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16. Juni 2009, 12:58 Uhr

Die begehrten Feindbilder

Ökos fluchen, doch Geländewagen sind trotz Umweltbedenken weiterhin Bestseller. Der stern hat vier aktuelle und beliebte Kompaktmodelle aus Deutschland, Frankreich und Schweden getestet. Die Unterschiede sind größer, als die Papierform vermuten lässt. Von Peter Weyer und Dirk Vincken

Geländewagen, Audi Q5, Renault Koleos, Ford Kuga, Volvo XC 60, SUV

Die vier Testkandidaten mit Allradantrieb in einer Reihe (v. l.): Renault Koleos, Audi Q5, Ford Kuga und Volvo XC 60© Frithjof Ohm

Da hört der Fahrspaß auf. Zumindest für den Verkehrsclub Deutschland (VCD). Denn der fordert rigoros in seiner Beratungsbroschüre: "Keine SUVs kaufen". Das Kürzel steht für Sport Utility Vehicles und meint üppige Geländewagen im Kleinbusformat. Die hält der kleine Öko-Autofahrerverein wegen ihres großen Luftwiderstandes für klimatisch frevelhaft und besonders in der Großstadt für "vollkommen überflüssig". Zudem soll ein Blick auf Kosten und Nutzen abschrecken. "Der Kofferraum ist kleiner als bei manchem Kombi, der Kaufpreis und die Betriebskosten sind dreimal so hoch", steht auf Seite 15 des Infoblatts. Schließlich, prophezeit VCD-Pressesprecher Gerd Lottsiepen, werden SUVs zu "unverkäuflichen Ladenhütern, schon heute sind sie ganz out".

Doch die Broschüre klärt nicht auf, sie betreibt Propaganda: Denn kompakte Geländewagen sind durchschnittlich kaum zehn Prozent teurer als vergleichbare Kombis, kosten in Einzelfällen sogar weniger. Das wissen auch die emsigen Kämpfer des VCD. Neupreislisten sind nicht geheim.

Anhaltend fette Zuwachsraten

Lottsiepens düstere Verkaufsbilanz der geschmähten Allradler ist ebenfalls ziemlich daneben. SUVs sind keineswegs Ladenhüter. Sie sind Bestseller und haben als einzige Modellgattung anhaltend fette Zuwachsraten - ob man das nun politisch korrekt findet oder nicht. Zu Beginn des SUV-Booms im Jahr 2000 zählten 2,8 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen zu den Geländegängern, Ende 2008 waren es schon 7,7 Prozent. In zwei Jahren, so das Marktforschungsinstitut B & D Forecast, wird fast jedes zehnte neue Auto solch ein Kraxler sein.

Noch erstaunlicher: Selbst zu Beginn der Autokrise im vergangenen Jahr, als die Verkaufszahlen in Deutschland insgesamt bereits um 1,8 Prozent nachgaben, legten die SUVs noch kräftig zu. 237.888 Neuzulassungen registrierte das Kraftfahrtbundesamt für 2008 - ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Quartal 2009 gab es nochmals leicht erhöhte Zuwachsraten.

Modischer Kombi-Ersatz

Verkaufsrenner sind allerdings nicht mehr die Fünf-Meter-Dickschiffe mit mehr als drei Liter Hubraum. Angesagt sind derzeit deutlich abgespeckte Versionen in der Kompakt- und Mittelklasse. Für den harten Einsatz in schwerem Geläuf sind sie trotz Allradantriebs meist unbrauchbar. Es fehlt an Bodenfreiheit und zusätzlichen Fahrhilfen wie Achssperren und Untersetzungsgetriebe. Aber diese Technik vermisst kaum ein Kunde, denn die abgemagerten SUVs kurven meist nur als Familien-Freizeit-Großraum-Einkaufsauto über asphaltierte Straßen. Sie sind zum modischen Kombi-Ersatz geworden. Vier dieser Erfolgsmodelle hat der stern unter die Lupe genommen: Audi Q5, Ford Kuga, Renault Koleos und Volvo XC 60 - jeweils mit ihren Basismotoren aus der Zwei-Liter-Dieselklasse.

Verführerischer Einstieg in die SUV-Welt ist der Ford Kuga. Er gibt den Sportler unter den Waldund-Wiesen-Wühlern und fühlt sich eher wie eine wendige Kompakt- Limousine an. Trotz der leichten Hochbeinigkeit zieht er auf Asphalt zackig um die Kurven, stürmt, wenn die Motordrehzahl mit etwas Anlauf höhere Touren erreicht, plötzlich flotter davon, als die Papierform vermuten lässt. Notfalls steht er auch wie eine Eins. Alles tadellos. Ein Erfolgsgeheimnis des Kölners mit dem pflaumenähnlichen Logo ist sein Leichtgewicht, denn er bringt bis zu knapp 200 Kilogramm weniger auf die Waage als seine Klassenkonkurrenten. Folge eins: Der Kuga überzeugt mit dem geringsten Verbrauch und dem niedrigsten Kohlendioxidausstoß unter den vieren. Folge zwei: In Kombination mit den günstigen Versicherungsklassen drückt der maßvolle Spritdurst die Betriebskosten weit unter die Werte seiner Mitbewerber.

Büßerhaltung auf den Fondssitzen

Allerdings muss das preisgünstige Sportvergnügen mit spürbaren Einbußen beim Fahrkomfort erkauft werden. Die Vorderachse ist sehr straff gefedert, stuckert und poltert bereits auf harmlosen Querfugen in der Fahrbahn. Nichts für empfindliche Naturen auf Langstrecken, aber auch noch kein Fall für den Orthopäden. Ebenfalls von gestern ist, dass die angetriebene Vorderachse beim Tritt aufs Gaspedal ruppig am Lenkrad zerrt. In anderen Ford-Modellen sind diese Krawall-Kräfte mustergültig entkoppelt. Die bieten auch deutlich mehr Komfort für Hinterbänkler als der Kuga. Denn dort zwingen die Fondssitze zur Büßerhaltung wie auf kargem Kirchengestühl: Vorn scheuern die Knie, hinten drückt die steile Lehne den Rücken unausweichlich in die starre Senkrechte.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 22/2009

Die vier Testkandidaten im Überblick Kompaktmodelle im Vergleich

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KOMMENTARE (4 von 4)
 
vbzag (16.06.2009, 16:14 Uhr)
Was ein Quatsch,------
Über was reden wir eigentlich? Ich habe einen Kuga und habe lange geschaut vorher. Wenn man sich mal die Mühe macht und technisch mal vergleicht, dann stellt man fest das die Mittelklasse SUVs nicht mehr kosten, verbrauchen und in die Luft pulvern wie die "normalen" auch. Keiner der sogenannten Vernünftigen käme auf den Trichter einen Meriva oder einen C-Max als unsinniges Vehicle zu verteufeln. Leider verbrauchen die Kisten mehr als ein Kuga und/oder ein Tiguan z.B.. Und es gibt immer die unsinnige Variante eines Autos und wenn ein Q5 mit 3.0L Hubraum unsinnig ist, dann ist das ein Zaphira OPC ebenfalls, deswegen sind Zaphira / C-Max / Touran & Co ja keine Katastrophenautos. Die Bauform eines Autos zu vergleichen ist also ziemlich blöde, passt vielleicht gut in das alte grüne Kämpferherz, bleibt aber blöd. Nimmt man nun noch einmal zum Vergleich, welchen normalen Kombi ich mir holen müsste, damit ich bis 2000Kg gebremst ziehen darf, sieht die Rechnung noch anders aus. Nämlich zu ungunsten der "Vernunftsautos" Last but not least, ist es schlicht bequemer. Statt eine Fahrzeug Art zu also verteufeln, sollten die schlauen der Öko Verkehrsvereine mal nachfragen, warum es einen Focus auf Gas gibt und einen Kuga nicht? Das wäre die richtige Frage, den der Kuga ist nichts anderes als ein hochgebauter Focus, womit die Aussage des kleineren Kofferaums auch hinfällig ist. Der Vergleich stimmt bei Volvo und bei VW ebenfalls, Platz ist identisch mit den PKW Gegenstücken. Lesen nützt, lesen schützt an der Stelle.
mister-mister (16.06.2009, 15:59 Uhr)
So schlimm sind die Dinger nicht.........
....wir haben auch einen (kompakten) als Familienauto und würden es jederzeit wieder tun.
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Platzangebot? Okay.
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Verbrauch? Im Rahmen. Ich versuche auch selten das Teil mit Kondensstreifen durch die Schallmauer zu jagen...........
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Sitzposition / Übersicht? Spitze.
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Motorisierung - absolut okay.
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Straßenlage: gut bis akzeptabel.
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Allrad??? Genial vor allem im Skiurlaub, wenn es darum geht, die festgefahrenen Kleinen anzuschleppen ;-)))))).
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Alles in allem: von der Parkplatzproblematik abgesehen ein ganz normales Auto für alle Zwecke.
klabautermann79 (16.06.2009, 15:49 Uhr)
So falsch...
...lag der Herr des Automobilclubs doch im Gesamten gar nicht. Oder hab ich irgendwas überlesen? Die Sache mit den kleineren Kofferräumen wurde doch schon mal eingeräumt. Dann ist es doch tatsächlich so, dass der eine SUV Unmengen an Sprit wegpafft. das macht der nächste wiederrum nicht, ist aber in der Anschaffung immens teuer. Ich konnte auch nicht wirklich rauslesen, wo da jetzt die Vorteile eines SUV liegen sollen, wenn schon die ersten beiden vorgestellten Modelle auf stinknormalem Asphalt Probleme kriegen, sobald da ein Huckelchen ist. Von Kombi-Ersatz kann man dann wohl auch nicht reden, wenn teilweise das Sitzen im Fond zur Tortur wird. Ich würde infach mal sagen, dass den Käufern die Optik über alles geht. Das hat man aber auch in allen anderen Klassen. Man muß sich mal die neueren Kleinwagen angucken. Die werden immer breiter und länger, aber innen ist dennoch nicht mehr Platz. Zudem werden, sicher auch aus reinen Schönheitsgründen, die Scheiben ringsum immer kleiner, sodass man einen immer schlechteren Überblick über sein Auto und die Straße hat. Hauptsache, von außen sieht es cool aus! Oder wie mal ein Kumpel zu mir sagte, der sich auch gerne einen SUV zulegen würde und für den der Zweck und die Tauglichkeit keine Rolle spielen: "Wenn auf der Autobahn so eine Wand hinter einem angedüst kommt, ist das schon beeindruckend!".
hannes_schinder (16.06.2009, 14:48 Uhr)
Der Markt regelt sich erst wenn das Öl alle ist
oder die Vögel tot vom Himmel fallen. Wofür haben wir ein Grundgesetz? Wenn Geld mir das Recht gibt den Lebensraum anderer mutwillig oder fahrlässig zu zerstören, was mache ich dann erst ohne Geld?
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