Erdgas-Mobil für Pizza-Dienste

9. Dezember 2012, 07:08 Uhr

VW setzt auf Gasantrieb, um die ambitionierten CO2-Ziele zu erreichen. Der Eco Up ist der neueste Baustein in der Emissions-Senkungs-Kette…

Was für Toyota der Hybrid, wird für VW zunehmend der Erdgasantrieb. "Wir müssen das Thema Erdgas in den kommenden Jahren viel intensiver angehen als bisher", lautet Martin Winterkorns Verdikt. Der allgewaltige VW-Chef scheint damit den Nerv der Zeit zu treffen - zumindest in Deutschland. Nach Angaben des Kraftfahrzeug-Bundesamtes sind hierzulande momentan lediglich rund 75.000 Hybridfahrzeuge zugelassen. Damit ist das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge au Deutschlands Straßen zu bringen, ernsthaft gefährdet.

Auch wenn die Stromer scheinbar nicht den Geschmack der teutonischen Autofahrer treffen, schwebt immer noch das Damoklesschwert der EU über den Häuptern, der Automobil-Hersteller, dass die CO2-Emissionen innerhalb der nächsten acht Jahre auf durchschnittlich 95g CO2/km gesenkt werden muss. Um diesen Flottenverbrauch zu erreichen, ist es natürlich nicht damit getan, noch mehr Elektroautos zu bauen, zumal die Akzeptanz bei den Käufern ohnehin momentan nicht besonders hoch ist. Also setzt der Volkswagen-Konzern, wie vom Konzernlenker gewünscht, auf Erdgas beziehungsweise Biomethan.

Das jüngste Mitglied dieser Vehikel-Gattung ist der Eco Up. Rein äußerlich erkennt man keinen Unterschied zum Serienmodell. Nur die fehlende Reserveradmulde weist auf das Vorhandensein zusätzlicher Behälter hin. Die beiden Gastanks befinden sich vor und hinter der Hinterachse und fassen insgesamt 72 Liter (elf kg) Gas. Das ergibt bei einem Durchschnittsverbrauch von 2,9 Kilogramm Erdgas pro 100 Kilometer eine Reichweite von 380 Kilometer. Wird der Zehn-Liter-Benzintank angezapft, kann man mit dem Eco Up rund 600 Kilometer weit fahren. Das dürfte vor allem Pizza-Lieferanten und Pflegedienste freuen. Dass die CO2-Emission nur 79 g/km beträgt, macht die Sache nur noch besser - auf dem Papier zumindest. Damit betragen die Kosten nur etwa drei Euro pro 100 Kilometer und der Erdgas-Stadtflitzer amortisiert sich nach etwa 55.000 Kilometer. Schließlich gibt es die grüne Mobilität Anfang nächsten Jahres nicht zum Sonderpreis: Der Eco Up kostet mindestens 12.950 Euro und damit 2.375 Euro mehr als die 75-PS-Version.

Auf der Straße merkt man dem 68-PS-Eco-Up das Mehrgewicht von 100 Kilogramm durch die Gastanks kaum an. Der Zusatzballast wird durch Federn, die härter werden, je mehr sie zusammengedrückt werden und ein etwas straffer abgestimmtes Fahrwerk ausgeglichen. Unebenheiten strapazieren die Bandscheiben des Fahrers nicht. Im Gegenteil die Hinterachse schwingt sogar etwas nach. Auch der Dreizylinder- Motor wurde für den Gasbetrieb modifiziert: Zündkerzen, die Nockenwellenverstellung und die Ventile wurden überarbeitet. Neu ist der elektronische Gasdruckregler. Der schafft auch noch bei vier bar Druck im Tank das Gas zur Saugrohreinspritzung. Bisher war bei neun bar mit dem Erdgasbetrieb Schluss.

Damit der Motor reibungslos funktioniert, überprüft die Sensorik nach jedem Tankvorgang die Gasqualität und kalibriert den Motor neu. Dann läuft das Triebwerk kurzzeitig mit Benzin. Auch bei Temperaturen unter zehn Grad wird mit Benzin begonnen, um die Temperatur des Gasdruckreglers zu erhöhen. Einmal in Bewegung, ist das Ein-Liter-Aggregat ist akustisch durchaus präsent und will hochgedreht werden, um etwas Temperament zu entfachen. Dass das einer entspannten Geräuschkulisse nicht gerade zuträglich ist, liegt auf der Hand.

Was beim Up recht ist, kann beim Golf nur billig sein. Das Volumen-Flaggschiff wird vermutlich im September des nächsten Jahres als Erdgas-Variante erscheinen. Der Audi A3 wird folgen. Der Modulare Querbaukasten (MQB) sieht solche Erweiterungen vor. "Wenn das Volumen an Erdgas-Fahrzeugen im Markt steigt, sind wir gerüstet", sagt Produktmanager Uwe Behlendorf. Dann freuen sich nicht nur die Pizzadienste.

VW Eco Up
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