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Fahrräder dürfen bei Rot über die Ampel – bricht jetzt das Chaos aus?

Verkehrspolitik umweltfreundlicher zu gestalten, ist eine der Hauptaufgaben "grüner Lokalpolitik". Geht es nach den Grünen, sollen Ampeln für Radfahrer demnächst nur noch eine Empfehlung sein.

Ampel

Ampel mit Sonderzeichen für Radfahrer.

Im US-Bundestaat Idaho dürfen Radfahrer Ampeln wie Stoppschilder behandeln und Kreuzungen nach eigenem Ermessen auch bei Rot überqueren. In den Augen der Grünen ist das laut eines Berichts im Berliner Tagesspiegel auch für die Hauptstadt ein sinnvolles Modell.

Status Quo

Bei Grün darf man fahren, bei Rot muss man warten. Was von Autofahrern in der Regel akzeptiert wird, empfinden Radfahrer oft als nervig. Insbesondere an übersichtlichen Kreuzungen ist das auch verständlich – Radfahrer haben einen wesentlich besseren Rundumblick als Autofahrer und sollten schon aus eigenem Überlebenstrieb vorsichtig beim Überqueren von Kreuzungen sein.

Forderung

Die Grünen wünschen sich daher mehr Flexibilität im Umgang mit Radfahrern und fordern eine Umsetzung der Idaho-Regel an ausgewählten Kreuzungen in Berlin. Grünen Verkehrspolitiker Stefan Gelbhaar betont, dass die Regel kein Freifahrtsschein für Verkehrsrowdies sei. Der Antrag der Grünen verweist auf Strasbourg, Bordeaux und Nantes. In den französischen Städten wurde die Regelung bereits umgesetzt – mit positiven Erfahrungen.

Situation in Deutschland

Kann das in Deutschland klappen? Rückschlüsse von Idaho auf Berlin sind nicht zulässig. Der US-Bundesstaat hat halb so viele Einwohner wie Berlin - auf einer Fläche so groß wie Großbritannien. Das Fahrrad ist als Verkehrsmittel entsprechend unbedeutend. Ein Paradebeispiel für eine sinnvolle Umsetzung: Eine Straße mit Radspur und einer T-Kreuzung ohne Einmündung von rechts. Hier ist ein Radfahrer, der eine rote Ampel vorsichtig überquert in der Regel niemandem im Weg. Im Gegenteil. Momentan weichen Radfahrer an solchen Kreuzungen auf den Fußweg aus und gefährden damit im schlimmsten Fall die Fußgänger. Das Problem an diesem Beispiel: Die wenigsten Straßen in Deutschland haben eine echte Radspur.

Bedenken

Sorgen, dass gerade an unübersichtlichen Kreuzungen eine "Idaho-Ampel" zu sorglosen Überquerungen führt, sind nicht unbegründet. Auch die Gefahr für Kinder, die noch kein Gespür für Verkehrssicherheit haben ist nicht von der Hand zu weisen.

Fazit

Das Fahrrad ist das umweltfreundlichste und das günstigste Verkehrsmittel. In der Stadt ist es auf Kurzstrecken darüber hinaus auch noch schneller als jeder Konkurrent. Wer es ernst meint mit dem Klimaschutz und einer nachhaltigen Verkehrspolitik, kommt an einer fahrradfreundlichen Planung nicht vorbei. Gerade die Grünen sollten daher mehr im Köcher haben als ein paar neue Regeln für die Ampelnutzung.

Heiner Walberg
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