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Strafmaßnahmen Die Sanktionen gegen Russland rechnen sich (doch), zeigt eine neue Studie zweier Wirtschaftsinstitute

Demonstranten protestieren gegen Russland-Sanktionen
Diese Demonstrantinnen sind offenbar der Meinung, der Schaden an der deutschen Wirtschaft sei durch die Russland-Sanktionen zu groß
© Bernd Wüstneck / DPA
Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland kommen auch Verbraucher in Deutschland teuer zu stehen. Aber es lohnt sich, wie eine neue Studie nun zeigt – vor allem unter einer bestimmten Bedingung.

Die Sanktionen gegen Russland bekommen Deutschland und viele weitere Staaten sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU in Form von steigenden Energiepreisen und Inflation zu spüren. Doch das rechnet sich, wie eine Studie zweier Wirtschaftsinstitute nun zeigt. Forschende des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben untersucht, wie sich die Sanktionen gegen Russland (2014) und den Iran (2012) auswirken. Das Ergebnis: "Selbst wenn in einer globalen Koalition wichtige Länder fehlen, können gemeinsam verhängte Sanktionen das betroffene Land erheblich schwächen", sagt Mit-Autor Julian Hinz vom IfW Kiel.

In der Modellsimulation haben die Forschenden untersucht, welche Folgen die Strafmaßnahmen gegen den Iran und Russland auf den Handel und den Wohlstand der beiden Länder hatten. Für Russland errechneten die Experten, dass der Export um 36 Prozent zurückging. Für die Importe rechneten die Fachleute mit einem Minus von mehr als 30 Prozent. Laut dem Modell führten die Einbußen zu einem Wohlstandsverlust von 1,5 Prozent. Zudem verlor Russland zehn Prozent seiner Handelsgewinne.

Weitaus dramatischer ist die Situation laut Modellsimulation für den Iran. Dort fiel das Minus mit 41 Prozent der Exporte und 83 Prozent bei den Importen deutlicher aus. Der Wohlstandsverlust lag laut Studienautoren dauerhaft bei 1,7 Prozent. Zudem musste das Land Verluste bei den Handelsgewinnen in Höhe von 12 Prozent hinnehmen.

Für die sanktionierten Länder bedeutet das alles hohe Kosten – während die sanktionierenden Länder ihre eigenen Kosten reduzieren.

Gruppen-Sanktionen sind besser als bilaterale Strafmaßnahmen

Darüber hinaus haben die Studienautoren untersucht, inwiefern sich die Folgen unterscheiden würden, wenn die Weltgemeinschaft die Sanktionen geschlossen tragen würde. Das Ergebnis: Eine kleinere Gruppe sanktionierender Länder könnte sowohl im Fall von Russland als auch des Iran rund 60 Prozent des Effektes erzielen, den eine globale Sanktionskoalition hätte. Umgekehrt bedeutet das: Auch eine kleine Gruppe kann mit Sanktionen gewisse Länder erheblich schwächen.

Das heißt aber nicht, dass der Effekt bestimmter Länder unbeachtlich wäre. Laut Studienautoren hätten auch China, Vietnam, Belarus, die Türkei und Südkorea wirksam zu den Russland-Sanktionen beitragen können. "Hätten sie sich (...) beteiligt, wäre der wirtschaftliche Schaden für Russland besonders stark gewachsen", heißt es in dem Bericht. Um die wirtschaftlichen Folgen für den Iran zu verstärken, hätten sich neben China und die Vereinigten Arabischen Emirate auch Indien, Singapur und Brasilien an den Sanktionen beteiligen müssen.

Umgekehrt interessierten sich die Forschenden auch für die Frage, welche sanktionierenden Länder die höchsten Lasten tragen. Im Fall von Russland kamen sie zu dem Schluss, dass kleinere Länder wie Litauen, Lettland, Estland und die Ukraine den höchsten Wohlstandsverlust hinnehmen mussten. Am geringsten werden die USA, Großbritannien, Japan, Kanada und Australien durch die verhängten Sanktionen belastet.

Je mehr Staaten sich an den Strafmaßnahmen beteiligen, desto höher fallen die Kosten für die betroffenen Länder aus, lautet das Fazit. "Koalitionen sind also bilateralen Sanktionen vorzuziehen. Auch mit Blick auf die in diesem Jahr gegen Russland verhängten Sanktionen ist relevant, dass erhebliche Wohlstandsverluste beim sanktionierten Land auch dann eintreten, wenn nicht alle weltweit wirtschaftlich bedeutenden Länder mitziehen", resümiert Co-Autor Hinz.

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