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24. Juni 2008, 12:50 Uhr

Umweltfreundlich aus der Not heraus

Jahrelange Appelle an das Öko-Gewissen konnten die Deutschen nicht bewegen, sparsame Autos zu kaufen. Erst seitdem die Preise an der Tankstelle explodieren, legen die Spritknauser zu. Zum Beispiel bei Dieseln, die zwischen 3,5 und 4,5 Liter verbrauchen. Dort gibt es ein Plus von 154 Prozent. Von Christoph M. Schwarzer

Jetzt, wo tanken so richtig weh tut, entscheiden sich die Deutschen für sparsamere Autos© Marcus Führer/DPA

Trotz des Chaos bei der Kfz-Steuerreform hat der Kunde sich entschieden: Jetzt werden sparsame Autos gekauft. Die Zulassungszahlen haben tüchtig zugelegt. Zwischen Januar und Mai konnte die Industrie ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbuchen. Die Umwelt freut sich über den Verbrauch: Der sank im Durchschnitt bei den Dieseln auf 6,3 Liter (minus 2,9 Prozent) und bei den Benzinern auf 7 Liter (minus 3,5 Prozent).

Der Trend zu sparsamen Neuwagen zeigt sich besonders deutlich beim Blick auf die CO2-Klassen, in die das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg alle Pkw einsortiert hat. Die CO2-Klassen geben exakt den Kraftstoffverbrauch wieder, weil pro verbranntem Liter Diesel immer 2,65 Kilogramm und pro Liter Benzin immer 2,37 Kilogramm Kohlendioxid freigesetzt werden.

EU-Ziel von 2012 kann leicht erreicht werden

Zuerst zu den Dieseln. Das Plus bei den Super-Spar-Dieseln bis 3,4 Liter (bis 90 g CO2/km) Normverbrauch beträgt sensationelle 512 Prozent (alle Zahlen Januar bis Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Die Zulassungen gehen mit wenigen Ausnahmen auf das Konto des Smart cdi. Diese Gruppe hat Signalwirkung, fällt aber zahlenmäßig mit nur 3055 Autos weniger ins Gewicht als die 37.435 Wagen, die zwischen 3,5 und 4,5 Liter (91 bis 120 g CO2/km) verbrauchen. Hier gibt es ein Plus von 154 Prozent! Die Autoindustrie hat in diesem Bereich bereits Massenprodukte wie den Golf BlueMotion und den BMW 118 d im Angebot. Während der kleine Smart sicher kein Wagen für jeden Zweck ist, werden in dieser Verbrauchsklasse "ganz normale" Kompakte angeboten, die keine Einschränkungen in Platz, Leistung und Komfort mit sich bringen. Aber ihr Verbrauch kann sich sehen lassen, mit diesen Autos geht der Kunde auf Nummer Sicher, denn sie unterbieten schon heute das EU-Emissionsziel für 2012. Dass nicht nur eine kleine Minderheit sparsam denkt, sieht man in der nächst höheren Verbrauchsklasse. Auch bei den fast genau 100.000 Dieseln, die zwischen 4,6 und 5,3 Litern (121 bis 140 g CO2/km) verbrauchen, beträgt der Zuwachs über 25 Prozent.

Obwohl der Tankstellenpreis für Diesel, der an einem Tag den des Benzins überholt und am nächsten wieder zurückfällt, den Selbstzünder zum Wackelkandidaten macht, bleibt der Diesel damit für viele die einzig wahre ökologische und ökonomische Lösung.

Wo der enorme Zuwachs für diese Autos herkommt? Aus den oberen Verbrauchsregionen. Da sind alle im Minus, meistens im zweistelligen Prozentbereich. Bei den Heizölsäufern gibt es nur im Bereich von 9,2 bis 10,6 Litern (241 bis 280 g CO2/km) ein Wachstum, das aber leicht durch den Verlust bei den Autos mit noch höherem Verbrauch zu erklären ist.

Auch Benziner auf dem Sparweg

Ein ganz ähnliches Bild gibt es bei den Benzinern. In der Klasse zwischen 3,9 und 5,1 Litern Verbrauch (91 bis 120 g CO2 / km) liegt das Plus bei 43,2 Prozent. Direkt darüber, bei den Verbrennern von 5,2 bis 5,9 Litern Benzin (121 bis 140 g CO2/km), liegt das Plus bei 44,1 Prozent. Nach unten geht es mit den Neuzulassungen in den großen Verbrauchsklassen: Minus 33,9 Prozent bei 8,5 bis 10,1 Litern (201 bis 240 g CO2/km), minus 18,5 Prozent bei 10,2 bis 11,8 Litern (241 bis 280 g CO2 / km) und minus 12,4 Prozent in der nach oben offenen Klasse von mehr als 13,6 Litern Benzin (mehr als 321 g CO2/km).

Gramm-Zählen bei der Autoindustrie

Ein wichtiger Faktor bei den sinkenden Normverbrauchswerten ist die Autoindustrie selbst. Sie hat verstanden, dass die CO2-basierte Kfz-Steuer kommt bzw. in den meisten europäischen Ländern längst Realität ist. Hohe Strafsteuern veranlassen die Hersteller, an jedem Zehntelliter Verbrauch und damit an den CO2-Emissionen zu feilen. Und so purzeln die Werte. Das meistverkaufte deutsche Auto, ein Golf mit 1,4-Liter Benziner und 80 PS, verbraucht im Schnitt noch 6,9 Liter (164 g CO2/km). Sein moderner, hausinterner Konkurrent, der 120 PS-Turbo mit DSG-Getriebe, verlangt nur noch 5,9 Liter (139 g CO2/km).

Vorreiter bei der Reduktion des Normverbrauchs bleibt BMW. Dank Efficient Dynamics, der bedarfsorientierten Steuerung von Pumpen, Kompressoren und Lichtmaschine in Verbindung mit einer Start-Stopp-Automatik, fällt der Verbrauch Stück um Stück. Eine Technologie, die so oder so ähnlich bald in sehr vielen Autos zu finden sein wird.

Sparen, ohne zu verzichten. Das ist mit Wagen wie dem Golf Bluemotion möglich© Volkswagen

SUVs weiter im Trend

Und die viel gescholtenen SUVs? Denen geht es wider allen Grabreden erstaunlich gut. Ihr Zuwachs beträgt zwar mit 3,5 Prozent im Vergleich zum Gesamtwachstum von 4,2 Prozent vergleichsweise wenig. Aber Ford Kuga und VW Tiguan zeigen, wohin die Reise geht: Letzterer hat nicht nur im Mai einen Marktanteil von 14,9 Prozent in seinem Segment ergattert. Bei ihm war auch der Anteil der Privatkäufer mit fast 60 Prozent extrem hoch.

Vielfältige Ursachen für Neuorientierung

Der naturgemäß kaufkräftigere Kunde von Neuwagen hat sich von dem Hin und Her bei der Reform der Kfz-Steuer offenbar nicht kirre machen lassen. Sonst wäre die Zahl der Gesamtzulassungen gesunken. Das Gegenteil ist aber der Fall. Möglicherweise haben viele Käufer wegen der Umstellung der Berechnungsgrundlage der Steuer von Hubraum auf CO2-Emissionen beim Kauf besonders aufgepasst.

Und ganz sicher spielen die deftig gestiegenen Spritpreise eine Rolle beim Griff zum sparsameren Vehikel. Da kann der Neukunde auch mehr Geld in der Tasche haben als der Gebrauchtwagenkäufer, irgendwann tut das Tanken weh. Schmerzvermeidung als Kaufmotivation. Unabhängig von der Wahl des Energieträgers - Diesel, Benzin, Gas - hat auch der Letzte begriffen, dass entscheidend ist, was hinten rauskommt. Der deutsche Michel hat sich entschieden: Ich kaufe sparsamer, und wenn dabei mit kleinen CO2-Emissionen auch noch das Klima und die begrenzten Ressourcen geschont werden, ist mir das recht.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Badmax (24.06.2008, 17:57 Uhr)
@Terrax
Hallo Terrax, ich lache mit ihnen zusammen ;-) . Ich kenne ein paar Öko-Trottel die sich auch über jede Preissteigerung des Öls freuen. Dabei sind diese Idioten indirekt in der Autoindustrie besschäftigt. Dumme Menschen haben die Angewonheit am Ast zu sägen, auf dem sie dann auch noch sitzen. Die Richtung ist vorgegeben. Der Letzte macht das Licht aus.
terrax (24.06.2008, 17:40 Uhr)
@namidh
Das ist richtig, daß das bei Radioaktivität so ist, aber man weiß aus proben der Antarktis, daß der CO2-Spigel schon einmal viel höher war und man stelle sich vor, was einige wahrschinlich garnicht können, er ist sogar wieder gesunken. Vielleicht sollten einige mal googeln. Es gibt auch genügend auch seriöse wissenschaftliche Seiten im Netz. Man sollte natürlich nicht in Deutschland googeln, denn hier sind natürlich alle Lobbyisten und Forschungsinstitute auf der Seite von dem schlauen Herrn Gabriel.
namidh (24.06.2008, 17:14 Uhr)
Dezent Offtopic: Agument Natur
Weil hier jemand meinte, Vulkane seien ja auch da und überhaupt sei das nicht so schlimm:
Die Natur ist generell so angelegt, dass sie an sich genug aushält und sich deswegen in Balance hält. Gegen kleinste Schwankungen reagiert sie aber enorm. Enorm negativ,
Beispiel: Wir selbst. Was wir tagtäglich an radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind ist nicht wenig, wirklich viel. Aber bei Peaks nach oben kippen wir sofort um. Beispiel: Was in Tschernobyl ausgetreten ist ist ein Bruchtal der Umgebungsstrahlung - und Zack, schon ist's vorbei.
Vielleicht ist es aber auch anders betrachtet logischer: Wir haben Lichtjahre um uns bislang keinen Planeten mit Leben gefunden, wie wir es kennen. Gibt es nicht, irgendwie. Nix gefunden, niet, nada. Das hier ist ein kleines Floß inmitten von Nichts - und wir kommen auf die grandiose Idee auf dem Floß ein Feuer anzuzünden. Holz brennt doch auch sonst, wieso nicht hier.
namidh (24.06.2008, 17:08 Uhr)
Die Frage ist, wem man auf die Finger klopft
Es mag sein, dass wir früher oder später vor dem Problem stehen, kein Erdöl mehr zu haben. Nur: Man stelle sich eine Familie vor, die sich einfach kein neues Auto kaufen kann, der Vater aber aus beruflichen Gründen darauf angewiesen ist?
Sicherlich wird es dann noch die öffentlichen Verkehrsmittel geben - doch glaube ich nicht daran, dass die in Zeiten höchster Not die Preise senken. Erst recht nicht in Form einer AG.
Geld hat nunmal einen gewissen Stellenwert - nicht nur um damit Luxus zu finanzieren, sondern einfach um eine gewisse Basis für das Leben aufrecht zu erhalten. Ob wir jetzt über Geld oder andere Güter zum Tausch reden: In seiner elementarsten Funktion ist Geld nunmal nicht nor Signalgeber, sondern auch Tauschmittel.
Und versteht mich nicht falsch: Eines Tages wird uns die Natur die Entscheidung abnehmen. Aber vom Ziel heraus zu argumentieren und dabei alles wegzupflügen und glattz zu bügeln, da kriege ich Bachschmerzen. Schließlich werden wir früher oder später alle sterben - man denke nur an die zahlreichen Rentner.
Provokativ gefragt: Ich mag nicht vor lauter Ergebnis diejenigen aus den Augen verlieren, die im Hier und Jetzt tagätlich auf das Auto angewiesen sind und mit realen Problemen zu kämpfen haben.
Da ist es eine Ohrfeige zu sagen "Tja, Pech gehabt".
terrax (24.06.2008, 17:06 Uhr)
Lachnummer
Die Ökos freuen sich Alle und ich lach mich tot wenn die Wirtschaft so den Bach runtergeht, daß auch ihre Arbeitslätze betroffen sind.
Leute überlegt mal. Welche normalen Verbraucher können sich denn mal eben so nebenbei ein oder zwei neue Auto leisten und die die es tun, werden wohl kaum noch in Urlaub fahren. Und in Deutschland vor allem in Ostdeutschland sind sehr viele Jobs vom Tourismus abhängig... Die Leute die schlau sind wandern in die Nicht-EU-Staaten aus wo der Spritt und überhaupt Energie weniger besteuert wird und am Monatsende auch noch mal etwas übrig bleibt.
Und mit dem CO2 das ist immer so eine armselige Lachnummer. Schon mal drüber nachgedacht, daß alle Vulkane auf der Erde ein zigfaches von dem an CO2 in die Luft pusten als der Mensch? Und? Der Natur hats nicht geschadet. Und das der CO2-Spiegel schwankt ist auch erwiesen, was aber immer noch keiner beweisen kann ist, daß CO2 die Erde erwärmt es wird nur angenommen. Aber die Regierungen nennen dann zig Millionen Tonnen CO2 (klingt ja schön) und versuchen so Angst zu schüren. Wie gesagt denkt mal an die Vulkane, da ist das was der Mensch an CO2 ausstößt nen Witz.
papaleo2000 (24.06.2008, 17:05 Uhr)
Von CO2- und Geld-Emissionen
Die CO2-Emission ist eine neue Art Schreckgespenst geworden. Es geht nur noch um reine Abzocke sonst nichts. Der Staat will unser Geld. CO2-Emission ist das richtige Werkzeug den Bürgern das Geld aus der tasche zu ziehen. Die Ganoven (Regierung) hat ein Modell erfunden (neudeutsch installiert) damit sie uns den Autofahrern das Geld dreimal, fünfmal aus der tasche ziehen kann.
Amin42 (24.06.2008, 17:03 Uhr)
Verbräuche von 6 Litern gabs schon vor 20 Jahren
also wo ist das Neue?? Ich fuhr mal einen Passat, ein78er Baujahr mit 880 kg Leergewicht. Der verbrauchte mit 4Ganggetriebe und Solxvergaser auf der Bahn bei 120 exakt 6,2 Liter Normalbenzin. Nicht auf dem Prüfstand mit Pfuscherei schöngerechnet sondern gemessen. Gut, er hatte keine Klimaanalge, keine Servolenkung und Fenster mussten gekurbelt werden. Aber er verbrauchte 6,2 Liter. In der Stadt warens 7. So, wo bitte ist das Neue?? Der Artikel hier ist doch Augenwischerei und Werbung für Neuwagen. Und die Diesel? Ein Golf II verbrauchte zwischen 4 und 5 Litern Diesel.
Und noch zwei Aspekte: die Produktion nur eines neuen PKW hinterlässt 25to Abfälle und Emissionen. Die Umwelt freut sich?? Ich weiss nicht.... Und die Verbräche die hier stehen sind "Norm"(!!) verbräuche. Da wird sich so mancher Smartfahrer aber wundern, wenn er sein Auto fährt, was der dann tatsächlich verbraucht. Unter 5 Litern als Beziner tut ers auch nicht.
Also ich für meinen Fall warte mit dem nächsten Neuwagen, bis es ein brauchbares zuverlässiges Elektroauto gibt. Wozu ein Auto das Benzin ( oder Diesel ) braucht tauschen, gegen ein anderes das wiederum Benzin ( oder Diesel ) braucht.
einsatzreicht (24.06.2008, 17:03 Uhr)
Öl wird verbraucht
Ich finde es Ok dass nur wegen den höheren Kosten auf umweltfreundlicher Autos umgestiegen wird. Das Öl das global noch vorhanden ist wird bis auf den letzten Tropfen verbraucht werden, soviel sollte jedem klar sein. Ob ein paar Jahre früher oder später macht auch nichts aus. Der CO2 Ausstoß ist somit schon vorherbestimmt. Soviel wie in Öl vorhanden ist wird freigesetzt, egal wo oder von wem.
tagora-sagittara (24.06.2008, 16:53 Uhr)
Ich wär gerne,...
bei der Erwürfelung der statisischen Werte anwesend gewesen,... war bestimmt ein Heidenspaß!?
Einen Wert könnt Ihr noch hinzufügen,... wenn mein derzeitiger Pkw dahinscheidet,... iss nicht neuen kaufen,... es sei denn der fährt mit Strom oder Brennstoffzelle und ist bezahlbar.
auwei (24.06.2008, 16:45 Uhr)
@namidh
So Recht Sie grundsätzlich haben mögen - in diesem Fall ist pubertierendes Schwarz-Weiß-Denken gar nicht so unangebracht. Wenn es um benzingetriebene Fahrzeuge geht, wird die Frage tatsächlich eines Tages schwarz (kein Öl mehr da) oder weiß (noch ein bisschen unbezahlbares Öl da) lauten. Wessen Existenz dann vom Auto abhängt, der hat schlicht Pech, ganz gleich, ob sich der eine oder andere klammheimlich darüber freut oder dies als Kollateralschaden abtut. Mobilität, die von Verbrennen fossiler Stoffe abhängt, hat keine Zukunft. Je früher wir das kapieren, desto besser.
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