30. Juni 2008, 11:01 Uhr

Chinas Offensive startet mit Fehlzündung

Plagiatsvorwürfe, schlechte Crashergebnisse, und jetzt lässt das Münchner Landgericht den CEO von China Automobile hochgehen: Chinas Autohersteller müssen einiges verkraften - und das vor dem Marktstart durchaus attraktiver Modelle. Denn das Konzept passt in die Zeit: Neuwagen zum Preis von Gebrauchten.

Mit etwas gutem Willen könnte der CEO als BMW durchgehen©

In diesem Sommer wollte China Automobile mit Sitz in München seine Generaloffensive auf dem deutschen Automobilmarkt starten. Mit CEO, UFO und GX6 sind die ersten Modelle bei den Händlern. Der Joker kommt im Herbst: Auf dem Pariser Salon Anfang Oktober soll ein neuer Kleinwagen Premiere feiern, der dem Billigdoppel Dacia Sandero und Logan Konkurrenz macht. Rund vier Meter lang soll er mit Platz für vier Personen gerade einmal 6.990 Euro kosten. Besonders wichtig für einen gelungenen Markeneinstieg von China Automobile Deutschland ist der kleine Geländewagen vom Typ Jonway UFO. Der optisch an den alten Toyota RAV4 erinnernde Viersitzer greift mit einer Länge von 3,85 Metern und einem Basispreis von 15.990 Euro Billigallradler von Kia, Toyota oder Hyundai an. "Wir werden zeitnah ebenfalls einen Fünftürer und ein Cabriolet auf den Markt bringen", so CAD-Geschäftsführer Karl Schlössl, "zum gleichen Preis. Ähnlich wie früher die Koreaner und ganz früher die Japaner bieten wir damit ein neues Auto zum Preis eines Gebrauchten an."

Niederlage für Shuanghuan

Doch die Strategie, mit günstigen Neuwagen insbesondere die wenig autoaffinen Kunden abzugreifen, gerät bereits vor dem Durchstarten ins Stocken. Überraschend deutlich verbot das Landgericht in seinem Urteil vom 26. Juni den Vertrieb des Vorzeigemodells Shuanghuan CEO wegen allzu großer Ähnlichkeit mit dem Vorgängermodell des aktuellen BMW X5. Das Gericht monierte insbesondere die Verwechselbarkeit zwischen Rückleuchten, Türgriffen und Lenkrad. Wer den alten BMW X5 und den neuen CEO zum ersten Mal von innen und außen betrachtet, wird an der Argumentation des Gerichts kaum Zweifel haben. So wenig sich der vor zwei Jahren abgelöste BMW X5 der ersten Generation und sein chinesisches Gegenüber bei Motorisierung, Positionierung und Frontansicht ähneln, so groß sind die Übereinstimmungen beim Grundkonzept, Proportionen und dem Heck. Schnell fallen einem Rückleuchten, Trittbretter, Türgriffe und das Lenkrad auf. Wer ernsthaft meint, dass der eine hier nicht beim anderen abgekupfert habe, dem ist kaum mehr zu helfen. Das bekräftigte in seinem Urteil auch das Landgericht München I, das als Folge der Abkupferei das Anbieten und Vertreiben des China-X5 verbot. In seinem Urteil verdonnert das Gericht China Automobile sogar dazu, alle deutschen Modelle des mindestens 25.990 Euro teuren CEO verschrotten zu lassen. Auch eine Schadensersatzforderung ist denkbar.

In anderen Ländern stärker im Markt

Doch damit ist das ganze beileibe nicht ausgestanden. Wenig überraschend kündigte Geschäftsführer Karl Schlössl rechtliche Schritte gegen das Urteil an. "Wir werden natürlich, wenn wir das Urteil vorliegen haben, in die nächste höhere Instanz gehen", so Tatjana Podkatilow, Pressesprecherin von China Automobile, "notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof. Es ist ganz eindeutig, dass verhindert werden soll, weiter chinesische Fahrzeuge auf dem Deutschen Markt anzubieten."

Bis zur Rechtskraft dürften so noch etliche Monate vergehen. Insbesondere auch deshalb, weil wohl auch bei einem Urteil der nächst höheren Gerichte kaum Schluss sein dürfte. Fakt ist, dass erste Modelle des CEO bereits auf den deutschen Straßen unterwegs sind. Noch größer könnte das Problem in den Nachbarländern Italien oder Frankreich werden. Hier sind bereits mehr als hundert Fahrzeuge verkauft worden und in Kundenhand unterwegs. Unangenehm dürfte für China Automobile zudem die Auskunftsverpflichtung sein, wonach Liefermengen, Lieferzeiten und Lieferpreise sowie Art und Umfang der betriebenen Werbung, gegliedert nach Werbeträger, Auflagenzahl, Erscheinungszeit und Verbreitungsgebiet offen gelegt werden sollen.

Ähnlichkeiten vorhanden, aber keine Eins-zu-Eins-Kopie©

Negativimage verunsichert Händler

Mit dem Verbot des CEO könnte China-Automobile sich gerade auf dem deutschen Markt sicher gut arrangieren. Im Fokus der Verkaufs- und Marketingbemühungen stehen für die nächsten Jahre Billigfahrzeuge kleinerer Klassen. Als problematisch dürfte sich jedoch der Imageverlust für die noch frische Marke darstellen. Seitdem mit Landwind und Brilliance die ersten China-Modelle auf dem deutschen Markt auftauchten, gab es nicht viel Gutes zu berichten. Verheerende Crashtests und schlechte Verarbeitungen sorgten dafür, dass die Fahrzeuge vor Marktstart gar nicht erst auf die Beine kamen. China Automobile wollte Plagiatsvorwürfe und Verarbeitungsmängel mit den neuen Modellen vergessen machen und auf kleinere Produkte wie den 7.000-Euro-Kleinwagen und ein ebenfalls neues Mittelklassemodell setzen, das als Limousine und Kombi ebenfalls noch 2008 kommen soll. Besonders der 4,75 Meter lange Kombi macht auf ersten Bildern keinen schlechten Eindruck und erinnert an dynamische Tourer. Mit einer Komplettausstattung sollen beide Modelle unter 17.000 Euro kosten. Auch die Gewerbetreibenden sollen mit einem Transporter der Ducato-Klasse für 20.000 Euro ins Visier genommen werden. Bleibt die Frage, ob es China-Automobile nach den jüngsten Entwicklungen gelingen kann, die bis Ende des Jahres angepeilten 150 Händler an sich zu binden.

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KOMMENTARE (10 von 14)
 
gmathol (01.07.2008, 12:50 Uhr)
In unserer Bank...
...als die uns die indischen und chinesischen Billig-Programmierer vor die Nase setzten haben wir auf stur geschaltet und einfach nicht Englisch gesprochen. Warum auch? Sind ja in Deutschland! Nach einem 3/4 Jahr waren die Billig-Koenner aus Indien und China verschwunden und wir koennen wieder stabile Software erzeugen ohne uns mit "Controller" Spielchen und "Kostendruecken" selbst zu beschaeftigen.
Ich rate allen Menschen in Europa blockt diese fremden Billig Arbeiter und Produkte! Wir koennen nicht ohne Gesundheitsvorsorge, Rente oder vernuenftige Loehen ueberleben.
Wer japanisch, chinesisch oder indisch billig einkauft sollte sich auch seine Rente von diesen Laendern finanzieren lassen.
So nicht!
Silbador (01.07.2008, 11:59 Uhr)
Die X5-Klasse ist vllt das falsche Ziel
Ich glaube nämlich nicht, das viele auf einen Pseudo-BMW abfahren. Dann lieber einen gebrauchten echten BMW (oder Alternativen).
Eine weit interessantere Zielgruppe sind tatsächlich die Kompakten wie der Astra / Golf und darunter. Hier entwickelt sich der Markt. Der deutsche Kunde wird immer mehr Autos unter 20TD und noch mehr Autos um die 10TD Euro verlangen. Autofahren ist zu einem teuren Spaß geworden, man beschränkt sich mehr und mehr auf die Grundfunktionen des Automobils und die sind in erster Linie, wie der Name schon sagt, eine eigenständige Mobilität ohne exorbitante Kosten.
Also, wenn es China hier schafft, Modelle mit passendem Preis-Leitsungsverhältnis zu bieten, werden die ins Geschäft kommen.
mister-mister (01.07.2008, 10:56 Uhr)
Da fällt mir ein -
- ich habe vorhin nicht zu Ende gedacht. Zu etwas sind diese Konstruktionen nämlich doch gut:
.
ROHSTOFF-RECYCLING !
.
Und dann könnte man richtige Autos draus bauen.
insane (01.07.2008, 10:48 Uhr)
BMW
Man muss das ganze distanziert sehen, ich zahle gerne einige tausender Mehr, wenn ich weis ich sitze im einem Fahrzeug wo ich bei einem Crash überlebenschancen habe. Ein weiterer Faktor ist, das ich auch lieber Geld in ein Auto investiere, wo ich weiss das DEUTSCHES KNOWHOW drin streckt. Dieses Chinaplastikprodukt hält vllt 5 Jahre und es fällt auseinander. Wie das heute schon teilweise bei Marken wie Peugeot sichtbar ist. Ich fahre einen 15 Jahre alten BMW 525i und habe heute noch keinerlei Probleme mit der Qualität. Da bricht nichts ab, da wackelt nichts.
Mal davon abgesehen, mal schauen wie lange diese Motörchen laufen ;) !
Molch66 (01.07.2008, 09:46 Uhr)
Lange geht das nicht mehr gut
Bislang lacht die deutsche Auto-Industrie noch über die Verläufe auf dem amerikanischen Markt: Alle wollten sie noch größere und noch schnellere Autos bauen. Mit dem Ergebnis, dass viele amerikanische Hersteller kurz vor der Pleite stehen, weil Japaner Einzug gehalten haben und mit "Autos fürs Volk" den Markt abräumen.
Vielleicht gewinnt BMW diesen Kampf - vor welchem Gericht auch immer. Das ist Werbung für die Chinesen, die als Antwort ihr Design etwas ändern, ihre PR schon hatten und dann für einen Spottpreis einen Wagen auf X5-Basis auf den Markt bringen.
Statt auf die Chinesen zu schimpfen und gegen Ihre Bestrebungen, auf den deutschen Markt zu kommen, mit aller Gewalt zu klagen, sollten BMW & Co sich mal Gedanken machen, warum "das Volk" auf solche Autos abfährt. Weil sich Otto-Normal-Verbraucher ein neues deutsches Auto einfach nicht mehr leisten kann! VW Golf mit ganz bisschen Ausstattung: 25.000.- Euro.
Mindsplitting (01.07.2008, 09:37 Uhr)
mal wieder ein PAradebeispiel für....
...Preistreiberei und Lobbyismus die den PReis künstlich oben halten wollen. Warum, verklagen sich audi und VW nit die Hucke voll, die ganzen Kompakten sehen doch alle gleich aus. (JA ich weis das AUdi und VW quasi eins ist) der einser wird auch schon mit erfolg nachgeäfft. Ohne besondere Ähnlichkeiten, genau wie der China Eimer da. Aber die Großen dürfen ja voneinander abgucken, nur wenn einer versteht das die LEute schon fast ausgepresst sind und günstiger wird isser Chancenlos auf dem Markt.
mister-mister (01.07.2008, 09:07 Uhr)
In einem anderen Artikel......
........finden wir den Titel "Ab in die SChrottpresse".
.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
laui (30.06.2008, 23:23 Uhr)
@Eisenbär
Sorry, dass ich Sie mit Eisbär angesprochen habe, wer lesen kann ...
laui (30.06.2008, 23:21 Uhr)
@eisbär
Warum wird hier Ahnlichkeit verteufelt?
Es gibt auch seit einigen Jahren ein Benz, welcher einem von hinten extrem an einen Jaguar erinnert. Unterschiede gibt es in Technik und Ausstattung trotzdem. Und mittlerweile holen sich europäische Marken auch optische Anleien an Japanern. Ja es gibt sogar Ami-Mittelkassecoupes welche stark an Ferrari erinnern. Zeitgeist, Windkanal, evtl. identische Designer führen nun mal zu ähnlichen Formen. Mal von der Silouette, mal von der Front und den Scheinwerfern oder mal von der Rückansicht. Viel Verwerflicher finde ich tatsächlich, wenn ehemals deutsche Hersteller billig im Ausland produzieren und dann die Ware hier in Deutschland teuer verkaufen. Dies geschieht in der Oberklasse, aber auch bei Opel&Co. Man sehe sich sogar mal die Preise von absolut baugleichen dt. und jap. Modellen an. Dies verurteile ich auch bei dt. Kleidungs- und Elektronikmarkenherstellern. Mir evtl. Neid auf die "Riesenkombis" zu unterstellen ist fehl am Platze. Mit Rollstuhl etc. ist für mich ein normaler Kombi genauso uninteressant wie solch ein hochbeiniger Kombi. Ich stehe mehr auf Van mit Schiebetüren und dritter Sitzbank. Weder das Richtige zum Angeben noch zum Rasen ;)
tagora-sagittara (30.06.2008, 22:47 Uhr)
@Eisenbaer
anyway,.. so`n Schrott haben wir schon im Inland,... braucht kein Mensch,... Förster fahren DB,... Juppis gehören inèn Smart,... passt zum Horizont,... basta!! ;-)
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