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INSOLVENZEN: Ostdeutsche stecken in der Schuldenfalle

Vor allem Arbeitslose sind betroffen. Da das gesamte Leben kreditfinanziert wird, sind bis zu 20 Gläubiger pro Haushalt keine Seltenheit mehr.

»Sorgen mit den Weihnachtsgeschenken? Wir regeln das für Sie!« Der Adventsslogan eines Magdeburger Bankhauses treibt Verbraucherschützer um. Viele von denen, die ihre Gaben für das Christfest auf Pump gekauft haben, können auch im neuen Jahr nicht zahlen. »Weitere Schuldenkarrieren sind durch solche und ähnliche unseriöse Angebote vorprogrammiert«, warnt Johannes Spenn vom Diakonischen Werk in der Kirchenprovinz Sachsen.

'Unwirtschaftliches Verhalten'

Die Zahl derer, die tief in den »Miesen« stecken, steigt dramatisch an, fügt Dr. Rita Baumann, Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalts in Halle, hinzu. Als Ursachen nennt sie vor allem Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung, Familienzuwachs, ehemalige Selbstständigkeit und auch unwirtschaftliches Verhalten der Betroffenen.

Immer mehr Haushalte pleite

In der Bundesrepublik stehen insgesamt knapp 2,8 Millionen private Haushalte vor einem nicht mehr zu bewältigenden Schuldenberg, 1,9 Millionen im Westen und mehr als 800.000 in den neuen Ländern, meldete unlängst die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung. Im Europäischen Vergleich steht nur noch Großbritannien schlechter da als Deutschland.

Rasante Steigerung

Allein in Sachsen-Anhalt ist laut einer Studie des Sozialministeriums die Zahl der Familien mit Schulden seit 1991 von 29 auf knapp 80 Prozent angestiegen. Fast ein Viertel davon sei überschuldet, könne also mit den laufenden Einnahmen die anfallenden Tilgungsleistungen nicht mehr oder nicht mehr regelmäßig begleichen.

Bis zu 20 Gläubiger

Besonders solche Familien geraten verstärkt in wirtschaftliche Notsituationen, die auf Grund ihres geringen Einkommens Kredite zur Begleichung laufender Kosten des Unterhaltes nutzen müssten. Darunter »finden sich zunehmend Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger mit Schulden in Höhe von zirka 47.500 Mark und monatlich anfallenden Tilgungen von durchschnittlich 620 Mark«. Rund ein Drittel der Betroffenen hat über 100.000 Mark Schulden und jeder fünfte zwischen 50.000 und 100.000 Mark. Die Hälfte aller Betroffenen hat den Angaben zufolge zwischen sechs und 20 Gläubiger.

Unternehmen mit zu dünner Kapitaldecke

Und der Trend ist steigend, meint Baumann, in deren Dienststelle jährlich weit über 1.000 Menschen mit finanziellen Problemen vorsprechen und dann beraten werden. Ein Großteil der Klientel, welche zur Insolvenzberatung kommt, stammt aus dem kleinen Mittelstand. Die Unternehmer stehen vor dem Konkurs, nicht weil ihnen das Know how fehlt, sondern weil die Kapitaldecke einfach zu dünn ist. »Denen steht das Wasser bis zum Hals«, fasst die Verbraucherschützerin die Lage der Verzweifelten zusammen. Allein in Halle stehen im ersten Quartal dieses Jahres 688 Unternehmensanmeldungen 949 Abmeldungen gegenüber. »Unter den Insolvenz-Schuldnern befinden sich zu 95 Prozent Personen, die ehemals selbstständig waren«, bestätigt auch die Studie.

Teufelskreis beginnt mit Arbeitslosigkeit

Zu den sozialen Schuldnerberatungen dagegen kommen vor allem Menschen, die nach der Wende Kredite aufgenommen haben, bald darauf arbeitslos wurden und nie wieder Fuß fassen konnten: »Viele von denen hangeln sich von einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur nächsten, rennen ihrem Lohn hinterher und sind im ständigen Kampf mit den Behörden.« Nicht immer treibt Leichtfertigkeit Menschen in die Schuldenfalle, berichtet Frau Baumann aus ihren Erfahrungen. »Viele hier leben von der Hand in den Mund. Und wer keine müde Mark auf der Kante hat, für den bricht schnell alles zusammen.«

»Viele werden über den Tisch gezogen«

Dabei wird auch die »Marktwirtschaft mit ihren schillernden Angeboten« immer wieder zum Verhängnis. So werben Banken und Sparkassen in Aktionen mit Dispokrediten und vergeben diese auch an Schuldner. Dann werden die Kredite von einem Tag zum anderen gekündigt, so dass »die Menschen so richtig reinrasseln«, meint die Verbraucherschützerin. »Viele werden über den Tisch gezogen«, bestätigt auch Johannes Spenn. Vor allem unmittelbar nach der deutschen Einheit fielen Familien auf die nicht immer seriösen Angebote von Kauf- und Versandhäusern herein.

Haushalten als Schulfach

Zudem sind viele Menschen nicht in der Lage, mit Geld umzugehen, meinen beide Experten und plädieren dafür, das Thema auch als Unterrichtsfach in den Schulen einzuführen. Dem Problem muss so früh wie möglich an die Wurzel gegangen werden, denn die Folgen von Überschuldung sind vielfältig: Verlust des Arbeitsplatzes wegen andauernder Lohnpfändungen, Konflikte in der Familie, psychische Überlastung, soziale und gesellschaftliche Ausgrenzung, Schäden für die Gesundheit sowie eine stressbedingte Atmosphäre bei der Erziehung der Kinder.

Birgitt Pötzsch

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.