Teuer, dreckig und gefährlich

22. Juni 2005, 11:36 Uhr

Vor dem Beginn der Hauptreisezeit bieten die Raststätten an den europäischen Autobahnen ein enttäuschendes Bild. Die ADAC-Tester kritisierten gefährliche Sicherheitsmängel, hohe Preise und schmutzige Sanitäranlagen.

Raststätte Hegau Ost an der A 81 Stuttgart Singen. Testsieger des ADAC Raststättentests 2005©

Vor dem Beginn der Hauptreisezeit bieten die Raststätten an den europäischen Autobahnen ein enttäuschendes Bild: Zwei Drittel der Anlagen schafften beim jüngsten ADAC-Raststättentest gerade einmal die Note "ausreichend", ein weiteres Viertel fiel mit "mangelhaft" oder "sehr mangelhaft" glatt durch.

Die Tester kritisierten gefährliche Sicherheitsmängel im Außenbereich, fehlende Kinderspielplätze, hohe Preise und schmutzige Sanitäranlagen. Positiv wurden dagegen der Service und meist auch die Qualität des Essens bewertet. Testsieger und Testverlierer sind deutsche Raststätten.

Fast mustergültig fand der ADAC die Raststätte Hegau Ost an der A81 Stuttgart - Singen. Die neue Anlage überzeugte mit gutem und günstigem Essen und freundlichem Personal. Ebenfalls gute Noten erhielten die Raststätte Plötzetal Ost an der A 14 bei Halle, die österreichische Anlage Voralpenkreuz an der Autobahn Salzburg - Linz sowie die deutschen Autohöfe Lippetal und Herbolzheim.

Getestet wurden 60 Autobahnraststätten in sechs Ländern, 30 davon in Deutschland. Schlusslicht wurde die Raststätte Bad Bellingen an der A5 Freiburg - Basel. "Eine katastrophale Anlage. Unbedingt meiden!" warnten die ADAC-Tester. Fast nichts hätten sie positiv vermerken können - "Außenanlage, Zugang und Innenbereich, Gastronomie, Kommunikation und Hygiene, alles mehr oder weniger miserabel", lautete das vernichtende Urteil. Mit "sehr mangelhaft" schnitt neben Bad Bellingen auch der Autohof Hengersberg an der A3 Regensburg - Passau ab.

Wenige Anlagen kinderfreundlich

Familien haben Raststätten europaweit meist wenig zu bieten: Zwei Drittel der Anlagen bekamen von den ADAC-Experten die rote Karte - darunter alle getesteten Raststätten in Italien und Spanien sowie zwölf der 15 getesteten deutschen Autohöfe. Immerhin sieben Anlagen fand der ADAC aber sehr kinderfreundlich: die vier deutschen Raststätten Hermsdorfer Kreuz West, Plötzetal Ost, Pforzheim Nord und Hegau Ost, den Autohof Lippetal sowie die österreichische Anlage Wörthersee und - auf dem ersten Platz - die französische Raststätte Poulet de Bresse. Gut schnitt noch die Raststätte Dammer Berge Ost ab.

Die deutschen Autohöfe hätten aufgeholt und seien mit niedrigen Preisen zu einer echten Alternative für die Raststätten geworden, sagte ADAC-Vizepräsident Max Stich. Aber mangelnde Sicherheit im Außenbereich sowie fehlende Erholungseinrichtungen und Spielplätze blieben ihr großes Manko.

Ein Hauptaugenmerk legte der Club beim diesjährigen Test auf die Verkehrssicherheit und fand haarsträubende Mängel. Jede zweite Anlage fiel hier durch. Für Fußgänger seien fast alle Raststätten gefährlich. Mal fehlten Zebrastreifen über die vielbefahrene Fahrbahn zwischen Parkplatz und Rasthaus. Mal gebe es keine Fußwege, so dass Fußgänger hinter parkenden Autos vorbei laufen müssten. Vor allem Kinder könnten so leicht überfahren werden, wenn ein Auto rückwärts ausparke. Mangels LKW-Stellplätzen parkten Lastwagen mitunter auch auf den Ein- und Ausfahrspuren. Von 30 getesteten Anlagen in Deutschland präsentierte sich den ADAC-Testern nur eine als sehr verkehrssicher. Die Hauptverantwortung liege beim Verkehrsminister, der für die Außenanlage zuständig sei, sagte Stich.

"Die Testergebnisse enttäuschen mich doch sehr", sagte Stich. Keine einzige von 60 getesteten Raststätten erreichte die Bestnote "sehr gut". Vor allem die Sicherheits- und Hygienemängel seien gravierend.

AP

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