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Terror-Organisation: Wie der Islamische Staat Milliarden verdient

Der Islamischer Staat verfügt über ein Milliardenvermögen - und gilt als reichste Miliz weltweit. Mafiageschäfte und Steuern spülen täglich rund eine Million Euro in die Kasse. Der IS agiert wie ein Gemisch aus Staat und Unternehmen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat verdient mit Mafiamethoden Geld - aber auch durch Einnahmen, die an staatliche Abgaben erinnern. 

Die Terrorgruppe Islamischer Staat verdient mit Mafiamethoden Geld - aber auch durch Einnahmen, die an staatliche Abgaben erinnern. 

Es ist die wohl reichste Terrororganisation weltweit: Das Vermögen der Terror-Miliz Islamischer Staat, die für die Anschläge in Paris verantwortlich sein soll, wird auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Diese immensen finanziellen Mittel machen den IS so gefährlich: Die Terroristen haben ausreichend Cash, um sich mit Waffen zu versorgen und Anschläge vorzubereiten. Woher stammt all das Geld?

Öl-Geschäft bleibt größte Einnahmequelle

Die größte Einnahmequelle ist nach wie vor das Öl-Geschäft. Die Terroristen kontrollieren die Ölfelder al Tanak und al Omar in Ostsyrien, von dort gelangt das Öl in Raffinerien und wird über die türkische Grenzen geschmuggelt. US-Experten glauben, dass sich die Einnahmen pro Tag auf bis zu zwei Millionen Dollar belaufen. Die Bundesregierung ist da zögerlicher: "Höchstens 200.000 US-Dollar am Tag" nehme der IS mit dem Öl ein, so das Auswärtige Amt in einem Schreiben.

Öl-Markt eingebrochen

Allerdings verdient der IS mit seinem geschmuggelten Öl und Benzin zu Dumping-Preisen inzwischen deutlich weniger, weil der Öl-Preis zuletzt rapide gefallen war. "Der Rückgang der Preise am internationalen Ölmarkt ist jedoch mitursächlich für die erheblichen Einbußen der Terrororganisation ISIS im Ölgeschäft im Vergleich zu den Einnahmen im Spätsommer 2014", schreibt die Bundesregierung.

 Ein weiterer Grund für das schwache Öl-Geschäft: Franzosen und Amerikaner fliegen in IS-Gebieten gezielt Angriffe gegen die Infrastruktur der Ölindustrie. Vor rund einem Jahr habe der IS noch täglich 44.000 Barrel Öl in Syrien und 4000 Barrel im Irak produzieren können, schreibt die Zeitschrift "Foreign Affairs". Der Bundesnachrichtendienst geht inzwischen von deutlich kleineren Mengen aus. Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert die geförderte Öl-Menge auf 20.000 Barrel pro Tag.

Antiquitäten und Menschenhandel 

Allerdings hat die Terror-Miliz längst neue Geschäftsfelder gefunden, um Geld in die Kriegskasse zu spülen. Neben Menschenhandel und dem Lösegeld für Geiseln setzt der IS auch auf den Verkauf von geraubten Antiquitäten. Laut einem Geheimdienstmitarbeiter habe der IS in der syrischen Region um al Nabk Antiquitäten im Wert von rund 30 Millionen Euro gestohlen, schreibt der "Guardian". Laut dem "Wall Street Journal" summieren sich die Einnahmen des IS durch verkaufte Kunst auf jährlich rund 100 Millionen Dollar. Aber nicht nur Kunstgegenstände bessern die IS-Kasse auf, auch Plünderungen zählen zu den Einnahmequellen. So soll der IS mehre Hundert Millionen Dollar bei der Einnahme der irakischen Stadt Mossul erbeutet haben, als sie die dortige Zentralbank ausräumten. 

IS agiert wie die Mafia

Darüber hinaus macht die Terrorgruppe Geld mit dem Verkauf von gefälschten Pässen, verkauft verschleppte Frauen als Sklavinnen oder erpresst Lösegeld. Kriminelle Geschäfte mit Medikamenten, Zigaretten,  Mobiltelefonen - und sogar gar vor Organhandel soll der IS nicht zurückschrecken. Aber auch finanzielle Zuwendungen aus arabischen Staaten landen beim IS. So sollen vermögende Privatpersonen aus Sympathie den IS unterstützen.Darüber hinaus unterstützen ganze Länder  die Terrorgruppe. "Wir müssen davon ausgehen, dass es auch staatliche Unterstützung für den IS gab oder noch gibt", sagt Sita Mazumder, die an der Hochschule Luzern über Terrorfinanzierung forscht, der "Zeit". 

IS nimmt Schutzgelder und Steuern ein

Die Terror-Kasse des IS wird also durch breit gefächerte Einnahmequellen gefüllt. Durch die eroberten Gebiete kommt eine weitere dazu: "Zunehmende Bedeutung hat natürlich das Geld, das sie aus den eroberten Gebieten ziehen.

Das sind Schutzgelder, Steuern, Einnahmen aus dortigem Handel, Gebühren etc., und dieser Faktor wächst, je mehr Territorium sie beherrschen. Darum sind die Einnahmen gewaltig nach oben gegangen", sagt Louise Shelley, Terror-Expertin an der George Mason University in Fairfax, der "Welt". Christen müssen in den eroberten Gebieten ganz in der Tradition des Kalifats eine Art Schutz- oder Ungläubigensteuer zahlen. Aber auch die Muslime werden zur Kassen gebeten: Die traditionelle islamische Almosensteuer, Zakat, gilt in diesen Gebieten. "Einkommensabhängig erhebt ISIS nach Kenntnis der Bundesregierung von den Bewohnern fünf bis 15 Prozent des jeweiligen Einkommens", so die Bundesregierung in einer Meldung.

Doch längst nimmt der IS viel mehr ein und erinnert somit an ein Unternehmen. Abgaben für Wasser und Strom werden fällig, Miete müssen die Bewohner auch an den IS zahlen und die Gebühren für Telekommunikation. Darüber hinaus erhebt der IS ganz Staatsmacht auch eine Maut, schreibt die Bundesregierung weiter. 2014 schätzte die Zeitung "Al-Araby al Jadeed", dass der IS jährlich über ein Budget von rund zwei Milliarden Dollar verfügt. 

Witwen- und Waisen-Programm

Doch der IS muss auch einiges finanzieren. Die Kämpfer erhalten ein Gehalt von monatlich zwischen 500 und 6000 Dollar. Auch ein Wohltätigkeitsprogramm gibt es, dass Witwen, Waisen und Verwundete finanziell unterstützt. Dazu kommen Ausgaben für Waffen und neue Munition - und auch die Bewohner der eroberten Gebiete erhalten Zahlungen. 

In diesen Regionen müsste der IS viele Leute entlohnen, "die gar nichts machen – nur damit sie loyal gegenüber IS sind. Daraus ergibt sich in der Tat die spannende Frage: Sind die Einnahmen höher als die Ausgaben? Oder geht das vorhandene Geld irgendwann zur Neige?", so Louise Shelley.  "Von außen lässt sich das nicht beurteilen. Aber in jedem Fall haben sie vorerst enorme Ressourcen."