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Konzern-Neuausrichtung: VW-Chef Müller fordert Belegschaft zu Solidarität auf

Die Zukunft soll einige Veränderungen bei VW bringen. Bei der Umsetzung sind sich Betriebsrat und Management aber nicht einig. Mit einem offenen Brief an die Belegschaft will Vorstandsvorsitzender Matthias Müller Einigkeit schaffen.

Matthias Müller ist seit 2015 Vorstandsvorsitzender von VW

Matthias Müller ist seit 2015 Vorstandsvorsitzender von VW

Der Streit um die Zukunft geht weiter: Mit dem geplanten Umbau bei Volkswagen (VW) sollen Milliarden eingespart werden, doch Management und Betriebsrat werden sich nicht einig. Konzernchef Matthias Müller wandte sich in der Problematik an alle Mitarbeiter. In einer eigenen internen Mitteilung, die der dpa vorliegt, sagte der Vorstandsvorsitzende, man werde weiter "alles tun, damit Konflikte konstruktiv gelöst werden und Volkswagen vor Schaden geschützt wird".

Zuletzt sei in der Öffentlichkeit "der fatale und falsche Eindruck" entstanden, "dass es bei VW nur noch gegeneinander und nicht miteinander geht". Dagegen müsse man sich aufs Wesentliche besinnen: Volkswagen braucht jetzt etwas ganz anderes: Konzentration, um die Diesel-Krise weiter sauber auf- und abzuarbeiten. Konsequenz und Solidarität, um die begonnenen Reformen und die Neuausrichtung für die Zukunft gemeinsam zum Erfolg zu führen", forderte Müller.

Zukunftspläne sind Streitpunkt bei VW

Zuvor war ein Spitzengespräch zum Reizthema Zukunftspakt am Montag ergebnislos ausgegangen. Beide Seiten vertagten die Verhandlungen, ein neuer Termin steht jedoch noch nicht fest. Die Umsetzung der Spar- und Umbauziele bei VW hat zu zahlreichen Konflikten zwischen Markenchef Herbert Diess und Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh geführt. Die beiden waren schon in den Vorbereitungen des Pakts aneinandergeraten, der bis zum Jahr 2025 Jobstreichungen mit Jobaufbau in Zukunftsgeschäften und hohen Investitionen austarieren soll. Beschlossen wurde das Programm im November.

Es bestehe Einvernehmen über die Dringlichkeit, erklärte ein Sprecher des Betriebsrats: "Wir begrüßen es, dass Herr (VW-Konzernchef) Müller unsere Ansicht teilt, dass es so nicht weitergehen kann. Volkswagen braucht Ruhe und Verlässlichkeit, um den Zukunftspakt umzusetzen." Ergänzend hieß es aber: "Wir würden es begrüßen, wenn der Konzern die Umsetzung und Einhaltung der Vereinbarungen stärker an sich zieht." In einem Brief an die Mitarbeiter hatte Diess geschrieben, er strebe eine "sachliche Klärung" an. 

Betriebsrat appelliert an Vorstand um Matthias Müller

Der Betriebsrat appellierte an die VW-Spitze, das Thema auch auf der Ebene des Gesamtkonzerns zur Chefsache zu machen: "Wir würden es begrüßen, wenn der Konzern die Umsetzung des Zukunftspakets und die Einhaltung der Vereinbarungen stärker an sich zieht." Gemeint ist, dass nicht nur bei der Kernmarke, auf deren geringe Ertragskraft der Pakt gemünzt ist, die Folgen für feste Jobs und Leiharbeiter bedacht werden. Die Marke Volkswagen wollte dies nicht näher kommentieren.

Bei der Auseinandersetzung mit Osterloh soll es etwa um die Frage gehen, ob und wann Leiharbeiter zu welchen Bedingungen trotz des insgesamt hohen Spardrucks noch übernommen werden können. Auch sieht der Betriebsrat Zusagen zum parallelen Aufbau neuer Jobs gebrochen.

Auto und VW LOGO im Hintergrund

Parallel zu den innerbetrieblichen Konflikten ist VW weiterhin in die Aufarbeitung der Abgas-Affäre involviert. Die Internet-Plattform "myright" kündigte am Montag außerdem eine Klage gegen den Autobauer im Namen von 20.000 Kunden an.

fri / DPA