VG-Wort Pixel

Volkswagen VWs erstaunliche Wandlung vom Diesel-Betrüger zum Diesel-Kritiker

By, bye - der VW-Chef verabschiedet sich vom Diesel
By, bye - der VW-Chef verabschiedet sich vom Diesel
© Julian Stratenschulte/DPA
Lange Zeit baute Volkswagen auf den Dieselmotor, bis der große Abgasbetrug der Wolfsburger ans Licht kam. Nun versucht sich Matthias Müller als Diesel-Kritiker.

Mut hat er ja, VW-Chef Matthias Müller. Oder sagt man besser Chuzpe. VW ist die Firma, deren Dieselgate  der Automobilindustrie und dem betroffenen Dieselmotor mehr geschadet hat als jeder andere Skandal. Nun fühlt sich ausgerechnet Müller berufen, die Zukunft des Dieselmotors in Frage zu stellen. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen", sagte Müller dem "Handelsblatt" kurz vor der VW-Hauptversammlung an diesem Mittwoch. Böse könnte man sagen: Das ist vielleicht die richtige Strategie für einen Konzern, der schon im Jahr 2008 die geltenden Dieselgesetze nur einhalten konnte, indem man Kunden und Regierungsstellen in einem beispiellosen Umfang betrogen hatte.

Aus für den Diesel in den USA möglich

Ob Volkswagen jemals wieder Dieselmotoren in Amerika anbieten wird, bleibt angesichts der laufenden Prozesse in den USA unklar. "Das ist derzeit schwierig zu beantworten", sagte Müller. Die Abgasreinigung beim Diesel werde "enorm aufwendig und teuer". Gleichzeitig werde die Elektromobilität preiswerter. Die Steuervorteile des Diesels sind in Deutschland auf Dauer ebenfalls nicht gesichert. "Im Dialog mit der Politik müssen wir sehen, wie das alles weitergeht", sagte der Volkswagen-Chef.

Politik verbannt den Verbrennungsmotor

Abgesehen von der besonderen Diesel-Schieflage bei VW spricht Müller damit nur allgemein bekannte Szenarien aus. In Sachen Motorisierung gibt die Politik inzwischen den Takt an. Sollten die ehrgeizigen klimapolitischen Ziele der EU umgesetzt werden, darf der Verkehr bis zum Jahr 2050 so gut wie keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Dann müssten alle fossilen Kraftstoffe wie Benzin und Diesel ersetzt werden. Entweder durch nachwachsende Rohstoffe oder  durch Strom aus Erneuerbaren Energien. Schon weit früher dürften klassische Verbrenner in einzelnen Ländern oder Regionen aus dem normalen Verkehr verbannt werden. In den Niederlanden beispielsweise liegt ein Gesetzentwurf vor, demzufolge bis zum Jahr 2025 der Verkauf von Fahrzeugen mit Diesel- und Benzinmotoren komplett verboten werden soll. Sollte dieser Umweltfahrplan eingehalten werden, dürfte nach 2020 jeder Hersteller die Investitionen in klassische Verbrenner massiv herunterfahren und nicht nur VW.

Bei den Zukunftsthemen führt VW nicht 

Laut Müller sind Elektroantrieb und die digitale Revolution mit mehr Internet im Auto die beiden großen Zukunftsthemen in der Autobranche. Müller hatte in der vergangenen Woche von einem "epochalen Wandel" gesprochen.  Doch Müllers-Worte hören sich auch wie das Pfeifen im Walde an. Denn bislang war die technologische Vorreiterrolle bei Diesel- und Benzinmotor eine Säule des Erfolgs von VW. Pioniertaten bei den Themen Elektromotor und digitale Autorevolution gab es dagegen nicht. Da ist VW bisher eher durch Alltagsware und einzelne Projekte mit großem Showeffekt aufgefallen.

VW-Chef Müller befindet sich daher im Wesentlichen im Ankündigungsmodus. Betont kritische Bemerkungen zu Diesel- und Benzinmotoren verkünden die Botschaft "Wir haben verstanden", in der Sache helfen sie dem Wolfsburger-Konzern aber nicht, den Abstand zu den Technologieführern im Bereich Elektromobil und Digitales zu verringern. Und die heißen auch beim Auto Google, Apple und Tesla.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker