HOME

Energie-Streit: Gasversorgung in Europa gestört

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat zu ersten Störungen bei der Lieferung von russischem Erdgas an europäische Länder geführt. Ungarn, Polen und Rumänien meldeten einen Rückgang der Gaslieferungen. Die EU kritisierte den Vorfall scharf und forderte Russland und die Ukraine auf, ihren Streit zu beenden.

Nach dem Lieferstopp für russisches Gas in die Ukraine ist es in Ungarn, Rumänien und Polen zu einem Druckabfall in den Pipelines gekommen. Ungarn beziehe derzeit nur noch 32 Millionen Kubikmeter, 10 Millionen weniger als vertraglich vereinbart, teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit. Die ungarische Erdgas-Transportfirma FGSZ dementierte Berichte, wonach die Gaslieferungen aus Russland zurückgegangen seien. Am Freitag sei die vertraglich festgelegte Menge Gas vollständig angekommen, sagte FGSZ-Sprecherin Edina Lakatos der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auch für Samstag habe die ukrainische Gastransportfirma die komplette Lieferung zugesagt. Lediglich der Druck in der Pipeline entspreche nicht dem Vertrag, jedoch steige er ständig.

Die EU kritisierte den Vorfall scharf und forderte Russland und die Ukraine auf, ihren Gasstreit zu beenden. Endkunden sind den Angaben zufolge derzeit nicht betroffen. Unterdessen kündigte die italienische G8- Präsidentschaft wegen des Gas-Streits zwischen Russland und der Ukraine die Einberufung eines Energie-Gipfels an.

Man bereite für "die kommenden Monate" einen Gipfel zum Thema Energie vor, sagte Italiens Außenminister Franco Frattini nach Berichten der Nachrichtenagentur ANSA am Freitag in einem Rundfunkinterview. Grund für einen solchen G8-Gipfel in erweitertem Kreise sei "die Notwendigkeit eines Dialoges zwischen Energielieferanten und Abnehmern, der die Basis für die weltweite Preisstabilität bildet", sagte Frattini. Einen genauen Termin für das Treffen und den Teilnehmerkreis ließ er offen.

Die EU forderte alle Seiten auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Der Energiehandel zwischen der EU und ihren Nachbarn müsse auf den Prinzipien von Verlässlichkeit und Planbarkeit beruhen, erklärte die tschechische EU-Ratspräsidentschaft. "Bestehende Vereinbarungen für Versorgung und Transit müssen unter allen Umständen eingehalten werden." Die EU bedaure, dass die Zusicherungen nicht eingehalten worden seien.

Die Bundesregierung forderte Moskau und Kiew eindringlich zur Lösung ihres Streits auf. Engpässe bei der Versorgung in Deutschland sind nach Regierungsangaben auf absehbare Zeit nicht zu befürchten. "Beide haben sich in dieser Situation als verlässliche Partner zu erweisen", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin.

In Polen seien bereits sechs Prozent weniger russisches Gas über die Ukraine angekommen, teilte die EU-Kommission mit. Dafür habe Russland allerdings das über Weißrussland nach Polen transportierte Volumen erhöht. "Ich werde mit allen Parteien in Kontakt bleiben, um die Ursachen für die Unregelmäßigkeiten zu klären, und verlange die umgehende Wiederaufnahme der vollen Gaslieferungen", sagte EU- Energiekommissar Andris Piebalgs.

Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko garantierte Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen Staats- und Regierungschefs der EU in einem Schreiben den reibungslosen Transport von russischem Gas über separate Pipelines nach Westeuropa. Zudem reiste eine ukrainische Regierungsdelegation nach Prag, um bei der neuen EU- Ratspräsidentschaft mögliche Befürchtungen von Engpässen zu zerstreuen. Die tschechische Regierung, die für die nächsten sechs Monate die Ratspräsidentschaft innehat, lehnte eine Einmischung in die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew ab, wie Ministerpräsident Mirek Topolanek mitteilen ließ.

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über neue Gaspreise und Lieferverträge waren am Silvesterabend gescheitert. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte daraufhin die Lieferungen an die Ukraine gestoppt. Die unter einer schweren Wirtschaftskrise leidende Ukraine will in diesem Jahr für das Gas aus Russland höchstens 210 Dollar (150 Euro) je 1000 Kubikmeter bezahlen und zudem mehr Gebühren für den Transit verlangen. Russland fordert 250 Dollar. Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht.

DPA/AP / AP / DPA