Ökos fluchen, doch Geländewagen sind trotz Umweltbedenken weiterhin Bestseller. Der stern hat vier aktuelle und beliebte Kompaktmodelle aus Deutschland, Frankreich und Schweden getestet. Die Unterschiede sind größer, als die Papierform vermuten lässt. Von Peter Weyer und Dirk Vincken

Die vier Testkandidaten mit Allradantrieb in einer Reihe (v. l.): Renault Koleos, Audi Q5, Ford Kuga und Volvo XC 60© Frithjof Ohm
Da hört der Fahrspaß auf. Zumindest für den Verkehrsclub Deutschland (VCD). Denn der fordert rigoros in seiner Beratungsbroschüre: "Keine SUVs kaufen". Das Kürzel steht für Sport Utility Vehicles und meint üppige Geländewagen im Kleinbusformat. Die hält der kleine Öko-Autofahrerverein wegen ihres großen Luftwiderstandes für klimatisch frevelhaft und besonders in der Großstadt für "vollkommen überflüssig". Zudem soll ein Blick auf Kosten und Nutzen abschrecken. "Der Kofferraum ist kleiner als bei manchem Kombi, der Kaufpreis und die Betriebskosten sind dreimal so hoch", steht auf Seite 15 des Infoblatts. Schließlich, prophezeit VCD-Pressesprecher Gerd Lottsiepen, werden SUVs zu "unverkäuflichen Ladenhütern, schon heute sind sie ganz out".
Doch die Broschüre klärt nicht auf, sie betreibt Propaganda: Denn kompakte Geländewagen sind durchschnittlich kaum zehn Prozent teurer als vergleichbare Kombis, kosten in Einzelfällen sogar weniger. Das wissen auch die emsigen Kämpfer des VCD. Neupreislisten sind nicht geheim.
Lottsiepens düstere Verkaufsbilanz der geschmähten Allradler ist ebenfalls ziemlich daneben. SUVs sind keineswegs Ladenhüter. Sie sind Bestseller und haben als einzige Modellgattung anhaltend fette Zuwachsraten - ob man das nun politisch korrekt findet oder nicht. Zu Beginn des SUV-Booms im Jahr 2000 zählten 2,8 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen zu den Geländegängern, Ende 2008 waren es schon 7,7 Prozent. In zwei Jahren, so das Marktforschungsinstitut B & D Forecast, wird fast jedes zehnte neue Auto solch ein Kraxler sein.
Noch erstaunlicher: Selbst zu Beginn der Autokrise im vergangenen Jahr, als die Verkaufszahlen in Deutschland insgesamt bereits um 1,8 Prozent nachgaben, legten die SUVs noch kräftig zu. 237.888 Neuzulassungen registrierte das Kraftfahrtbundesamt für 2008 - ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Quartal 2009 gab es nochmals leicht erhöhte Zuwachsraten.
Verkaufsrenner sind allerdings nicht mehr die Fünf-Meter-Dickschiffe mit mehr als drei Liter Hubraum. Angesagt sind derzeit deutlich abgespeckte Versionen in der Kompakt- und Mittelklasse. Für den harten Einsatz in schwerem Geläuf sind sie trotz Allradantriebs meist unbrauchbar. Es fehlt an Bodenfreiheit und zusätzlichen Fahrhilfen wie Achssperren und Untersetzungsgetriebe. Aber diese Technik vermisst kaum ein Kunde, denn die abgemagerten SUVs kurven meist nur als Familien-Freizeit-Großraum-Einkaufsauto über asphaltierte Straßen. Sie sind zum modischen Kombi-Ersatz geworden. Vier dieser Erfolgsmodelle hat der stern unter die Lupe genommen: Audi Q5, Ford Kuga, Renault Koleos und Volvo XC 60 - jeweils mit ihren Basismotoren aus der Zwei-Liter-Dieselklasse.
Verführerischer Einstieg in die SUV-Welt ist der Ford Kuga. Er gibt den Sportler unter den Waldund-Wiesen-Wühlern und fühlt sich eher wie eine wendige Kompakt- Limousine an. Trotz der leichten Hochbeinigkeit zieht er auf Asphalt zackig um die Kurven, stürmt, wenn die Motordrehzahl mit etwas Anlauf höhere Touren erreicht, plötzlich flotter davon, als die Papierform vermuten lässt. Notfalls steht er auch wie eine Eins. Alles tadellos. Ein Erfolgsgeheimnis des Kölners mit dem pflaumenähnlichen Logo ist sein Leichtgewicht, denn er bringt bis zu knapp 200 Kilogramm weniger auf die Waage als seine Klassenkonkurrenten. Folge eins: Der Kuga überzeugt mit dem geringsten Verbrauch und dem niedrigsten Kohlendioxidausstoß unter den vieren. Folge zwei: In Kombination mit den günstigen Versicherungsklassen drückt der maßvolle Spritdurst die Betriebskosten weit unter die Werte seiner Mitbewerber.
Allerdings muss das preisgünstige Sportvergnügen mit spürbaren Einbußen beim Fahrkomfort erkauft werden. Die Vorderachse ist sehr straff gefedert, stuckert und poltert bereits auf harmlosen Querfugen in der Fahrbahn. Nichts für empfindliche Naturen auf Langstrecken, aber auch noch kein Fall für den Orthopäden. Ebenfalls von gestern ist, dass die angetriebene Vorderachse beim Tritt aufs Gaspedal ruppig am Lenkrad zerrt. In anderen Ford-Modellen sind diese Krawall-Kräfte mustergültig entkoppelt. Die bieten auch deutlich mehr Komfort für Hinterbänkler als der Kuga. Denn dort zwingen die Fondssitze zur Büßerhaltung wie auf kargem Kirchengestühl: Vorn scheuern die Knie, hinten drückt die steile Lehne den Rücken unausweichlich in die starre Senkrechte.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 22/2009
Die vier Testkandidaten im Überblick Kompaktmodelle im Vergleich