Seine Mission ist die Verführung

14. Januar 2013, 21:23 Uhr

Der CLA soll Kunden erobern, die vorher nie einen Mercedes wollten. Tatsächlich sieht das Coupé atemberaubend aus. Doch der Schönling setzt auch die eigene C-Klasse unter Druck.

Mercedes-Benz CLA, Detroit, Zetsche

Amy Heidemann von Karmin begleitet den Auftritt des CLA in Detroit.

In der Einsteigerklasse sucht Mercedes den Erfolg: Die neue A-Klasse sieht jünger und aggressiver aus, als die Konkurrenz. Nun folgt die elegante Krönung: der CLA. Schließlich fand die Studie "Concept Style Coupé" bei den Messebesuchern der Auto-China in Bejing großen Anklang. "Der mit Abstand häufigste Kommentar lautete: 'Bitte baut dieses Auto in Serie.' Genau das tun wir jetzt", sagt Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche auf der Präsentation. Gesagt, getan. Das Konzept des viertürigen Kompaktklassen-Coupés ist das Gleiche, wie bei beim deutlich größeren CLS: Vier Türen, ein abfallendes Dach vermitteln äußerlich eine Sportlichkeit, die die Motoren aber nur teilweise erfüllen: Los geht es mit 122 PS und bei 211 PS – soviel bringt auch jeder GTI auf die Straße - ist vorläufig die Spitze der Antriebs-Fahnenstange erreicht.

Das macht aber nichts: Denn zuerst positioniert sich der CLA als Schönling auf Rädern. Und in dieser Hinsicht kann es kaum jemand mit ihm aufnehmen. Zudem hat er das Zeug, sich als attraktive Alternative zu 3er BMW und Audi A4 zu positionieren. In diesem Umfeld ist der Beau dann sogar vergleichsweise günstig.

Noch mehr Dynamik gewünscht

Später dürfte Haustuner AMG, der schon einen 350-PS-A-Klassen-Dampfhammer entwickelt hat, zum Zuge kommen. Schließlich gibt es den CLA auf Wunsch auch mit Allradantrieb. Der wäre nötig, um die Kraft auf die Straße zu bringen.

Mit einem cW-Wert von 0,23 ist das Coupé laut Mercedes-Benz in seiner Klasse ganz vorne dabei. Das wirkt sich auf den Verbrauch aus, der bei den Benzinern zwischen 5,31 (126 g CO2/km) und rund sechs Litern (142 g CO2/km) betragen soll. Der Spitzenreiter in dieser Kategorie ist der der 170-PS-Diesel mit 107 g CO2/km (etwa vier Liter). Doch der wird als Sparmeister im Herbst sicher vom 136-PS-Selbstzünder abgelöst.

Zu dieser Öko-Bilanz trägt auch das Doppelkupplungsgetriebe bei. Wer lieber selbst Hand anlegt, greift zur manuellen Sechsgang-Schaltung. Wer dem sportlichen Auftritt im Tiefflug genießen will, zum Sportfahrwerk. Dank der unterschiedlichen Tieferlegung von zwei Zentimeter vorne und 1,5 Zentimeter hinten mutiert der der CLA zum umgedrehten Schwabenkeil. Beim Exterieur-Design gab sich die Truppe um Designchef Gordon Wagener Mühe, dem Coupé noch etwas optische Dynamik einzuhauchen. Mit drei Kanten, die sich quer über die Flanke des 4,63 Meter langen Automobils spannen, gelingt das auch. Der Kühlergrill mit den vielen glitzernden Punkten statt Lamellen soll dem Coupé auch frontal eine besondere Note verleihen. Das Interieur mit dem Ipad-ähnlichen Display stammt aus der A-Klasse. Lediglich die Applikationen und Lüftungsdüsen sind silbern beschichtet.

Deutlicher Preisaufschlag

Bei den Assistenzsystemen gibt es das volle Arsenal aus der A-Klasse. Der Kollisionswarner greift jetzt schon bei sieben Stundenkilometern ein. Im Vergleich zur A-Klasse 180, die für 23.978,50 Euro zu haben ist, lässt sich Mercedes den Nobel-Kompakten teuer bezahlen: Unter 28.977 Euro für den CLA 180 geht gar nichts. Das sind immerhin solide 5000 Euro mehr. Ab April steht der CLA beim Händler. Dann muss sich auch zeigen, ob sich viele der potenziellen C-Klasse-Kunden vielleicht auch für einen CLA begeistern können. Das wäre wohl kaum im Sinne der Daimler-Verantwortlichen. Aber kaum zu vermeiden.

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