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Josef Ackermann: Ein Abendessen mit dem Buhmann der Nation

Er ist das Gesicht des Kapitalismus. Viele glauben, Josef Ackermann und seine Finanzjongleure hätten mit ihrer Gier die Weltwirtschaft an den Abgrund gebracht. Wie fühlt man sich als Buhmann der Nation? Ein Abendessen mit dem Chef der Deutschen Bank.

Von Ulrike Posche

Es ist spät geworden, fast Mitternacht. Vor der Villa neben den düsteren Bankriesen warten sein Fahrer und die Bodyguards inzwischen auf menschenleerer Straße. Es gab Nüssli-Salat, danach Loup de mer, dann Früchte Salpikon in der Hippenschale. Gegen elf hatte sich der Mann mit der Statur eines Kapitänsschrankes eine Zigarre im Churchill-Format angesteckt, und die Hausdame hatte die Baguette-Brösel an seinem Platz diskret vom Esstisch entfernt. Nun zieht der Rauch über Kegel aus gelben Rosen hinauf in den Kristallleuchter. Und Doktor Josef Ackermann kommt auf den Tod.

In den vergangenen Tagen hatte es wieder einmal Drohbriefe gegen den Chef der Deutschen Bank gegeben. Ein Liedermacher forderte ungehindert zum Attentat auf: "Hörst du mich Josef Ackermann, einer muss als Erster sterben, du bietest dich da an." Jeder konnte sich das im Internet auf Youtube ansehen. "Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Attentat." Es entstanden seltsame Allianzen, aus Altkanzler Schmidt etwa und einem "Tatort"-Kommissar. Letzterer wollte am liebsten alle Banker verhaften. In Nordrhein-Westfalen hatte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers so lange herumgedruckst, bis Ackermann von sich aus einen ihm zugedachten "Zukunfts-Preis" ablehnte. Seit Tagen hatten ihn weder die Kanzlerin noch Finanzminister Steinbrück auf dem Handy angerufen. Und die Zeitungen kübelten mit Häme. Es schien, als hätte sich wieder einmal alles gegen ihn verschworen. Ist doch klar, dass man sich dann manchmal fragt, was wäre, wenn man morgen ums Leben käme. Ob die Menschen in Deutschland dann vielleicht sogar erleichtert wären.

Verkanntes Genie?

Ackermann, 60, trägt einen tiefblauen Anzug, eine winzig gemusterte Chanel-Krawatte, die er sich in Shanghai gekauft hat. Er gestikulierte den ganzen Abend lebhaft mit seinen feinen Händen, wenn es ums Ernste ging. Er ließ Banker-Anekdoten aus der Erinnerung perlen, wenn es ihm gar zu ernst wurde. Er war gerade aus New York gekommen, und der Jetlag hielt ihn wach. Doch in diesem einen melancholischen Moment waren die Strapazen der vergangenen Wochen in seinem Blick, die Enttäuschungen und das Alter falteten sich um die Augen.

Vor Jahren hatte ihm sein Vorgänger Rolf-Ernst Breuer - der mit den Bömmel-Schuhen - einmal gesagt: "Im Nekrolog wird alles besser." Das hatte ihn trösten sollen. Würdigungen kommen für Deutsche-Bank-Herren offenbar immer posthum. Auch die Heroen Hermann Josef Abs und Alfred Herrhausen seien zu ihren Zeiten verhasst gewesen - und heute verklärt. Aber einen wie Ackermann, den elegantesten Tänzer auf dem Kasino-Parkett, tröstet die Aussicht auf Nachruhm nicht. Er will, dass sich Leistung jetzt lohnt. Es reicht ihm nicht, dass der Typ vom Steakhaus um die Ecke ein Metallschild an jenem Tisch angebracht hat, an dem er gelegentlich isst. Es genügt ihm auch nicht, dass sie ihm im Berliner "Borchardt" auf die Schulter klopfen, wenn er dort mit Gattin Pirkko und Tochter Catherine sitzt.

Er hat den Deutschen ihre Deutsche Bank groß gemacht, größer und erfolgreicher, als sie es je war. 75 Länder, 80 253 Mitarbeiter, ein Gewinn von 6,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ist es da zu viel verlangt, wenn er wenigstens jetzt ein bisschen geliebt werden will? Geliebt? Er habe den Kurs der Aktie um die Hälfte geschrumpft, werfen die Gegner ihm vor. Für den Aktionär sei außer einer dürren Dividenden-Ernte nichts übrig geblieben.

Das Gesicht der Krise

Josef Ackermann hatte angekündigt, er werde auf seinen Bonus verzichten, und er hatte erklärt, dass die Deutsche Bank kein Geld aus dem Hilfsfonds der Regierung würde annehmen müssen. Er hatte tatsächlich geglaubt, das Erste würde ihm als "noble Geste" angerechnet. "Noble Djscheste", sagt der gebürtige Schweizer. Er dachte, zum Verzicht auf Merkels Stütze gratuliere man ihm - wie sie es in Amerika taten, als gleich die Kurse hochgingen. Falsch gedacht. Als Heuchelei und PR-Gag werteten Politiker und Kommentatoren seine Ankündigung, auf mehrere Millionen pfeifen zu wollen - wobei noch dahingestellt bleibt, ob diese Millionen überhaupt abgefallen wären. Beides brachte ihm Empörung von allen Seiten. Zuletzt sogar die kalte Schulter der Kanzlerin.

So wurde der Vielverdiener Ackermann wieder einmal zum Buhmann, zur Hassfigur. Er wurde zum Gesicht der Krise und seine Bank zum Epizentrum des Bebens. "Der irrsinnige Hebel, mit dem die Deutsche Bank ihre Geschäfte macht", rief etwa der BWL-Professor Ekkehard Wenger aus Würzburg, "hat doch erst in die Katastrophe geführt!" Auf einmal rechneten sie ihm vor, all die Jahre bloß "Scheinerfolge" produziert zu haben. Wie im Fußball sei der Deutsche-Bank-Chef mit dem Geld seiner Aktionäre umgegangen, erklärte der Ackermann-Kritiker Wenger: Alles den Spielern, nichts dem Verein! Er habe die braven Privatkunden vertrieben, habe allein seine Londoner Investmentbanker mit ihren riskanten Geschäften und Hasardspielen hoch gehalten. Jene "Rainmaker", Regenmacher, die ihm die Kassen voll schütteten und sich dafür mit Boni und einem Gig der Rolling Stones belohnten. 600 Banker und Analysten der Deutschen Bank saßen im Sommer 2007 in Barcelona und bewunderten erst ihren indischstämmigen Chef Anshu Jain, den Head of Global Markets - und dann die Stones. Die Band kassierte für ihren Job rund vier Millionen Euro. Investment-Guru Anshu Jain für den seinen angeblich das Achtfache.

Jain und seine Talente sind für Ackermann bis heute die Helden im Zentralgestirn der Bank. Für andere sind sie Herren der Finsternis. Sie bewegen mit einer Kapitalsumme von 37 Milliarden Euro eine Geldblase von zwei Billionen durch den Welthimmel und warten dann auf den Regen. Wer diesen Mechanismus einmal kapiert hat, mag ihn bewundernswert finden. Aber wie soll das ein Kleinsparer verstehen, ein Puttchen Brummel? "Warum denken Sie nur immer in diesen Kategorien des Geldes?", fragte Präsidentenanwärterin Gesine Schwan Ackermann einmal am Rande einer SPD-Veranstaltung. Ja, warum eigentlich?

Vergebliche Mühen

Im Speisesaal der Villa Sander hängen Stillleben, die aus der Entfernung aussehen wie von Klee und Macke gemalt. Wahrscheinlich sind sie es sogar. Hier ist alles echt. Im Frankfurter Bankenviertel wirft man Ackermann heute vor, dass es ihn und seine Bank nur deshalb heute noch gebe, weil er sich in den Scheinwelten seiner ner Branche nur allzu wendig und ohne Rücksicht auf Verluste bewegt habe. Niemals in ihrer Geschichte war die Deutsche Bank die Bank des kleinen Mannes. Und das nimmt der ihr übel - bis heute. Nie kann Ackermann deshalb ein Banker der Herzen werden. Es ist ein Missverständnis, eines, an dem beide leiden. Die Deutschen und der Schweizer.

Egal, ob er mit einer privaten Spende das Cuvilliés-Theater in München unterstützt oder eine Schule in Frankfurts Problemviertel; ob er mit Merkel, Steinbrück und Kollegen "nächtelang negotiiert", wie er sagt, um mit den anderen Banken auch die eigene zu retten. Er gewinnt dafür keinen Blumenstrauß. Seit er in einem Gerichtssaal zum breiten Grinsen das Victory-Zeichen machte, erwartet man Sühneleistungen von ihm, die er nicht erbringen will. Er solle ganz auf sein Gehalt verzichten, heißt es, besser noch: abtreten.

Im vergangenen Jahr, kurz vor der Krise der West LB, traf er deren Chef Thomas R. Fischer. Einst waren sie Konkurrenten um den Vorposten bei der Deutschen Bank gewesen. Doch als Ackermann am Main obsiegte, wich Fischer an den Rhein aus. "Pass auf, Ackermann", sagte Fischer, der einen Hang zu Kontrastkragen und Strunztuch hat, "pass auf, bald überholen wir dich!" Nur Wochen später stand die Westdeutsche Landesbank vor ihrer Pleite.

Schlechtes Vorbild

In Amerika warnten Freunde ihn, es gebe offenbar eine Bank in Germany, die der größten deutschen Geschäftsbank bald den Rang ablaufe. "Interessant", sagte der Joe, "wer ist es denn?" Die Antwort: "The Ai-Kei-Bee", die Mittelstandsbank IKB. Ackermann staunte und lächelte. Kurz darauf funkte die IKB "Mayday" und musste sich von der staatlichen Förderbank KfW mit acht Milliarden Euro unter die Arme greifen lassen.

Heute sagen Experten, Ackermann sei nicht unschuldig daran gewesen. Er habe der Bank vergiftete Kredite untergejubelt. Überhaupt habe er das ganze Land vergiftet, mit seinen Anleihen und mit seinem Siegerlächeln. Viele Bankmanager spielten Ackermann - ob sie es konnten oder nicht. Beim diesjährigen Nobelpreisträger-Treffen am Bodensee, auf dem der Gastprofessor der London School of Economics, Josef Ackermann also, zum Ehrensenator ernannt wurde, da kam anschließend einer auf ihn zu und gestand: "Herr Ackermann, wir haben sie alle kopiert!"

Weil der weltläufige Schweizer zu seinen Empfängen etwa am Rande der Weltbanktreffen mindestens die Netrebko lud, meinte die staatliche KfW-Bank wohl ihrerseits, dass die Kellner beim Empfang wenigstens weiße Lakaienhandschuhe tragen sollten. Wenn schon, denn schon. Kurz darauf musste dann aber auch die KfW das unbehandschuhte Händchen heben. Unter anderem deshalb, weil sie den Lehman Brothers in New York noch einen dreistelligen Millionenbetrag überwiesen hatte, als die längst im Nichts verdampft waren. Von nun an hieß die Staatsbank "Deutschlands dümmste Bank!"

Nichts von all dem sei ihm passiert, erklärt Ackermann. Mit seinen Prognosen zum Ende der Krise lag er zwar manchmal daneben. Aber sein Geschäftsmodell habe gestimmt, sagt er selbstbewusst vor Bankmanagern in Frankfurt. Was soll er auch sonst sagen? Schon ein nervöses Lidzittern würde den Kurs seiner Aktie fallen lassen. Also denkt Ackermann hier lieber hoch von sich. Im Sommer 2008 schenkt er seiner Frau einen Fiat Cinquecento zum Geburtstag, mit roten Rallyestreifen. Mit dem saust er dann selbst durch die Gegend. Er spielt Golf. Miserabel, sagt er, Handicap 28. Höchstens. Die Finanzwelt erholt sich, die Berge sind grün, dann kommen die Geier.

Auf und ab

In Josef Ackermanns Karriere sind Triumph und Tragödie von je her so untrennbar verlinkt wie Yin und Yang im Tao. Auf einen Sieg folgt stets die Watsche. So war das immer. Und so geschah es dann auch vor zwei Wochen. In einer Videokonferenz vor 190 lauschenden Bankmanagern hatte Ackermann gesagt: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, wir stehen gut da, wir brauchen das Geld des Steuerzahlers nicht; es wäre eine Schande, wenn wir es dennoch nähmen. Vielleicht hatte er das alles eine Spur zu schmissig gesagt. Eine Spur zu selbstbewusst: "It is a shame, if we asked money from the tax-payers." In den Ohren der Kanzlerin klingt sein Stolz wie Hohn: Erst arbeitet er an unserem Hilfsfonds für die Banken mit, dann erklärt er ihn zum Schandgroschen und macht es den Daniederliegenden schwer, das Geld überhaupt anzunehmen. Das sei ein Schlag ins Gesicht der gesamten Regierung, fand die Regierung. Angela Merkel kann sehr kalt sein, wenn sie sich verraten fühlt. Über den Regierungssprecher lässt sie ausrichten, Ackermanns Äußerungen seien "absolut bedenklich, unverständlich, inakzeptabel". Ähnlich scharf hatte sie nur reagiert, als der Russe Medwedew in Georgien einmarschiert war.

Ackermann versteht nun die Welt nicht mehr: Die Deutsche Bank stehe doch wieder einmal wie ein Fels in der Brandung. Warum dürfe man das nicht sagen? Auf Ackermanns Fittichen habe sie selbst jetzt noch Kunden und Marktanteile gewonnen und über drei Milliarden Gewinn gemacht. Er selbst war, gemäß seinem Motto, "stark geblieben, als andere schwach wurden". Weltweit werde er dafür gelobt.

Er ist gerade in New York, als ihm die heimische Wutwelle gesimst wird. Er ist baff. So macht er einen Spaziergang durch den Central Park. In Jeans, allein. Am Pond, dem Teich inmitten des Parks, setzt er sich auf eine Bank. Die Sonne scheint, und er fragt sich: Warum tue ich mir das eigentlich alles an? Anderthalb Jahre noch dauert sein Vertrag, im Mai 2010 ist Schluss. Viele drängen ihn weiterzumachen. Aber Ackermann will nicht noch länger Buhmann sein.

Denn noch Tage später hat er sich von Merkels Liebesentzug nicht ganz erholt. "Was für das System als Ganzes richtig ist", findet er, "muss doch nicht auch für die Deutsche Bank richtig sein!" Merkels Geld nehmen? Es wäre für ihn das Eingeständnis eines Scheiterns, das es einfach nicht gebe. Aber da ist das Damasttuch zwischen ihm und der Kanzlerin bereits bekleckert.

Das einstige Vorzeigeobjekt

Im Frühjahr hatte sie es ihm zu Ehren seines 60. Geburtstags noch im Kanzleramt ausgebreitet. Er durfte alte Freunde einladen, auch die Chefredakteure von "Bild" und "FAZ". "Erfolgreich, vermögend, intelligent - und auch noch fotogen", hatte ein Tischredner gesagt, "das ist einfach zu viel für uns Deutsche." Sogar die Kanzlerin musste darüber lachen. Es waren gute Zeiten. Zeiten, in denen Ackermann abends noch schnell einen Vortrag in Frankfurt hielt und sich anschließend in den Flieger nach Indien setzte, nur um am nächsten Morgen an der Universität von Mumbai mit ihr aufzutreten.

Er verlässt ein Konzert des Pianisten Lang Lang, das seine Bank in Washington gibt, im zweiten Stück, als La Merkel ihn zur Rettung der Hypo Real Estate nach Berlin ruft. Enger als er war kaum ein Wirtschaftsboss mit Angela Merkel. Doch jetzt scheint wegen seines Videoauftritts alles im Dutt. Und ganz Deutschland ist sauer auf Joe Cool.

Das Bessersein hat schon immer das Bewusstsein des Josef Ackermann bestimmt. Schon als Kind kannte er die Furcht, den Neid auf die da oben nicht. Dem ältesten Sohn eines Dorfarztes im Heidi-Land erschien es als das Natürlichste auf der Welt, selbst nach da oben zu wollen. Wohin auch sonst? Josef Ackermann ist Sportler, er will kämpfen, er will sich mit anderen messen, er will gewinnen. Als Student der Eliteuniversität Sankt Gallen kommt er wegen des Militärdienstes erst Wochen nach dem Semesterbeginn ins Seminar. Die Kommilitonen wissen bereits alles, sie kommen aus Hamburg und München, fahren mit den Porsches ihrer Väter vor, während der Seppi aus Mels noch mit dem Rad kommt. Doch nach einem Jahr hat er den Stoff besser drauf als die anderen und Jahre später den eigenen Porsche. Das war für den jungen Oberst bloß ein ganz gewöhnlicher Überholvorgang.

In der Schweiz ist es nämlich normal, dass man mit der Lichthupe einen Kriecher von der linken Spur bittet. Als Ackermann seinem Fahrer neulich auf der Autobahn sagt: "Können wir denn den Wagen vor uns nicht überholen, blinken Sie doch einmal mit der Lichthupe", da antwortet der Fahrer: "Das ist verboten!" So etwas kann Ackermann nicht begreifen. Dass ein gepanzerter Mercedes 600 hier hinter notorischen Linksfahrern und Oberlehrern herschleichen muss, die andere behindern. "Typisch für Deutschland", sagt er, "immer eine Spur zu konsensual." Entweder sollen hier alle Banken drei Milliarden verdienen oder keine. Entweder sollen sie alle Geld aus dem Fonds nehmen oder keine. Niemand darf aus dem System herausragen. Als Junge ist Seppi Ackermann Speerwerfer. Da hat er gelernt, mit vielen komplizierten Impulsschritten sein Wurfsystem so sehr zu steigern, dass der Speer von Mal zu Mal weiter fliegt.

Verschiedene Herangehensweisen

"Warum kann denn die Deutsche Bank nicht einfach mal nur 200 Millionen verdienen?", fragte neulich ein SPD-Mensch auf einer Veranstaltung im Willy-Brandt-Haus. Ackermann liebt solche Diskussionen. Besonders mit Leuten, die in ihrer Jugend "Bei jeder großen Schweinerei ist die Deutsche Bank dabei" an Häuserwände sprühten und heute arriviert tun. Die verstehen unter "sozialer Gerechtigkeit", dass alle gleich arm sind. Für ihn ist soziale Gerechtigkeit Geldsache. Alle sollten die Chance haben, reich zu werden.

Er sei aber trotz all dem kein Zahlenblinder, sagen seine Leute. Er sei ja vom Sternzeichen her Wassermann. "Wissen Sie, wie Wassermänner sind?", fragt er. Die Hausdame serviert gerade Espresso und dazu Pflaumengeist. Das gelbe Speisezimmer liegt in fahlem Nebelrauch. "Das sind Geistmenschen, visionär und fantasievoll. Viele Philosophen und Revolutionäre waren Wassermänner." Es ist die Nacht, in der die Bayern LB um ihr Leben kämpft, als Stadtkämmerer, Kassenwarte und kirchliche Finanzvorstände quer durch Deutschland Millionenbeträgen nachtrauern, die sie nicht selten mithilfe von Deutsche-Bank-Beratern versenkt, verliehen und verwettet hatten. Verloren, weil sie glaubten, in der Welt des Wassermanns mitspielen zu müssen. Weil sie fanden, ein Teil des Kuchens müsse auch auf sie und ihre Kassenbücher rieseln. Im Fall des SPDMenschen übrigens war Ackermanns Antwort kurz, knapp und charmant: Wenn sie bloß 200 Millionen verdiente, wäre sie längst von einer ausländischen Bank gefressen. So einfach ist das. Ackermann kennt sogar seinen Aszendenten: Löwe.

Es ist spät geworden an diesem Mittwoch, fast zwölf. Über den abgedunkelten Türmen der Deutschen Bank ragen Baukräne. Das Viertel schläft. Bulle und Bär haben Ruh. Nur in der Villa Sander brennt noch Licht. Dort macht sich der Staats-Buhmann, Löwe-Aszendent und Groß-Visionär Josef Ackermann in dieser Nacht daran, noch einen letzten Gegner haushoch zu besiegen. Der Chef der Deutschen Bank packt in die Griffe eines Fußballtischs - und kickert um sein Leben.

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