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MOBILCOM: Sorge um FT-Rückzug sorgt für Kurssturz

Nach monatelangem Tauziehen will sich France Telecom (FT) angeblich von seiner Minderheitsbeteiligung an dem deutschen Mobilfunkunternehmen MobilCom trennen.

Nach monatelangem Tauziehen will sich der halbstaatliche französische Telekom-Konzern France Telecom (FT) einem Zeitungsbericht zufolge in Absprache mit der Regierung in Paris von seiner Minderheitsbeteiligung an dem deutschen Mobilfunkunternehmen MobilCom trennen.

Die französische Tageszeitung »Le Figaro« berichtete am Mittwoch, die Entscheidung zur Trennung von MobilCom sei bei einem Treffen der Konzern-Manager mit Bankenvertretern und dem Finanzministerium gefallen. Investoren reagierten darauf mit massiven Aktienverkäufen, das MobilCom-Papier verlor zeitweise fast 70 Prozent an Wert.

Schmid: »Falschmeldung!«

MobilCom-Großaktionär Gerhard Schmid bezeichnete den Bericht indes als »Falschmeldung«. MobilCom selber erklärte in einer Stellungnahme, der Vorstand und der Aufsichtsrat des Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmens gingen davon aus, dass die Partnerschaft mit France Telecom fortdauern werde. Weder Aufsichtsrat noch Vorstand lägen Fakten vor, die auf eine Auflösung der Zusammenarbeit hinwiesen, hieß es.

FT-Vorstand berät Donnerstag über das Thema

Im Tagesverlauf wollte der Verwaltungsrat von France Telecom zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Am Donnerstag soll dann der FT-Vorstand über das Schicksal von MobilCom beraten. Der hoch verschuldete Konzern und MobilCom-Gründer Schmid streiten sich seit gut einem halben Jahr über die Unternehmensausrichtung, ein Übernahmeangebot und die Höhe von Finanztransfers. France Telecom hält 28,5 Prozent an MobilCom und versorgt seinen ebenso hoch verschuldeten Partner seit Monaten mit millionenschweren Finanzspritzen.

Vor allem der mehrere Milliarden Euro teure Einstieg in das UMTS-Mobilfunkgeschäft hatte zwischen MobilCom und France Telecom zu erheblichen Zerwürfnissen geführt.

Schmid erklärt. dass FT weiterhin pünktlich zahle

Über sein Pressebüro ließ Schmid erklären, France Telecom halte seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber MobilCom ein, was gegen einen Absprung von France Telecom und den damit verbundenen Rückzug vom deutschen Markt spreche. Am Dienstag seien erneut 30 Millionen Euro vom Pariser Konzern an das Büdelsdorfer Unternehmen überwiesen worden. »Das tut man nicht, wenn man einen Partner fallen lassen will«, erklärte Schmid.

Keine Kommentare aus Frankreich

Ein MobilCom-Sprecher sagte, France Telecom sei bislang stets seinen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen. »Wenn France Telecom sich entgegen den jüngsten Erwartungen jedoch tatsächlich zurückziehen sollte, muss man sich ernsthafte Sorgen machen«, fügte er hinzu. France Telecom wollte wegen der anstehenden Sitzungen des Verwaltungsrates und des Vorstandes keine Stellungnahme abgeben. Beim französischen Finanzministerium war zunächst kein Kommentar zu erhalten. Der Staat hält rund 55 Prozent an France Telecom.

Kurssturz ins Bodenlose

An der Börse führte der Zeitungsbericht zu einem Ausverkauf von MobilCom-Aktien. Die Papiere büßten zeitweise knapp 70 Prozent auf einen historischen Tiefstand von 1,41 Euro ein. MobilCom gehörte an den deutschen Börsen zu den am meisten gehandelten Aktien. Das seit März 1997 am Neuen Markt gelistete Unternehmen hatte Mitte 2000 bei einem Allzeithoch von 144 Euro einen Börsenwert von 6,4 Milliarden Euro. Derzeit wird MobilCom nur noch mit rund 86 Millionen Euro bewertet.

Ein Aktienhändler sagte, der Markt preise nun die seit längerem bestehenden Ängste über eine Insolvenz von MobilCom ein. SES-Research-Analyst Klaus Baumann prognostizierte, MobilCom werde »auf jeden Fall« insolvent, falls sich France Telecom zurückzieht. Die Titel von France Telecom notierten 1,4 Prozent höher auf 10,90 Euro. Die Unternehmensanleihen des Konzerns zogen hingegen deutlich an, da ein Rückzug aus dem deutschen Markt eine Entlastung der Bilanz bedeuten würde.

Unterdessen wandten sich Gewerkschaftsvertreter und der Betriebsrat von MobilCom an die französischen Arbeitnehmervertreter von France Telecom, um vor dem möglichen Verlust von 5000 Arbeitsplätzen zu warnen. Notwendig sei das Vertrauen von France Telecom in den deutschen Partner, hieß es in dem Appell. Ein Drittel des Verwaltungsrats von France Telecom ist mit Arbeitnehmervertretern besetzt.

Schmid gibt sich hoffnungsvoll

In einem Interview äußert Schmid erneut die Hoffnung auf eine zügige Einigung mit dem französischen Konzern. »Wenn am Donnerstag in Paris die Weichen gestellt werden, gehe ich davon aus, dass wir uns vor Oktober einigen«, zitierte »Focus Money« den MobilCom-Gründer. Der vor wenigen Wochen auf Druck von France Telecom als Vorstandschef entlassene Schmid verlangt bislang erfolglos, dass France Telecom das mit mehr als fünf Milliarden Euro verschuldete Unternehmen vollständig übernimmt. Um eine Abfindung für seinen Minderheitsanteil und damit die Mehrheitsübernahme von MobilCom zu erzwingen, hat Schmid bereits mehrfach die Gerichte und die Börsenaufsicht bemüht.