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Windeln, Bautrockner, Waschmaschinen Palettenweise Hilfe: Wie Unternehmen den Wiederaufbau in der Flutregion unterstützen

Das Logistikzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Zülpich wird noch auf Monate Sachspenden von Unternehmen einlagern und verteilen
Das Logistikzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Zülpich wird noch auf Monate Sachspenden von Unternehmen einlagern und verteilen
© Deutsches Rotes Kreuz
Neben Hilfsorganisationen und Freiwilligen unterstützen auch viele Unternehmen den Wiederaufbau der zerstörten Flutregionen. Eine logistische Kraftanstrengung, die noch Monate dauern wird.

Als die zerstörerische Flut durch die Eifel rauschte, verwandelte sich das Euskirchener Werk von Procter & Gamble kurzfristig in ein Notlager. Wo sonst 1200 Mitarbeiter Pampers produzieren, wurde ein Feldbettenlager für die Helfer vom Technischen Hilfswerk aufgestellt, wurden Tausende Essen für die nahe Notunterkunft gekocht und Hygieneprodukte gratis an Bedürftige abgegeben.

Drei Wochen nach der Katastrophe sind die Feldbetten wieder abgebaut, und die Krisenbewältigung ist in eine neue Phase eingetreten. "Die Soforthilfe entwickelt sich jetzt weiter zu einer Wiederaufbauhilfe", sagt Gabriele Hässig von Procter & Gamble. Produkte des täglichen Bedarfs – Windeln und Inkontinenzprodukte, Waschmittel und Zahncreme – werden nun nicht mehr einzeln am Werk ausgegeben, sondern palettenweise an die Hilfsorganisationen. Der Feuerwehr Euskirchen, die mehrere Fahrzeuge im Einsatz verloren hat, spendete das Unternehmen 400.000 Euro für die Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeuges. 

Von Trocknungsgeräten bis Ersatzautos

Auch andere Unternehmen helfen – neben den professionellen Hilfskräften und engagierten Freiwilligen – tatkräftig bei der Bewältigung der Schäden. So stellte etwa Pumpenhersteller KSB dem THW Schmutzwasserpumpen zur Verfügung. Die Baumarktkette Obi rief Kunden auf, private Trocknungsgeräte und Pumpen gegen einen Gutschein für ein neues Gerät im Markt abzugeben, um diese Flutopfern zur Verfügung zu stellen. Die Autobauer Daimler und Ford schickten geländegängige Fahrzeuge zur Unterstützung der Rettungsteams. Opel stellt Menschen, deren Auto abgesoffen ist, bis zu drei Wochen ein kostenloses Ersatzfahrzeug zur Verfügung.

Andere Unternehmen helfen mit Geldspenden. Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, spendete zehn Millionen Euro, Schraubenhersteller Würth fünf Millionen. Unter anderem dank solcher Großspenden verzeichnet das Bündnis "Aktion Deutschland hilft" einen Spendenstand von 100 Millionen Euro. Auch die Stiftung stern sammelt Spenden für die vom Hochwasser Betroffenen

Koordination durch Logistikzentrum

Sach- wie Geldspenden müssen nun ihren Weg zu den Betroffenen finden. Welche Mammutaufgabe das darstellt, zeigt ein neues Logistikzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Zülpich bei Euskirchen. In der mehr als 10.000 Quadratmeter großen Halle sammelt das DRK seit vergangener Woche Sachspenden von großen Unternehmen. 1500 Paletten und weitere in Kartons verpackte Hilfsgüter stapeln sich hier aktuell, weitere werden folgen. "Die Spendenbereitschaft der Unternehmen ist nach wie vor hoch", berichtet Charlotte Kemperdick vom verantwortlichen DRK Nordrhein.

Die Halle gehört eigentlich der Firma Fiege, das DRK hat sie komplett gemietet, um die "überwältigende Menge von Sachspenden sicher regengeschützt lagern zu können", sagt Kemperdick. In den kommenden drei bis sechs Monaten wird das Logistikzentrum als zentrale Anlaufstelle für Hilfsgüter in der Region dienen, vielleicht auch länger. Ein Team von DRK-Profis und ehrenamtlichen Helfern kümmert sich um die eingehenden Sachspenden und stellt sie auf Abruf den Kreisverbänden und lokalen Hilfsorganisationen zur Verfügung.  

Noch monatelang Hilfe nötig

Dinge des täglichen Bedarfs wie Windeln und Lebensmittel spielten immer noch eine wichtige Rolle, denn manche Flutopfer hätten immer noch keinen ungehinderten Zugang zu Geschäften, sagt DRK-Projektmanagerin Kemperdick. Außerdem im Fokus sind derzeit Bautrockner und Maschinen für den Wiederaufbau. Demnächst werden Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen oder Mikrowellen und auch Möbel im Logistikzentrum erwartet. Denn wenn die schlimmsten Schäden in den Wohnungen beseitigt sind, müssen sich viele Betroffene neu einrichten.

Das gilt auch für die Procter & Gamble-Mitarbeiter in Euskirchen, die in den Tagen der Flut nicht nur Helfer, sondern teilweise auch selbst Betroffene waren. Um den Kollegen zu helfen, deren Häuser beschädigt oder Autos zerstört wurden, hat die Belegschaft konzernweit schon 140.000 Euro an Spenden gesammelt, berichtet Unternehmenssprecherin Hässig. Der Arbeitgeber verspricht, diese Summe zu verdoppeln. Neben der materiellen Hilfe biete das Unternehmen auch seelsorgerische Hilfe, sagt Hässig. Einige Mitarbeiter seien durch die Geschehnisse nach wie vor extrem belastet.

Mehr über die Flutkatastrophe und ihre Folgen lesen Sie auch im Sonderheft des stern


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