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Werksschließung: NRW will Fördergelder von Nokia zurück

Millionen Euro an Fördergeldern hat Nokia vom Land Nordrhein-Westfalen eingestrichen. Nachdem der Handyhersteller bekanntgegeben hat, sein Werk in Bochum schließen zu wollen, prüft das Land nun, ob es 17 Millionen Euro zurückfordern kann. Derweil wächst die Empörung über Nokias Abwanderung.

Nach der Schließungsankündigung für das Bochumer Nokia-Werk mit 2300 Beschäftigten prüft das Land Nordrhein-Westfalen die Rückforderung von Fördergeldern in Millionenhöhe. Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) habe damit die NRW-Bank beauftragt, berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Es gehe um 17 Millionen Euro Fördergeld. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zeigte sich im WDR-Fernsehen empört über die Entscheidung der Nokia-Konzernspitze. Es seien erhebliche öffentliche Mittel als Subventionen in das Werk geflossen, und dort seien Gewinne gemacht worden. Die Argumentation mit zu hohen Lohnkosten in NRW nannte Rüttgers "Unsinn, nichts als Unsinn".

Nokia hatte jetzt die Entscheidung verkündet, mit der auch zahlreiche Zulieferer und 1000 Leiharbeiter in eine ungewisse Zukunft schauen. Damit kehrt der finnische Riese als letzter Handyhersteller dem Produktionsstandort Deutschland den Rücken. Erst vor einem Jahr hatte BenQ Mobile seine Produktion eingestellt, vor sechs Monaten kündigte der US-Hersteller Motorola seinen Rückzug aus Deutschland an. Die Gewerkschaften wollen sich gegen die Schließungspläne wehren.

Aus Kostengründen will der finnische Welt-Konzern die Fertigung nach Rumänien, Ungarn und nach Finnland verlagern. Die Arbeitskosten in Deutschland lägen im Vergleich zu Rumänen um das Zehnfache höher. "Wir folgen der globalen Nokia-Strategie, die auf Kosteneffizienz und Flexibilität in der Logistik setzt", sagte der Aufsichtsratschef der Nokia GmbH, Veli Sundbäck.

Noch in diesem Quartal soll nach Angaben der Nokia-Sprecherin Arja Suominen die Produktion im rumänischen Cluj aufgenommen werden. Ein weiterer Teil der bisherigen Massenfertigung in Bochum soll auf das Werk Komarom in Ungarn verlagert werden. Für Spitzenprodukte mit Bedarf an hoch qualifizierter Arbeitskraft ist die Verlagerung in das finnische Nokia-Werk in Salo geplant.

Nokia will jetzt zügig mit den Arbeitnehmervertretern in Verhandlungen gehen, um eine zufriedenstellende Lösung zu erzielen. Der Betriebsrat und die IG Metall hoffen noch auf die Hilfe von Politikern. Einer Rettung des Standortes wird aber wenig Spielraum eingeräumt. Nordrhein-westfälische Politiker verlangten Sozialpläne für die Beschäftigten. "Wir werden alles tun, um den Mitarbeitern zu helfen", versicherte Rüttgers.

Auch Subventionen für Standort Rumänien?

Laut Thoben scheinen jetzt weitere öffentliche Mittel - in diesem Fall von der EU - von Nokia dafür eingesetzt zu werden, einen neuen Standort in Rumänien aufzubauen. Solche Vermutungen wies Nokia-Manager Sundbäck dagegen zurück. Das Unternehmen habe weder Subventionen vom rumänischen Staat noch von der EU erhalten.

Das vor knapp 20 Jahren gegründete Bochumer Werk, größter industrieller Arbeitgeber der Stadt hinter Opel, stand bereits 2001 vor dem Aus. Damals wurden letztlich 340 der 3000 Stellen gestrichen. Der finnische Konzern war 1987 nach Deutschland gekommen und hatte zwei Jahre später die Fertigung von Handys in Bochum aufgenommen. Insgesamt zählt Nokia weltweit zusammen mit dem Telekomausrüster Networks rund 112.000 Beschäftigte.

DPA / DPA