HOME

Übernahme: Fiats Angebot erzürnt Opels Betriebsrat

Der italienische Autokonzern Fiat will im Fall einer Übernahme nur drei der vier Opel-Standorte in Deutschland erhalten. Nicht genug, sagt der Betriebsrat der Opelaner. Die Stimmung in der Belegschaft sei "zornig".

Der Opel-Betriebsrat hat sich empört über die Fiat-Pläne zum Kaiserslauterer Opel-Werk geäußert. "Die Stimmung in der Belegschaft ist zornig", sagte der stellvertretende Chef des Betriebsrats, Lothar Sorge, am Montag in Kaiserslautern. "Diese Forschheit habe ich Fiat nicht zugetraut."

Es sei inakzeptabel, dass der Fortbestand des Werkes infrage gestellt werde, sagte Sorge: "Das bestätigt unsere Befürchtungen zu einer Allianz mit Fiat." Zugleich rief der stellvertretende Betriebsratschef die Belegschaft des Opel-Werks zur Ruhe auf: "Niemand soll jetzt den Kopf verlieren."

Am Nachmittag hatte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Öffentlichkeit über die Pläne des italienischen Autobauers informiert. Demnach will Fiat im Falle eines Einstiegs bei Opel nur drei der vier deutschen Werke erhalten. Die drei Endmontagewerke Rüsselsheim, Bochum und Eisenach sollten weiter betrieben werden. Für das Werk in Kaiserslautern sehe Fiat einen "gewissen Konsolidierungsbedarf", sagte Guttenberg nach einem Gespräch mit Fiat-Chef Sergio Marchionne. Im Werk Kaiserslautern arbeiten rund 3500 der 26.000 Opelaner in Deutschland. Zu Guttenberg hält eine Entscheidung zur Zukunft des Autobauers Opel noch in diesem Monat für möglich.

Fiat wolle ohne eigene Schulden bei Opel einsteigen, erläuterte der Minister. Die Vorstellungen laufen auf einen europäischen Autokonzern hinaus, der vor Volkswagen der größte in Europa und nach Toyota der zweitgrößte der Welt werden würde. Opel solle als Marke erhalten bleiben und ein deutsches Hauptquartier behalten, habe Marchionne versichert. Europaweit sehe Fiat aber Konsolidierungsbedarf, was das Personal und die Standorte angehe. In Deutschland könnte Kaiserslautern "davon negativ betroffen" sein.

Trotz der Versicherung, eine Konstruktion zu finden, bei der Fiat ohne eigene Schulden in den neuen europäischen Konzern einsteige, gebe es einen Überbrückungsbedarf, den Marchionne auf fünf bis sieben Milliarden Euro geschätzt habe, sagte Guttenberg. Dieser Bedarf ergebe sich aus den Schulden und den Pensionsverbindlichkeiten von General Motors in Europa. Er müsste europaweit durch staatliche Garantien oder Bürgschaften abgesichert werden.

"Das ist eine Hausnummer, die man in Europa erst einmal verteilen muss", sagte der CSU-Politiker, der ansonsten eine Bewertung über das Wort "interessant" hinaus vermied. "Das ist ein interessanter Ansatz, keine Frage", sagte Guttenberg, auch wenn der Finanzierungsbedarf "nicht unerheblich" sei.

Von der Bundesregierung werde es "heute oder morgen keine Vorfestlegungen" geben, so Guttenberg. Zunächst werde man weiterhin mit Interesse auf den Plan des kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna warten, der gemeinsam mit einem russischen Partner ebenfalls Interesse an Opel hat. Guttenberg betonte, die Bundesregierung sei auch im Interesse der Arbeitnehmer an einer langfristigen Lösung interessiert. Dies habe er auch Marchionne deutlich gemacht. Der Fiat-Chef habe versichert, "dass das seinen Zielsetzungen entsprechen würde".

Die rheinland-pfälzische Landesregierung kritisierte derweil die Pläne Fiats zum Opel-Werk Kaiserslautern: "Die Opel-Pläne von Fiat sind nicht akzeptabel", sagte der Mainzer Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) am Montag. Es sei "nicht hinzunehmen, wenn ein Einstieg von Fiat auf Kosten eines kompletten Opel-Standortes gehen soll".

"Hochzeit im Himmel"

Am Montagvormittag hatte Fiat bereits angedeutet, seine Autosparte ausgliedern und mit Chrysler und dem Europageschäft von General Motors fusionieren zu wollen. Nach einem Treffen des Verwaltungsrates am Sonntagabend hieß es in einer Erklärung, Fiat Group Automobiles könnte ausgegliedert und mit GM Europe und den Chrysler-Anteilen verschmolzen werden. Anschließend wäre auch ein Börsengang des neuen Auto-Unternehmens denkbar, das auf einen Jahresumsatz von 80 Milliarden Euro kommen dürfte.

Opel wurde in der Mitteilung nicht erwähnt. Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte jedoch der "Financial Times", das Ziel sei die Schaffung einer neuen Aktiengesellschaft mit dem Namen "Fiat/Opel". Der Konzern solle sechs bis sieben Millionen Autos jährlich herstellen und zur weltweiten Nummer zwei hinter dem japanischen Autobauer Toyota Motor aufsteigen. "Aus technischer und industrieller Sicht ist das eine im Himmel geschlossene Hochzeit", so Marchionne.

Um trotz hoher Entwicklungskosten profitabel arbeiten zu können, müssten Marchionne zufolge auf jeder Plattform mindestens eine Million Autos pro Jahr gebaut werden. Opel, Vauxhall und Saab nutzen bereits gemeinsame Komponenten. Durch einen Austausch mit Fiat und Chrysler würde der Vorteil vergrößert. Bis Ende Mai, so der Plan Marchionnes, soll die Fusion beschlossen werden. Der bisherige Opel-Mutterkonzern GM würde Minderheitseigner des neuen Unternehmens. Der 30-Prozent-Anteil der Fiat-Gründerfamilie Agnelli würde verwässert.

Wachsender Zeitdruck

Die deutsche GM-Tochter Opel ist für 80 Prozent des Umsatzes von General Motors Europe verantwortlich. Fiat hatte am Donnerstag eine Allianz mit dem US-Konzern Chrysler besiegelt, der am selben Tag Gläubigerschutz beantragte.

Gewerkschafter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild sieht unterdessen einen wachsenden Zeitdruck für eine Opel-Lösung. Er geht davon aus, dass die Opel-Mutter General Motors bis Mitte Mai Insolvenz anmelden wird. Spätestens dann müssten Verträge zwischen GM und Opel vorliegen, die den Zugriff auf Technologien sowie die künftigen gemeinsamen Aktivitäten von GM und Opel regelten, sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter dem Berliner "Tagesspiegel".

AP/Reuters/DPA / AP / DPA / Reuters