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Antwort auf Pariser Anschläge: Frankreich bombardiert IS-Hochburg Rakka

Frankreich holt zum Gegenschlag aus: Nach den Terrorangriffen von Paris haben französische Kampfflugzeuge die IS-Hochburg Rakka bombardiert. Unterdessen warnt Frankreichs Premierminister Valls vor weiteren IS-Anschlägen in Europa.

Französische Kampfjets

Nach den Anschlägen Paris sprach Frankreichs Staatschef François Hollande von einem "Kriegsakt" einer "terroristischen Armee"

Zwei Tage nach der blutigen Anschlagsserie in Paris hat die französische Luftwaffe einen Großangriff auf Stellungen der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) in Syrien geflogen. Die Kampfflugzeuge bombardierten am Sonntag mehrere Ziele in der IS-Hochburg Rakka, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Der Bruder von einem Attentäter von Paris wurde zur Fahndung ausgeschrieben. In einem Vorort der Hauptstadt fand eine Durchsuchung statt.

Die Luftangriffe in Rakka seien in Absprache mit den USA erfolgt, erklärte das französische Verteidigungsministerium. Die Kampfflugzeuge hätten in Rakka eine Kommandozentrale, ein Rekrutierungszentrum, ein Waffenlager sowie ein "Terror-Trainingslager" der Dschihadisten zerstört.


Die Luftangriffe wurden rund 48 Stunden nach der Anschlagsserie von Paris geflogen, bei der mindestens 129 Menschen getötet worden waren. Zu den schwersten Anschlägen in der französischen Nachkriegsgeschichte bekannte sich der IS. Frankreichs Staatschef François Hollande sprach von einem "Kriegsakt" einer "terroristischen Armee". Er kündigte einen "unerbittlichen" Kampf gegen Dschihadisten in Frankreich und im Ausland an. Frankreich beteiligt sich schon seit einem Jahr am US-geführten Anti-IS-Bündnis, das die Dschihadisten mit Luftangriffen bekämpft.

"Gegen den IS hilft kein Wort und kein Argument"

Bei den Anschlägen in Paris waren am Freitagabend mindestens 129 Menschen getötet und 352 weitere verletzt worden. 103 Leichen wurden bis zum Sonntag identifiziert. Dutzende Verletzte schwebten weiterhin in Lebensgefahr. Unter den Todesopfern war nach Angaben des Auswärtigen Amts auch ein 28-Jähriger aus Bayern.


Bei ihren Ermittlungen verfolgt die Polizei eine heiße Spur nach Brüssel. Zwei der getöteten Attentäter seien Franzosen gewesen, die zuletzt in Belgien gelebt hätten, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Sonntag mit. Ein aus Brüssel stammender Verdächtiger wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Der 26-jährige Salah Abdeslam ist nach Angaben der Ermittler der Bruder eines der sieben in Paris getöteten Attentäter. Abdeslam wird auch per internationalem Haftbefehl aus Belgien gesucht.

Nach den Anschlägen von Paris fordert Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ein international abgestimmtes Vorgehen gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). "Gegen den IS, das zeigen alle unsere Erfahrungen, hilft kein Wort und kein Argument, und schon gar nicht der Rückzug ins Schneckenhaus, sondern nur planvolles Handeln der Staatengemeinschaft", sagte Steinmeier "Spiegel Online" und schloss dem Magazin vom Montag zufolge ausdrücklich auch den militärischen Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak ein. Zugleich müsse man sich aber auch "noch kraftvoller" für eine politische Lösung des Syrien-Konflikts einsetzen. "Der Kampf gegen den IS wird allein militärisch nicht zu gewinnen sein."

"Keine Option darf ausgeschlossen werden" 

Auch der CSU-Europapolitiker Manfred Weber forderte verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen den IS. "Europa muss viel entschlossener und mit mehr Mitteln den Kampf gegen das Krebsgeschwür des islamistischen Terrors aufnehmen", sagte der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament der "Passauer Neuen Presse". "Keine Option - auch die militärische - darf ausgeschlossen werden." Unterdessen erklärte der außenpolitische Sprecher der SPD, Niels Annen, im MDR, er denke nicht, dass Frankreich den Nato-Bündnisfall ausrufen werde. "Es spricht relativ wenig dafür, dass die Franzosen diesen Schritt gehen werden." Die Debatte darüber sei auch unangemessen, da derzeit die Aufklärung der Straftaten im Vordergrund stehe.

Die Terrormiliz Islamischer Staat bereitet nach den Worten von Frankreichs Premierminister Manuel Valls weitere Anschläge auf europäische Länder vor. "Wir wissen, dass Operationen vorbereitet wurden und noch vorbereitet werden, nicht nur gegen Frankreich, sondern auch gegen andere europäische Länder", sagte Valls am Montagmorgen dem Sender RTL.


In Frankreich begann am Sonntag eine dreitägige Staatstrauer. Für den Montagmittag ist eine Schweigeminute geplant. Am Nachmittag will sich Hollande vor den Mitgliedern von Senat und Nationalversammlung äußern. Aus Parlamentskreisen hieß es, Hollande wolle den Ausnahmezustand auf drei Monate verlängern.

Die EU rief alle Europäer für Montag um 12.00 Uhr zu einer Schweigeminute auf. US-Präsident Barack Obama ordnete an, die Flaggen vor dem Weißen Haus und anderen öffentlichen Gebäuden in den USA bis Donnerstagabend auf Halbmast zu setzen. Die luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft berief für Freitag ein Sondertreffen der Innenminister ein, um über Konsequenzen aus den Pariser Anschlägen zu beraten.    

am / AFP / Reuters