt machten Gerüchte die Runde, die geschlossenen 89 Filialen könnten schon Ende dieser Woche wieder öffnen. "Vielleicht wird jetzt doch noch alles gut", sagte ein Mitarbeiter dem stern. Auf die Wut folgte Hoffnung. Doch ob wirklich alles gut wird, hängt nun maßgeblich ab von Alexander Kolobow, dem zwar bislang schon 50 Prozent an Yi-Ko gehörten, der aber bislang nicht mehr als ein Phantom war. Wer ist dieser Mann? Und was ist von ihm zu erwarten?

Alexander Kolobow, heute 35 Jahre alt, spricht perfekt Englisch. Er studierte an der London School of Economics, ist verheiratet und hat mindestens einen Sohn. Er lebt als Geschäftsmann und Investor in Moskau. Kolobow, der zwei jüngere Brüder hat, entstammt einer schwerreichen russischen Familie. Im Laufe der Jahre haben sie erst in Moskau und Sankt Petersburg und später russlandweit ein kleines Gastronomie-Imperium aufgebaut. Der Vater eröffnete einst das erste Hard Rock Cafe des Landes, eine kleine Sensation damals. Eine Zeit lang gehörte auch das „Chesterfield“ in Moskau der Familie, wo einst Billignutten westliche Freier abschleppten. Heute zählen eine Kette von Sushi-Restaurants und etliche italienische Restaurants zum Reich der Kolobows. Herzstück ist bis heute die Kaffeehaus-Kette „Schokoladniza“, auch sie einst vom Vater gegründet. Alexander Kolobow soll dort inzwischen als Mit-Eigentümer firmieren. Die Kette ist Russlands Marktführer mit inzwischen 240 Filialen, selbst internationale Ketten wie Starbucks sind nicht so weit verbreitet im Riesenreich.

Russlands Staatsbank finanziert Expansion

Kolobows eigenes Meisterstück ist Burger King. 2010 eröffnete er als Franchise-Nehmer die erste russische Filiale in einer Shopping-Mall in Moskau, es folgten 53 weitere, bevor er 2012 ganz offiziell zum Russland-Eroberer im Namen des US-Konzerns wurde. Seine Firma heißt Burger Rus, gemeldet im Steuerparadies Zypern. Burger King ist als Minderheitsgesellschafter beteiligt. Das Geld für die Expansion hat maßgeblich die russische Staatsbank VTB beigesteuert, sie ist ebenfalls Mitgesellschafter, zahlte allein bei ihrem Einstieg 50 Millionen US-Dollar. Kolobow werde Burger King nach Russland bringen, frohlockten die Manager in den USA damals. Er habe "einen exzellenten Track-Record", hieß es damals stolz aus Miami. Und Kolobow lieferte.

Bis Ende 2013 hat Kolobow in Russland 174 Filialen eröffnet. Zwar ist der große Rivale McDonald’s unangefochtener Marktführer in dem auf 9,6 Milliarden Dollar geschätzten Markt, aber Burger King hat sich immerhin einen 5-Prozent-Anteil gesichert. "Kolobow ist die treibende Kraft hinter unserer spektakulären Expansion in Russland", erklärte Andreas Bork von Burger King Europe, als er ihn 2013 auch als Partner in Deutschland vorstellte.

Im Mai 2013 verkaufte Burger King nämlich Kolobow und dessen Geschäftspartner Ergün Yildiz die letzten 91 eigenen Filialen, die in Deutschland noch nicht von Franchisenehmern betrieben wurden. Yildiz übernahm das operative Geschäft, Kolobow hielt sich als Finanzier im Hintergrund. Er steckte über seine ebenfalls auf Zypern firmierende Caronada Holding Millionen in die gemeinsame Firma Yi-Ko. Neben der Übernahme verpflichteten sich die beiden, 57 der übernommenen Filialen umfassend zu modernisieren und weitere Läden neu zu eröffnen.

Der Mann im Hintergrund

Nachdem das RTL-Team um Günther Wallraff im Frühjahr dieses Jahres die hygienischen und arbeitsrechtlichen Missstände in den Filialen publik gemacht hatte, musste sich Geschäftspartner Yildiz zurückziehen. An Kolobow aber hielt Burger King immer fest. "Wir haben uns sehr intensiv mit Herrn Kolobow unterhalten", sagte Deutschland-Chef Bork im Ende Mai 2013 der "Wirtschaftswoche". "Entscheidungen werden nicht ohne sein Mitwirken passieren, und er begleitet die Veränderungen aktiv und positiv." Bis zuletzt hatte es im Hintergrund immer wieder Gespräche mit ihm und seinen Abgesandten gegeben, wie er auch ohne den ungeliebten Partner im Geschäft bleiben könnte. Kolobow, so erfuhr der stern in seinem Umfeld, wollte seine Millionen nicht einfach so verschenken. Die Kündigung in der vergangenen Woche sei für ihn überraschend gekommen. Es folgten Tage intensiver Gespräche.

Vertrauen zurückgewinnen

Seit gestern ist nun klar: Er übernimmt auch die Gesellschaftsanteile von Yildiz. Seine Anwälte erklärten, er wolle sich nunmehr "persönlich" dafür einsetzen, "die baldige Stabilisierung des Unternehmens und die Wiedereröffnung der Restaurants voranzutreiben". Deshalb würden nun direkte und intensive Gespräche mit Burger King gesucht, "um die beste Lösung zu erarbeiten und die Gesellschaft im Interesse ihrer rund 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie im Interesse des guten Rufs der Marke Burger King schnellstmöglich aus der Krise zu befreien". Kolobov werde auch alle Maßnahmen einleiten, um das Vertrauen der Mitarbeiter und Kunden so schnell wie möglich zurückzugewinnen. Dazu gehörten auch Gespräche mit der Gewerkschaft. Wie stark er sich nun jedoch wirklich operativ in die Geschäfte einmischen wird, ist unklar. Und auch wie es konkret in den Filialen weitergehen wird, lässt sich momentan nicht sagen.

Die Gewerkschaft NGG bietet diese Facebook-Seite für betroffene Mitarbeiter, um sich auszutauschen - aber auch, um neue Mitglieder zu werben.

In einer Facebook-Gruppe äußern sich Mitarbeiter aus den betroffenen Filialen. Sie setzen ihre Hoffnungen auf den Mann aus Russland.

"Wir sehen Burger King in der Pflicht"

Der alleinige Gesellschafterwechsel, so viel ist klar, wird wohl nicht reichen, damit die Filialen wieder aufmachen dürfen. "Ein einfacher Gesellschafterwechsel ist für uns zunächst nicht ausreichend. Wir suchen nach einer langfristig stabilen Lösung", erklärte Burger King. Man wolle "so viele Arbeitsplätze wie möglich" sichern. Nun ist wohl alles Verhandlungssache. Das Wort "zunächst", macht den Mitarbeitern Hoffnung. Ob es am Ende gut für sie ausgeht, wird sich zeigen. Man sei höchstens "vorsichtig optimistisch", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft NGG am Donnerstagnachmittag dem stern, noch habe sich Herr Kolobov nicht gemeldet, man erwarte seinen Anruf zeitnah. Und: "Wir sehen auch Burger King in der Pflicht."

Sorgen könnten Nachrichten aus Russland machen. Dort haben einige Filialen Kolobows in den vergangenen Monaten wiederholt Besuch von den staatlichen Aufsichtsbehörden bekommen und mehrere Geldstrafen bezahlen müssen. Der Vorwurf: mangelhafte Hygiene, in einem Fall sogar ein angeblicher Befall mit Kolibakterien. Es könnte eine politisch motivierte Schikane gegen ein US-Unternehmen gewesen sein, gerade in der aktuellen weltpolitischen Situation. Es könnten aber auch Probleme sein, die Kolobow aus seinen Filialen in Deutschland kennt.