Welche Virenscanner zuverlässig arbeiten

13. Februar 2013, 19:03 Uhr

Täglich landen Millionen Trojaner in deutschen E-Mail-Konten. Wie schützt man sich dagegen? Die Fachzeitschrift "c't" hat 16 Virenwächter getestet - mit erstaunlichen Ergebnissen. Von Christoph Fröhlich

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Sie tarnen sich als Steuerbescheide, längst überfällige Mahnungen, angebliche Familienbilder oder als gewinnverheißende Nachrichten: E-Mails mit Trojanern an Bord fluten Tag für Tag deutsche E-Mail-Postfächer. Die meisten erkennt man bereits auf den ersten Blick, doch manche sind so gut gemacht, dass selbst erfahrene Anwender auf die Tricks der Onlinebetrüger hereinfallen. Startet man aus Versehen die Schnüffelsoftware aus der E-Mail, hilft nur noch eins: ein gutes Antivirenprogramm. Doch welche Software ist gegen die Gefahr aus dem Postfach gewappnet? Die Computerzeitschrift "c't" hat 16 kostenlose und kostenpflichtige Virenwächter getestet - und überraschende Ergebnisse zu Tage gefördert.

Kostenloser Virenschutz schlägt teure

248 verschiedene Trojaner wurden aus Mail-Anhängen und Tauschbörsen gefischt und auf die Programme losgelassen. Um einen möglichst realistisches Ergebnis zu bekommen, wurde jeder Testkandidat auf einem eigenen PC installiert. Als Betriebssystem diente Windows XP mit Servicepack 3, installiert war jeweils das Produkt mit der laut Hersteller größten Schutzwirkung, meist war das die jeweilige Internet Security Suite. Getestet wurden Programme von Avast, Avira, Bitdefender, Eset, F-Secure, G Data, Kaspersky, McAfee, Microsoft, Panda, Symantec und Trend Micro. Um zu überprüfen, ob kostenpflichtige Programme wirklich mehr können als Gratis-Versionen, testete die "c't"-Redaktion außerdem die kostenlosen Tools von Avast, AVG, Avira und Panda.

Kein einziger der 16 Virenwächter konnte im "c't"-Test alle 248 Trojaner aufhalten. Der Testsieger war Avira: Nur ein einziger Schädling entwischte dem Programm, das in Tettnang am Bodensee entwickelt wird. Interessant: Die Gratis-Version von Avira schnitt im Test ebenso gut ab wie die kostenpflichtige. Auch andere teure Softwarepakete erzielten keine bessere Wirkung als die kostenlosen Versionen aus demselben Haus. Ebenfalls gute Ergebnisse lieferten McAfee und Symantec, im Mittelfeld landeten Kaspersky, Avast und Trend Micro. Enttäuschend waren laut den Testern die Ergebnisse von Bitdefender und F-Secure, die eigentlich zu den namhaftesten Herstellern von Sicherheitssoftware gehören.

Nicht empfehlenswert sind laut "c't"-Autor Jürgen Schmidt die Programme von AVG und Panda sowie die Microsoft Security Essentials: "Ihnen rutschten so viele Trojaner durch, dass man nicht mehr von wirkungsvollem Schutz reden kann." Auch bei den kostenlosen Tools bildeten Panda, AVG und Microsoft das Schlusslicht.

Rennen gegen die Zeit

Im Kampf gegen Computerschädlinge greifen die Entwickler auf jede Menge Tricks zurück: Mit regelmäßigen Updates bleibt die Antivirensoftware auf dem neuesten Stand, dank Internetverbindung und Cloud-Erkennung kann das Programm direkt beim Server des Herstellers nachfragen, was denn von der Datei im Anhang zu halten sei. Einen weiteren Schutz verspricht die intelligente Verhaltenserkennung, die bei vielen Profi-Tools mit an Bord ist und auffällige Aktionen von Programmen analysiert und notfalls rückgängig macht.

Wie der "c't"-Test zeigte, nützt das alles nur bedingt: Vor allem die Zeit ist ein sehr entscheidender Faktor im Kampf gegen Computerschädlinge. Trojaner, die bereits länger als eine Woche im Netz kursierten, wurden von allen Programmen entdeckt. Das änderte sich schlagartig, als die Tester zum Echtzeitbetrieb übergingen: Schon als zwei neue Versionen aus bereits mehrfach aufgetauchten und erfolgreich abgewehrten Schädlingsfamilien auf den Rechnern landeten, gerieten einige Kandidaten ins Taumeln. AVG fand die Dateien zwar verdächtig, musste aber beim Anwender um Rat fragen. McAfee, Symantec und G Data ließen die Schädlinge sogar ungehindert passieren.

Fazit

Die Ergebnisse des Tests bieten eine gute Orientierung, sollten aber nicht verallgemeinert werden. Mit 248 getesteten Trojanern ist die untersuchte Menge an Schadprogrammen verhältnismäßig klein. Auch der Schutz gegen Viren und Würmer wurde nicht untersucht, wie gut die Programme gegen Schädlinge gewappnet sind, die Schwachstellen und Sicherheitslücken ausnutzen, bleibt ebenfalls ungeklärt.

Die beiden Testlabors AV-Comparatives und AV-Test, mit denen "c't" zusammenarbeitete, prüfen Antivirenprogramme regelmäßig auf den Schutz vor derartigen Bedrohungen. In solch einem "Real World"-Test von AV-Comparatives landete zuletzt Kaspersky auf dem ersten Platz, gefolgt von Avira, Eset und Avast. Bei einem ähnlichen Test von AV-Test platzierten sich Avast, Kaspersky und Symantec im Spitzenranking, Eset und Avira landeten im Mittelfeld.

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